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9.1.2019 Print

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«Ich habe viel mehr Freude am Job als früher»

Wie sie als 25-Jährige dazu kam, die grössten Fahrzeuge der Schweiz zu bewegen und täglich die Verantwortung für hunderte Kunden und Kundinnen zu tragen, erzählt SBB-Lokführerin Eliane Burri.

Neuen Mitarbeitenden wird nicht oft bereits von Anfang an volles Vertrauen geschenkt. Bei den Lokführerinnen und Lokführern ist das anders. Nach einer bezahlten Ausbildung arbeiten sie selbstständig und bewegen an der Spitze des Zuges die Schweiz.

Dabei sind nicht das Alter oder viele Vorkenntnisse entscheidend, sondern eine ausgeglichene Persönlichkeit, gute Reaktionsfähigkeit und ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein. Wer gewissenhaft und zuverlässig ist, kann bereits Anfang zwanzig in diesen Job einsteigen – wie Eliane Burri, seit drei Jahren Lokführerin. Weshalb ihr auch die Schichtarbeit gefällt, sagt sie im Interview.

Wie reagierte Ihr Umfeld, als Sie sich dafür entschieden, Lokführerin zu werden?
Alle haben gelacht und sich gewundert.

Wieso?
Ich war sehr sportlich und aufgedreht und wurde deshalb gefragt, wie ich das machen wolle, den ganzen Tag stillzusitzen. Das geht aber sehr gut (lacht). Ich kann die Energie gebrauchen für die Aufmerksamkeit, die die Aufgabe von mir verlangt.

Trotzdem sitzen Sie nun viel mehr als vorher.
Ja, aber es ist nie langweilig, und ich habe viel mehr Freude am Job als früher als Elektroinstallateurin. Wir Lokführer und Lokführerinnen sind sehr selbstständig, haben grosse Verantwortung und keinen Chef, der permanent hinter uns steht. Bewegung gehört natürlich weiterhin zu meiner Freizeit.

Mindestens einmal im Leben den Job wechseln ist normal, aber wie kommt man Anfang zwanzig auf die Idee, Lokführerin zu werden?
Eine Nachbarin brachte mich darauf. Nach meiner Lehre wollte ich etwas Neues machen. Sie meinte, ich solle ihren Bruder anrufen, der Lokführer ist.

Waren Züge Ihre Leidenschaft?
Nein. Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, was dieser Job bedeutet. Als mir der Lokführer zeigte, was er tut, war ich überrascht, wie interessant das ist, und bewarb mich kurz darauf.

Wie sind die Reaktionen auf Ihre Tätigkeit als Frau an der Spitze des Zuges?
Sehr positiv, vor allem verglichen mit der Arbeit auf der Baustelle. Jetzt höre ich oft, dass man selten Lokführerinnen sehe, was mich eigentlich erstaunt bei diesem schönen Beruf.

«Keine Woche ist gleich wie die andere»

Sie fahren fix nach Plan und in Schichten. Wie ist das?
Das schätze ich sehr. Wir sind alle flexibel, und keine Woche läuft gleich ab wie die andere. Wir beginnen immer wieder zu unterschiedlichen Zeiten, fahren abwechselnd verschiedene Strecken, und auf der Tour entscheiden wir sehr selbstständig, was zu tun ist, wenn etwas anders läuft als geplant.

Was ist das Wichtigste in Ihrem Job als Lokführerin?
Die Kommunikation untereinander, dass wir uns aufeinander verlassen können und so für die grösstmögliche Sicherheit sorgen.

Was gefällt Ihnen am besten?
Das selbstständige Arbeiten, die Verantwortung und das gute Gefühl nach dem Einsatz. Wir nehmen keine Pendenzen mit nach Hause, jeden Tag starten wir wieder neu.

Was gefällt Ihnen weniger gut?
Ich kann alles richtig machen und trotzdem zu spät ankommen. Das hat damit zu tun, dass wir auf einem der dichtesten befahrenen Streckennetzen der Welt unterwegs sind. Eine kleine Verzögerung eines anderen Zuges kann dazu führen, dass ich warten muss, bis ich losfahren kann. Da kannst du nichts anderes tun, als trotz Zeitdruck ruhig zu bleiben.

Bei den meisten Jobs liegt auch mal ein Tag drin, an dem man müde oder gestresst ist. Im Büro hat man aber keine Verantwortung für 350 Tonnen, 8400 PS und Hunderte Passagiere. Wie gehen Sie damit um?
Einerseits lernen wir Techniken, um ruhig und konzentriert zu bleiben. Und in Pausen können wir uns die Beine vertreten oder in Ruheräumen einen Powernap machen. Andererseits ist auch klar: Wenn etwas passiert ist und es mal gar nicht gehen sollte, dann sagen wir es und ein Ersatz übernimmt. Hauptsache, die Sicherheit ist gewährleistet.

Mehrmals jährlich startet die Ausbildung der SBB. Sie ist sowohl auf soziales als auch selbstorganisiertes Lernen ausgerichtet. Im Fokus steht die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis. Bereits in den ersten Ausbildungswochen werden die angehenden Lokführerinnen und Lokführer die Spitze des Zuges übernehmen. Weitere Infos siehe Box.