Gerichtsprozess sistiert

09. Dezember 2011 20:33; Akt: 09.12.2011 20:34 Print

Kachelmann und der «Putschist» einigen sich

Jörg Kachelmann fordert knapp eine Million Franken von der Firma des Ex-Verwaltungsrates Frank B. Werner. Nun wurde der Prozess sistiert. Man will aussergerichtlich übereinkommen.

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Kachelmann ist definitiv freigesprochen. Staatsanwalt und Nebenklägerin zogen ihre Anträge auf Revision zurück. . Das Landgericht Mannheim hat den Wettermoderator Jörg Kachelmann vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Nach Auffassung der Richter reichten die Indizien nicht für eine Verurteilung aus. Das Urteil wurde im Gerichtssaal mit Jubel aufgenommen. Es ging ein Aufschrei durch das Publikum. Schon Stunden vor dem Urteilsspruch hatten sich über hundert Menschen vor dem Gericht versammelt, um eingelassen zu werden. Die Verteidigung hatte im Plädoyer den Freispruch für Jörg Kachelmann gefordert. Das mutmassliche Opfer habe aus Rache und Hass gelogen, sagte die Rechtsanwältin Andrea Combé vor dem Landgericht Mannheim. Wegen fehlender objektiver Beweismittel stehe Aussage gegen Aussage. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung der 38-jährige Radiomoderatorin Sabine W. gefordert. dem vorletzten Prozesstag, gibt die Staatsanwaltschaft intime Details über den Wettermoderator preis und hält ihn weiter für schuldig. Am 41. Prozesstag, am gab Kachelmann vor Gericht bekannt, dass er während des Prozesses die Studentin Mirjam geehelicht hat. Jörg Kachelmann hat das Steuer übernommen: Zur fuhr der Wettermoderator selbst vor. Die Schweizer Zeugin wurde in Zürich von der Staatsanwaltschaft I befragt. Die ehemalige Freundin von Kachelmann ist von vertreten worden. Über ihre Aussage wollte der Anwalt keine Auskunft geben. Die Befragung sei aber gesittet gewesen, so Landmann. Die deutschen Medien hatten die Frau zu einer Belastungszeugin für den Wettermoderator hochgeschrieben. «Diese Schilderungen waren teilweise falsch und verletzend für meine Mandantin», so Landmann vor den Medien. Der neue Mann an Jörg Kachelmanns Seite: für den Wettermoderator im Rampenlicht. Seine bisherigen Verteidiger Klaus Schroth und Reinhold Birkenstock wurden per sofort vom Mandat entbunden. war kurz und bündig: «Ich habe der 5. grossen Strafkammer des Landgerichts Mannheim heute angezeigt, dass ich nicht mehr Verteidiger von Herrn Kachelmann bin», schrieb er den Medien. Kachelmann hatte sich entschieden von Johann Schwenn zu vertreten zu werden. Mit Birkenstock musste auch Verteidiger Klaus Schrott gehen. mit ihrem Anwalt vorfuhr, hielt sie sich ein Buch vor das Gesicht. Titel: «Der Soziopath von nebenan». Die Suche nach Antworten einer verzweifelten Frau? Ein Zeichen an die Öffentlichkeit? Sicher ist: Vor der entscheidenden Phase des Prozesses kein Zufall. Runde 10 im Prozess gegen Jörg Kachelmann: der an Jörg Kachelmann ging und eine Zeugin versprach, die den Wettermoderator entlasten könnte. Jörg Kachelmann trifft am beim Bezirksgericht Mannheim ein. benutzt Kachemlmann (links) einen Hintereingang, um ins Gerichtsgebäude zu gelangen. Neben ihm sein Anwalt Ralf Höcker. Kachelmann am Landgericht Mannheim. Statt einer Verhandlung wurde gleich vertagt. Für Überraschung sorgte Kachelmanns mutmassliches Opfer. die Kachelmann schwere Vergewaltigung vorwirft, erschien ebenfalls vor Gericht. Aussagen muss sie aber erst später. Kachelmann und seine Verteidiger haben am ersten Prozesstag (6.9.2010) jedoch alle verblüfft: Zum Prozessauftakt haben sie einen gegen zwei Richter gestellt. Die Richter mussten die Sie wird nun am Montag, 13.9. weitergeführt. Mit dieser Entwicklung hatten am Montagmorgen, 6.9.2010, wohl nicht gerechnet, als sie kurz nach neun Uhr Platz nahmen. rechts neben den Richtern, kurz bevor der Befangenheitsantrag gestellt wurde. Der Prozess gegen Kachelmann war auch ein Medienprozess. nahmen am Prozess teil. die Verteidiger von Kachelmann. Zuvor war der Wettermoderator angereist. Der Prozess gegen den Wettermoderator war am ersten Prozesstag ein gewaltiges standen zahlreiche Schaulustige vor dem Landgericht Mannheim Schlange. Die war mit einem Grossaufgebot vor Ort. Sie sind alle gekommen, um den Prozess gegen diesen Mann zu sehen: Jörg Kachelmann. Dieses Bild zeigt, wie er wurde. Dem 52-Jährigen wird besonders vorgeworfen. Nach seiner Verhaftung am Flughafen in Frankfurt am 20. März ... in der Dort hat er gemäss seinen eigenen Angaben auch gefunden. Bei seinem glaubte man noch, der Wettermoderator bleibe nur kurze Zeit in Haft. Schon damals betonte Kachelmann gegenüber den Medien:

