100 Jahre Suva

1.4.2018 Print

Des einen Scherz, des anderen Erfolgsstory

100 Jahre Suva

1. April 1918: Kein Scherz, die Suva nimmt den Betrieb auf

Nach langen politischen Auseinandersetzungen und zwei Volksabstimmungen nahm die Suva vor 100 Jahren den Betrieb auf. Es war ein Meilenstein für den Werkplatz Schweiz.

Heute würde man an einen schlechten Aprilscherz denken. Damals – vor hundert Jahren – war es die normalste Sache der Welt. 1918 fiel der Ostermontag auf den 1. April, und der 1. April war ein gewöhnlicher Arbeitstag.

Gewöhnlich war er allerdings nicht für die Angestellten der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) in Luzern. Für sie – und für die Schweiz – war er ein historischer Tag. Vor genau hundert Jahren begann das erste Sozialversicherungswerk der Schweiz mit seiner Arbeit.

Eröffnung mitten im Krieg
Nach einem langen Vorbereitungsprozess war man sich der politischen Bedeutung des Tages bewusst. Dennoch wurde nicht gefeiert. Nur etwas «Flaggenschmuck» habe sich «das grosse Haus zu diesem denkwürdigen Anlass angelegt», hiess es in der Lokalpresse. Zu gross war die wirtschaftliche Not, das Ende des Ersten Weltkrieges war nicht abzusehen. Da blieb, wie es Paul Usteri, Gründervater der Suva und Ständerat aus Zürich, ausdrückte, nur die «schlichte und stille Pflichterfüllung ohne grosses Gepränge».

Es hatte zwei Volksabstimmungen gebraucht, um die Suva zu gründen. Das erste Referendum scheiterte 1900, weil das Gesetz auch eine obligatorische Krankenversicherung enthielt. 1912 reichte es der abgespeckten Vorlage zu einer knappen Mehrheit. Sie war begleitet von einem gehässigen Abstimmungskampf, dem auch die fremdenfeindlichen Töne nicht fehlten. Weil das Kleingewerbe und die Landwirtschaft nicht unter das Versicherungsobligatorium fielen, würden «ganze Klassen unserer einheimischen Bevölkerung leer ausgehen», hiess es auf Plakaten, während die «privilegierten ausländischen Arbeiter» profitierten.

«Versicherung bedeutet Frieden»
Dennoch war die Einsicht gross: Das bisherige System der Haftpflicht war von der Willkür der Arbeitgeber geprägt. Wehrte sich ein Fabrikarbeiter für seine Ansprüche, riskierte er die Kündigung. «Haftpflicht bedeutet den Streit, Versicherung den Frieden», lautete deshalb die Parole.

Obligatorien waren schon immer eine heikle Sache in der Politik – nicht nur in der Schweiz. Auch aus diesem Grund war die Schaffung der Suva revolutionär. Sie beschränkte sich nicht auf die Versicherung der Berufsunfälle, sondern schloss auch die Freizeitunfälle ein. Und sie gründete auf dem Prinzip der Sozialpartnerschaft und des sozialen Friedens: Arbeitgeber, Arbeitnehmer und der Bund sind die Träger der Sozialversicherung. Dies ist noch heute das Erfolgsrezept der Suva.