Mord in Perugia

12. Dezember 2008 12:49; Akt: 16.01.2009 14:06 Print

«Schöne Mörderin» als Filmstar

Amanda Knox sitzt seit über einem Jahr in Perugia in U-Haft. Sie wird beschuldigt, ihre Mitbewohnerin Meredith Kercher ermordet zu haben. Im Gefängnis konnte sie sich jetzt die Zeit mit Schauspielerei vertreiben.

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Die 21-jährige britische Studentin Meredith Kercher war im August 2007 nach Perugia gereist, um an einem Austauschprogramm für Studenten teilzunehmen. Sie wohnte zusammen mit der aus Seattle stammenden Amanda Knox und zwei Italienerinnen in einem Haus am Rande der Stadt. In der Nacht des 1. Novembers wurde Meredith Kercher auf bestialische Weise umgebracht. Unter Mordverdacht stehen ihre Mitbewohnerin, die 20-jährige Amanda Knox, .... ... deren italienischer Freund, der 24-jährige Raffaele Sollecito, ... ... und der 21-jährige Rudy Guede, ein Italiener mit Wurzeln in der Elfenbeinküste, ein stadtbekannter Dealer, der mit dem Opfer eine Affäre gehabt hat. Meredith Kercher wurde mit einem 17 Zentimeter langen Küchenmesser getötet: Man fand sie halbnackt, verblutet mit durchgeschnittener Kehle in ihrer Wohnung. Vor ihrem Tod soll sie vergewaltigt worden sein. Guede wurde in Südwestdeutschland gefasst, als er versuchte, dem internationalen Haftbefehl, der gegen ihn ausgeschrieben wurde, zu entkommen. Am fraglichen Abend waren Guede und Sollecito mit dem Opfer in der Wohnung. Amanda Knox lieferte seit ihrer Verhaftung drei verschiedene Versionen der Ereignisse ab. Was klar ist: Amanda Knox und Raffaele Sollecito, beide aus gutbürgerlichem Hause, lebten noch ein ganz anderes Leben. Auf Amanda Knox' Website zeigt sich die Studentin in höchst anzüglichen Posen. So sollen sie auch exzessiv Marihuana geraucht und sexuelle Gewaltfantasien gehabt haben. Ihr Übername auf der MySpace-Seite war «Foxy Knoxy». Auch soll sie gelegentlich in «Lumumbas Nachtlokal» gearbeitet haben. Der Ärztesohn Sollecito wiederum zeigt sich im Netz als «verrückter Doktor», eingewickelt in Klopapier, mit einem Beil in der Hand. Rudy Guede wurde Ende September 2008 in einem abgekürzten Verfahren schuldig des Mordes gesprochen und zu 30 Jahren Haft verurteilt. Der Prozess gegen Raffaele Sollecito und ... ... Amanda Knox hat am 16. Januar 2009 begonnen.

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Während Amanda Knox noch immer im Gefängnis von Perugia auf ihren Prozess wartet, konnte sie an einem Spielfilm mitwirken. «Die letzte Stadt» heisst das Werk des Italieners Claudio Carini. Darin spielt Knox eine Knastausbrecherin. Im Film behält sie ihren echten Übernamen «Foxy Knoxy» und zitiert in ihrer Rolle in Englisch und Italienisch Passagen von Dichtern wie Arthur Rimbaud oder William Shakespeare.

«Amanda war sehr diszipliniert und sorgfältig», erzählte Regisseur Carini der britischen Zeitung «The Mirror.» «Im Film geht es um Häftlinge, die ausreissen wollen, um sich auf die Suche nach sieben metaphorischen Städten zu machen», so Carini weiter.

Mit Staatsgeldern finanziert

«Die letzte Stadt» wurde von der Region Umbrien mit 23 000 Franken mitfinanziert. Der Streifen sollte am Sonntag am Batik-Film-Festival präsentiert werden. Doch nun wurde er zurückgezogen: Die Anwälte befürchten, die Vorführung könnte so kurz vor Prozessbeginn einen Skandal auslösen. Festivalleiter Alessandro Ricci hofft, dass der Film doch noch nächsten Monat gezeigt werden kann.

Die hübsche Amanda Knox wurde vier Tage nach dem Mord an Meredith Kercher festgenommen. Kercher war am 2. November 2007 halbnackt und mit durchschnittener Kehle in ihrer Wohnung gefunden worden. Als mutmassliche Täter wurden auch Knox' Freund Raffaele Sollecito und der ehemalige Liebhaber Kerchers, Rudy Guede, festgenommen. Guede wurde bereits zu 30 Jahren Haft verurteilt. Knox und Sollecito sollen am 16. Januar vor Gericht kommen.

(kle)