Amanda Knox

03. Oktober 2011 08:10; Akt: 03.10.2011 13:06 Print

«Ich bin nicht pervers!»

Die wegen Mordes an einer britischen Studentin verurteilte Amerikanerin Amanda Knox hat unter Tränen zum Ende des Berufungsprozesses in der italienischen Stadt Perugia ausgesagt.

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Die US-Amerikanerin Amanda Knox ist im Berufungsprozess um den Mord an der britischen Studentin Meredith Kercher im italienischen Perugia freigesprochen worden. Ein Berufungsgericht hat damit die langjährige Haftstrafe wegen Mordes gegen die 24-Jährige aufgehoben. Noch vor Mitternacht verliess die junge US-Studentin das Gefängnis von Perugia, in dem sie rund vier Jahre gefangen war. Sie wurde in einem schwarzen Mercedes mit unbekanntem Ziel vom Gelände der Haftanstalt gefahren. Tränenüberströmt nahm die 24-Jährige, auch «Engel mit den Eisaugen» genannt, das Urteil entgegen. Sicherheitskräfte mussten sie aus dem Gerichtssaal führen. Auch ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito sprach das Geschworenengericht in Perugia am 3. Oktober 2011 frei. Er verliess ebenfalls noch in der Nacht das Gefängnis. Die beiden hätten die Tat nicht begangen, erklärte das Gericht. «Ich habe das Unerträgliche ertragen», sagte sie nach Angaben von Corrado Maria Daclon, Generalsekretär einer amerikanisch-italienischen Stiftung, die sich in dem jahrelangen juristischen Tauziehen für Knox eingesetzt hatte. Sie wolle «einfach nur nach Hause, sich wieder mit ihrer Familie vereinen, ihr Leben wieder in Besitz nehmen und ihre Fröhlichkeit zurückgewinnen», sagte Daclon weiter. Vor dem Gerichtssaal spielten sich nach dem Urteil tumultartige Szenen ab. Für den Freispruch gab es Buh-Rufe und Jubel zugleich. Das Interesse an dem Prozess war enorm: Rund 400 Journalisten aus aller Welt waren angereist und hatten den ganzen Tag vor dem Gebäude ausgeharrt. Die vor dem Gericht versammelte Menschenmenge entlud ihre Anspannung in Jubelrufen einerseits und Drohungen und Beschimpfungen andererseits. Die Angehörigen der getöteten Meredith Kercher hörten der Urteilsverkündung wie versteinert zu. Die Schwester der ermordeten Meredith Kercher brach in Tränen aus. Die Stunde der Wahrheit für Amanda Knox und ihr Ex-Freund Raffaele Sollecito hatte am frühen Morgen begonnen. Beim Eintreffen im Gerichtsgebäude machte Amanda Knox noch einen angespannten Eindruck. In einer letzten Rede an das Gericht hatte die 24-Jährige erneut ihre Unschuld beteuert. «Ich habe weder getötet noch vergewaltigt», sagte Knox im perfekten Italienisch. Mehr als zehn Stunden berieten dann die zwei Richter und sechs Geschworenen, bevor sie das Urteil um etwa 22.00 Uhr verkündeten. Die Angehörige von Mordopfer Meredith Kercher hatten sich ebenfalls vor der Urteilsverkündigung zu Wort gemeldet: Vier Jahre nach der Tat habe sich der Fokus der Berichterstattung «vollkommen verschoben», sagte Schwester Stephanie. Es gehe heute kaum mehr darum, was an jenem Abend geschah. Die 24-jährige Amanda Knox, zu Beginn des Verfahrens als «Engel mit den eisigen Augen» apostrophiert, stand im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. In Knox' Heimatstadt Seattle wurde in der Nacht vor dem Urteil Mahnwache gehalten. Ihre treue Fangemeinde hoffte auf einen Freispruch. Die Gruppe applaudierte auch am Ende der Rede, die Knox zu ihrer Verteidigung hielt.

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In Perugia wird eine Jury voraussichtlich heute entscheiden, ob das Mordurteil von 2009 aufrechterhalten wird. Beim Eintreffen im Gerichtsgebäude machte Amanda Knox einen angespannten Eindruck. In einem gefüllten Gerichtssaal beteuerte die 24-Jährige in ihrer letzten Rede an das Gericht erneut ihre Unschuld.

«Ich habe weder getötet noch vergewaltigt», sagte Knox im perfekten Italienisch. Knox legte während ihres Appells an die acht Jurymitglieder häufige Atempausen ein und kämpfte mit den Tränen. «Ich habe eine Freundin auf die schlimmste, brutalste und unfassbarste Weise verloren», sagte sie über den Mord an der 21-jährigen Britin Meredith Kercher, mit der sie sich während eines Studiums in Perugia eine Wohnung geteilt hatte.

«Ich war nicht dort»

«Ich bin nicht die Person, die alle meinen. Ich bin nicht sadistisch, ich bin nicht pervers.» Kercher wurde am 1. November 2007 in ihrem Schlafzimmer erstochen. Ihre Leiche wurde einen Tag später entdeckt. «Sie hatte ihr Schlafzimmer neben meinem, sie wurde in unserer eigenen Wohnung getötet», sagte Knox weiter in ihrer heutigen Rede. «Wenn ich an diesem Abend dort gewesen wäre, wäre ich tot. Aber ich war nicht dort.»

Sie wolle nicht für etwas bestraft werden, das sie nicht getan habe. «Ich will mein altes Leben zurück. Ich will zurück nach Hause, ich bin unschuldig und Raffaele ist es auch.» Sie habe grossen Respekt vor dem Gericht, sagte sie zum Schluss, aber sie sei «nicht Merediths Mörderin», sie wolle «nur Gerechtigkeit».

Ein Urteil im Berufungsprozess wird nach 20 Uhr erwartet. Bei der Urteilsverkündung soll auch die Familie der ermordeten Kercher anwesend sein.

(kle/sda)