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Jörg Kachelmann ist zurück in der Öffentlichkeit. Erst vergangene Woche warb er im TV für einen Schweizer Skiort. Der Vergewaltigungs-Prozess scheint nach seinem Freispruch im Mai so weit weg, als ob er gar nie stattgefunden hätte. Die Nachwehen im Zusammenhang mit der Anklage sind allerdings noch lange nicht ausgestanden: Die Jörg Kachelmann Produktions AG (JKP) – deren Verwaltungsratspräsident Jörg Kachelmann ist – fordert «951 076. 35 Franken zuzüglich Zinsen» von der Rotbach Beteiligungs AG. Die beklagte Firma soll diese Summe der JKP «aus Darlehen» schulden.

Verwaltungsratspräsident der Rotbach Beteiligungs AG (RBA) ist niemand anderer als Frank B. Werner. Werner war bis August 2010 Verwaltungsrats-Mitglied der JKP sowie Kachelmanns Wetterunternehmen Meteomedia. Sein Abgang damals fand nicht ganz freiwillig statt: Wie es im Buch «Die Akte Kachelmann» heisst, kam es zwischen den beiden langjährigen Weggefährten während Kachelmanns Gefängnisaufenthalt (vom 20. März bis 29. Juli 2010) zum Eklat. «Jörg Kachelmann hatte sich geweigert, an den Sofortmassnahmen mitzuwirken, welche die Meteomedia-Spitze ohne ihn ausdiskutiert hatte», heisst es im Buch. Die Führungsriege um Werner wollte die Meteomedia angesichts der schweren Vorwürfe gegen Kachelmann «wetterfest» aufstellen und schlug ihm die «Aufhebung des Dienstverhältnisses» vor.

Die Forderung stammt aus Entflechtung der Beteiligungen

Der Wettermoderator sah im Vorgehen von Werner offensichtlich einen Angriff auf sein Lebenswerk. Es folgte eine Auseinandersetzung «mit Intrigen und Machtspielchen», wie es in die «Akte Kachelmann» heisst. Der Spiegel schrieb damals, dass «Putschist» Werner versucht hätte Kachelmann «aus dem Eigentümerkreis zu drängen». Die Sache spitzte sich in der Folge immer mehr zu, bis Frank B. Werner letztlich am 24. August 2010 von seinen Mandaten bei der JKP und Meteomedia zurücktrat. Es folgte eine Entflechtung der verschiedenen Beteiligungen von Werner an den Unternehmen und den Firmen über welche Werner an der JKP und Meteomedia beteiligt war.

Aus dieser Entflechtung der komplizierten Besitzverhältnisse soll die Forderung von «951 076.35 zuzüglich Zinsen» stammen, wie Frank B. Werner gegenüber 20 Minuten Online sagt. Die Rotbach Beteiligungs AG betrachten den Betrag als nicht geschuldet und fordert gemäss Kantonsgericht «die vollumfängliche Abweisung» der Klage. Zum Streit vor Gericht wird es allerdings nun nicht kommen. Gericht und Werner bestätigen, dass das Verfahren sistiert wurde. Die JKP strebe eine «aussergerichtliche Einigung» an.

(amc)