Mordfall Meredith Kercher

02. Juli 2014 08:56; Akt: 02.07.2014 10:34 Print

Ex-Freund steht nicht mehr für Knox ein

An einer Pressekonferenz in Rom erklärt Raffaele Sollecito, wie er das Urteil gegen ihn anfechten möchte. Zudem hat er Unregelmässigkeiten bei Amanda Knox' Aussagen entdeckt.

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Amanda Knox telefoniert am 27. März 2015 im Garten vom Haus ihrer Mutter. Knox wurde vom Kassationsgericht in Rom freigesprochen. Anwesende Freunde und Verwandte freuen sich über das Urteil Auch Raffaele Sollecito freut sich über den Freispruch. Der Ex-Freund von Knox brach bei der Nachricht in Tränen aus. Amanda Knox am 31. Januar 2014 während eines TV-Interviews in der Sendung «Good Morning America» des Senders ABC News. Die Anwältin von Raffaele Sollecito, Giulia Bongiorno, wird nach der Urteilsverkündung von den Medien bestürmt. Am 30. Januar 2014 verlas das Berufungsgericht in Florenz sein Urteil: 28 Jahre und 6 Monate Haft für Amanda Knox, 25 Jahre Haft für Raffaele Sollecito. Amanda Knox verlässt am 28. Januar 2014 den Coiffeursalon in Seattle. Amanda Knox während eines Interviews in der «Today»-Sendung in New York am 20. September 2013. : Rafaelle Sollecito hat sich erstmals im neuen Prozess um die Tötung der Britin Meredith Kercher geäussert. Er behauptet, «jeden Tag für die Wahrheitsfindung» zu kämpfen. Aber er fühle sich verfolgt, sein Leben sei ein Albtraum. Vor dem Richter behauptet er, den für den Mord verurteilten Rudy Guede nicht gekannt zu haben. Die Fakten, die während des ersten Prozesses dargestellt wurden, seien «weit von der Realität entfernt.» Er wiederholt: «Ich habe Rudy Guede nie getroffen, das ist die Wahrheit.» Im Berufungsprozess in Florenz war Amanda Knox im November 2007 des Mordes an der britischen Studentin Meredith Kercher angeklagt. Knox und Sollecito wurden in der ersten Instanz für schuldig und in der zweiten für unschuldig befunden. Am begann der Berufungsprozess in Florenz. Die Familie der ermordeten Meredith Kercher ist von der Schuld der Amerikanerin überzeugt. Der Anwalt der Familie wird von den Medien bestürmt. Anwesend war auch Francesco Sollecito, Vater des Angeklagten Raffaelle Sollecito. Am ersten Prozesstag sagte Patrick Lumumba, ein zunächst von Knox Beschuldigter, vor Gericht aus. «Sie ist schuldig, sonst hätte sie mich nicht verleumdet», sagte der Bar-Besitzer. «Sie wollte nicht bestraft werden und die Ermittlungen in die Irre führen.» Neben Kercher sei er das zweite Opfer in dem Mordfall. Doch die Angeklagte wird am Prozess in Florenz fehlen: Amanda Knox bleibt in Seattle im US-Bundesstaat Washington. Sie lässt sich bei ihren Spaziergängen gern von den US-Medien begleiten. Knox erzählt von Panik-Attacken, an denen sie seit ihrem Gefängnisaufenthalt in Italien leidet. Knox studiert zurzeit im letzten Jahr kreatives Schreiben und wird von ihrem Anwalt auf dem Laufenden gehalten.

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Wende im Mordfall der britischen Studentin Meredith Kercher 2007 in Perugia. Der Ex-Freund der US-Amerikanerin Amanda Knox hat Berufung gegen seine Verurteilung eingelegt. Die Anwälte des zu 25 Jahren verurteilten Raffaele Sollecito haben am Dienstag in Rom ein Dossier vorgestellt, mit dem sie Berufung gegen die Verurteilung ihres Mandanten eingereicht haben.

Die Anwälte wollen eine neue Strategie gefunden haben, um das Urteil des Gerichts gegen den 29-Jährigen anzufechten. Die Positionen der beiden Verurteilten sollen getrennt betrachtet werden. «Das Fundament, das zu meiner Verurteilung geführt hat, ist anders als jenes, das zu Amandas Urteil geführt hat. Auf dieser Basis wollen wir Berufung einreichen», erklärte Sollecito laut der italienischen Zeitung «L'Unita» an einer Pressekonferenz in Rom. Die beiden Fälle sollen also stärker getrennt werden.

Amandas Aussagen sollen unklar sein

Sollecito gibt sich noch immer von Knox' Unschuld überzeugt, aber der Ex-Freund will nicht mehr für Knox einstehen. «Ich bin nicht der Garant für Amanda», erklärte er gegenüber der Presse in Rom. Beim Lesen des Urteils seien ihm «Anomalien» in ihren Aussagen aufgefallen. Nun nimmt er Distanz zu seiner Aussage über ihren Aufenthaltsort in der Mordnacht.

«Ich will meine Behauptungen keineswegs zurücknehmen, doch ich bin ein Unschuldiger, der seit sieben Jahren gegen eine Ungerechtigkeit kämpft», rechtfertigte sich Sollecito.

Die Verteidiger werfen der Justiz schwere Fehler bei der Bewertung der genetischen Beweisstücke vor, die die Polizei am Tatort sichergestellt hatte. Das Berufungsgericht wird sich voraussichtlich Ende des Jahres oder Anfang 2015 erneut mit dem Fall beschäftigen, der weltweit Schlagzeilen machte.

Berufungsgericht bestätigte Schuldspruch

Im März 2013 kippte Italiens höchstes Gericht das Urteil. Das Berufungsgericht in Florenz bestätigte dann aber im Januar den Schuldspruch.

Die 21 Jahre alte Austauschstudentin Kercher war 2007 halbnackt und mit zahlreichen Messerstichen in ihrem WG-Zimmer in Perugia gefunden worden. Knox, die nach einem ersten Freispruch in die USA ausgereist war, und Sollecito hatten die Tat stets bestritten.

(ale)