3 mit Sex

13. März 2020 19:34; Akt: 13.03.2020 20:26 Print

«Ich habe es für Geld getan»

Ein Unbekannter verspricht Ella 100 Franken, wenn er ihre Schuhe fotografieren darf. Also folgt sie ihm auf einen dunklen Spielplatz.

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Ein Winterabend vor gefühlt sehr vielen Jahren. Anders gesagt: Ich war jünger und dümmer und auf dem Weg zu meinem Lover, der in einer Bar arbeitete. Nicht in einer hippen Bar und auch nicht, weil er dringend Geld brauchte, um sein Leben als Influencer zu finanzieren, sondern weil es das Einzige war, das er konnte: Übersüsse Drinks machen, übersweete Sprüche klopfen und damit die Frauen über den Tisch zu ziehen. Ich war eine davon und natürlich blind wie ein Clubgänger im Morgenlicht.

Umfrage
Würdest du einem Schuhfetischisten deine Schuhe verkaufen?

Mit knappen Kleidern und noch knapperem Budget aufgebrezelt – grosser Modegott, verzeih mir! – setzte ich mich ins Tram und fuhr viele Stationen Richtung Stadtrand, wo sich Fuchs und Hase in eine Shisha-Bar setzen müssen, um sich gute Nacht zu sagen.
In dieser erfreulichen Gegend stöckelte ich in meinen schwarzen Kunstlederstiefeln mit Lackoptik Richtung Bar, als mich ein Mann ansprach. Er sah normal aus, jedenfalls normaler als die anderen Gestalten an der Tramhaltestelle und vermutlich auch normaler als ich. Er fragte mich nach dem Weg zu ebendieser Bar und wir gingen ein paar Schritte zusammen. Den Blick hielt er starr auf den Boden gerichtet und ich war erleichtert, dass er keine Anstalten machte, mich zu bedrängen.

Er gab mir ein Kompliment für meine Stiefel

«Du hast sehr schöne Stiefel», meinte er da plötzlich, und ich zweifelte auf der Stelle an seinem Verstand, weil ja: Schön waren sie nicht, noch nicht mal sexy, sie entsprachen mehr meinem Budget als meinem Geschmack. «Wirklich, tolle Schuhe», wiederholte er, und ich bedankte mich artig und war gleichzeitig etwas betupft, weil er nichts zu meinen langen Beinen sagte, die ja immerhin in diesen Stiefeln steckten. «Darf ich sie fotografieren?» «No way», sagte ich und wies ihn auf die Minderwertigkeit meiner Schuhe hin und auf eine Stelle, wo der Lack schon etwas ab war. «Das macht nichts», sagte er. «Ich bin Schuhfetischist und darum Experte: Diese Schuhe sind perfekt, wie sie sind.»

Ich fand seine Erklärung alles andere als überzeugend und wollte mich schon abwenden, als er plötzlich mit einer 20er-Note wedelte. Ich zog eine Augenbraue hoch. Er zog eine zweite Note aus der Tasche, ich zog eine zweite Augenbraue hoch. Meine Stirn lag in Falten, ich dachte an Botox, da wanderte seine Hand wieder in die Tasche. Er zückte sein Portemonnaie, legte die Noten zurück und nahm einen Hunderter heraus.

War es gefährlich, ihm zu folgen?

«Fix», sagte ich. «Wo also?» «Ich kenne einen Spielplatz in der Nähe, da ist es schön ruhig.» Ich zögerte. War es gefährlich, was ich da gerade tat? War er ein Psycho? Handkehrum waren es schon sehr leicht verdiente 100 Franken. «Aber nur ein paar Fotos, ohne dass man mich erkennt», sagte ich schliesslich. «Und du fasst mich nicht an!» «Keine Sorge! Ich bin wirklich nur an deinen Schuhen interessiert.»

Auf dem Spielplatz angekommen, bat er mich, auf einem der Holztische Platz zu nehmen, der im fahlen Licht einer Laterne stand. Ich schaute mich um. In einer Ecke hängten ein paar Jugendliche, sonst war niemand da. Der Unbekannte kroch unter den Tisch und wies mich an, die Beine übereinanderzulegen. Ich dachte an die 100 Franken und horchte in mich hinein. War es schmutzig, was ich tat? Schliesslich bereitete ich jemand anderem sexuelle Lust und erhielt dafür Geld. Wie eine Prostituierte eigentlich – wobei, müssen sich Prostituierte für ihren Job schuldig oder schmutzig fühlen? Ich finde nicht, und auch in mir regte sich kein solches Gefühl, wohl aber langsam die Lust, zu gehen. Der Mann unter mir stöhnte, ob aus Geilheit oder weil er sich den Kopf an der Tischplatte gestossen hatte, konnte ich nicht sagen.

Leicht verdientes Geld

Kurz darauf kroch er unter dem Tisch hervor und zeigte mir die Bilder auf dem Handy. Die voyeuristische Perspektive, die Lichtreflexionen auf dem Lack der Stiefel und die Umrisse der Bäume im Hintergrund gaben den Fotos einen künstlerischen Touch. «Nicht schlecht», sagte ich, und er drückte mir stolz die Hunderternote in die Hand. «Falls du die Stiefel mal verkaufen möchtest, hier meine Nummer», meinte er und drückte mir einen Zettel in die Hand. «Ich zahle gut für getragene Schuhe.»
Auf dem Weg zu meinem Lover schmiss ich den Zettel in den nächsten Abfalleimer. Auch die Stiefel landeten bald dort. Schliesslich konnte ich mir nun schönere leisten.

(20M)