«Heute blau, morgen blau»

04. März 2011 15:14; Akt: 04.03.2011 15:48 Print

Kachelmann gibt Comeback in Deutschland

Locker wie in früheren Zeiten gab Jörg Kachelmann seine Wetterprognose zum Besten - für einen lokalen Radiosender in Aschaffenburg. Die Hörer sind geteilter Meinung.

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Moderator Jörg Kachelmann ist zurück: Am Freitagmittag sprach er für den Aschaffenburger Radiosender Primavera die Wettervorhersage für das Wochenende und die Fasnachtstage - der erste Auftritt in einem deutschen Sender seit seiner Verhaftung wegen Vergewaltigungsverdachts vor rund einem Jahr.

Um 12.20 Uhr war die Stimme von Kachelmann bei dem Lokalsender zu hören. Kälte in der Nacht, zeitweise frischen Wind bei Tag und leichten Nieselregen kündigte er in seinem rund zweiminütigen Beitrag für die Landkreise Aschaffenburg und Miltenberg sowie das angrenzende Rhein-Main-Gebiet an. «Heute blau, morgen blau und übermorgen auch. Das wünschen sich viele - in Sachen Himmel», sagte Kachelmann.

Sender mit Vorhersage zufrieden

Der Sender war mit der ersten Vorhersage zufrieden. «Es war sehr gut, genauso wie wir es uns vorgestellt hatten», sagte Primavera-Chefredakteur Marco Maier auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd. Kachelmann habe das Wetter für viele Orte im Sendegebiet sehr detailliert vorhergesagt. «Nach der ersten Ausstrahlung sind wir uns sicher, alles richtig gemacht zu haben».

Die Studiokamera auf der Internetseite musste der Sender wegen der hohen Datenmenge abschalten. «Sonst hätten noch weniger Leute den Webstream anhören können», sagte Maier. Wäre die Kamera allerdings eingeschaltet gewesen, wären Moderatorin Liane Wirzberger und Kamerateams zweier grosser Fernsehsender zu sehen gewesen.

Gemischte Hörer-Reaktionen

Viele Hörer freuen sich, dass Kachelmann ein Jahr lang freitags und samstags das Wochenendwetter für die Region ansagen will. «Ich bin froh, dass Primavera ihm eine Chance gibt», sagte eine Hörerin. Und eine andere betonte: «Ich hab' da im Prinzip nichts dagegen, er ist ja noch nicht verurteilt».

Doch nicht alle sind mit Kachelmanns Verpflichtung einverstanden. Auf der Internetseite des Senders schrieb ein Hörer: «Ciao Primavera, bei uns bleibst du zukünftig aus.» Chefredakteur Maier entgegnete, bis zu einem Urteil gegen Kachelmann gelte für den Sender die Unschuldsvermutung.

Kachelmann muss sich seit September vergangenen Jahres vor dem Landgericht Mannheim verantworten. Er wird verdächtigt, seine Ex-Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Der ehemalige ARD-Wettermann bestreitet die Vorwürfe.

Vorhersage in der Schweiz aufgenommen

Das Wetter präsentierte Kachelmann nicht live im Studio in Aschaffenburg. Den Beitrag hatte er in der Schweiz aufgenommen und per E-Mail an den Sender geschickt. Dort wurde die Vorhersage noch auf die Moderation von Liane Wirzberger abgestimmt und zugeschnitten.

Sie stellte zwei Fragen zu den Wetteraussichten und Kachelmann antwortete. Für Freitag sagte er «allenfalls ein paar ganz kleine schüchterne Nieseltröpfchen» voraus. Am Sonntag gebe es «dann schon wieder ein paar Auflockerungen mehr, allerdings eben auch nicht den ganz blauen Himmel». Wegen der teilweise niedrigen Temperaturen «muss man dann schon ein Pulloverchen mehr anziehen».

Seit Tagen hatte der Sender auf seiner Internetseite und im Radio für den «bekanntesten Wettermoderator Deutschlands» geworben. In einem kurzen Werbespot sagte Kachelmann: «Hallo, ich bin Jörg Kachelmann. Und das Wochenendwetter im Primavera-Land gibt es ab jetzt immer freitags von mir» - sollte ihm das Landgericht Mannheim nicht doch noch einen Strich durch die Rechnung machen.

(ap)