Foxy Knoxy vor dem Urteil

02. Oktober 2011 19:34; Akt: 03.10.2011 00:33 Print

Die Stunde der Wahrheit für Amanda Knox

Heute Montag wird das Urteil im Berufungsprozess im Fall Knox erwartet. Während Amanda Knox voller Hoffnung ist, geben sich Kenner des italienischen Justizsystems skeptisch.

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Am soll das Urteil im Berufungsprozess fallen. Knox' Verteidigung plädiert auf Freispruch, die Anklage will ihre bisherige Strafe von 26 Jahren auf lebenslang erhöhen lassen. Im Laufe der Verhandlungen wurden zwei Gutachten präsentiert, wonach die DNA-Spuren auf der mutmasslichen Tatwaffe Knox gehören. Zudem habe die Polizei bei den Ermittlungen «schlampig und ungenau» gearbeitet. Am waren Amanda Knox und Raffaele Sollecito in Berufung gegangen. Ihre Verteidiger hielten Vieles nach dem ersten Verfahren für ungeklärt. Die beiden Verurteilten verlangten verschiedene neue Untersuchungen, um zu verstehen, was sich im November 2007 in Perugia wirklich abgespielt hat. Am war Amanda Knox, der «Engel mit den Eisaugen», für den Mord an ihrer Mitbewohnerin, der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher, zu 26 Jahren Haft verurteilt worden. Knox' Ex-Freund, der Italiener Raffaele Sollecito, muss für 25 Jahre ins Gefängnis. Die Familie von Amanda Knox war von Anfang an nach Perugia gekommen, um Amanda zu unterstützen. Von links: Stiefvater Chris Mellas, Mutter Edda, Stiefmutter Cassandra, Vater Curt Knox, Tante Christina Hagge und Schwester Deanna. Auch die Eltern des Opfers waren nach Italien gereist: Vater John Kercher ... ... und Mutter Arline Kercher. Die Schwester des Opfers, Stephanie Kercher, reiste ebenfalls nach Perugia. Der Gerichtspräsident Giancarlo Massei verkündete das Urteil. Amanda Knox wurde des Mordes und der sexuellen Belästigung schuldig gesprochen. Die Angehörigen reagierten entsetzt: Mutter Edda ... ... Schwester Deanna ... ... und zuhause in den USA Tante Janet, Onkel Mick, Amandas Freundin Alexandra und Grossmutter Elisabeth. Raffaeles Vater Francesco Sollecito nahm das Urteil erschüttert zur Kenntnis. Knox brach bei der Urteilsverkündung in Tränen aus. «Nein, Nein», murmelte sie und klammerte sich an einen ihrer Anwälte. Kurz nach dem Urteil wurden die 22-Jährige und ihr drei Jahre älterer Ex-Freund mit Blaulicht zurück ins Gefängnis gefahren. Ihre erste Nacht in der Gewissheit, dass sie erst im Alter von 48 Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, verbrachte sie weinend in ihrer Zelle.

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Heute Montag spricht ein Gericht in Perugia das Urteil im Berufungsprozess um den Mord an Meredith Kercher. Die Verteidigung der wegen Mordes in erster Instanz verurteilten Amerikanerin Amanda Knox hat in ihrem Schlussplädoyer den italienischen Medien vorgeworfen, sie hätten seine Mandantin «gekreuzigt». Dem Berufungsgericht in Perugia solle nicht bange sein, eine Fehlentscheidung zu korrigieren, sagte Verteidiger Carlo Dalla Vedova.

Knox sei ein unschuldiges Mädchen und das Opfer eines «tragischen Gerichtsfalls», in dessen Folge sie mehr als 1000 Tage hinter Gittern verbracht habe, sagte Dalla Vedova. Knox wurde im Dezember 2009 schuldig gesprochen, 2007 ihre britische Mitbewohnerin Meredith Kercher sexuell genötigt und anschliessend getötet zu haben. Dafür wurde sie zu 26 Jahren Gefängnis verurteilt. Ihr damaliger Freund, der Italiener Raffaele Sollecito, wurde zu 25 Jahren verurteilt. Beide bestreiten die Vorwürfe.

Schnell wurde aus der jungen Frau der «Engel mit Eisaugen»

Schon kurz nach ihrer Festnahme am 6. November 2007 wurde Knox nicht zuletzt wegen ihres Äusseren zum Medienereignis. Italienische Berichterstatter nannten sie wegen ihres kindlichen und zugleich undurchdringlichen Gesichtsausdrucks «Engel mit Eisaugen». Galt sie den einen als verkommen, so schilderten die anderen sie als naive junge Frau, die einen juristischen Albtraum durchlebte.

Wenig zufrieden über die Medien äusserte sich in ihrem Schlussplädoyer auch die Staatsanwaltschaft. So sprach Giuliano Mignini von einer immer stärker werdenden Unterstützung für Knox durch die Medien.

Freispruch dürfte unwahrscheinlich sein

Anlässlich des Berufungsprozesses war auch Knox' Familie nach Italien gereist, hatte die junge Frau im Gefängnis besucht und an einigen Anhörungen teilgenommen. «Wir haben sie gestern besucht und sie war ziemlich ängstlich», sagte ein sichtlich trauriger Curt Knox, der Vater. «Aber es war das erste Mal seit zwei Jahren, dass alle meine Töchter wieder zusammen waren.»

Prozessbeobachter geben sich im Gegensatz zu Knox ziemlich pessimistisch. Sie behaupten, die italienische Justiz könne sich in ihrem Fall einen Freispruch gar nicht leisten. Das würde eine «Kettenreaktion aller staatsanwaltlichen Fehlgriffe» verursachen, meinen sie, die italienische Justiz würde sich «weltweit lächerlich machen».

(kle/ap)