11. Januar 2007 23:43; Akt: 11.01.2007 23:44 Print

«Ästhetischer Terrorismus»: Kunst mit Magersüchtigen

Essstörungen als Kunstform: Zwei Holländerinnen stellen heute Abend in einer Zürcher Galerie ihre Magersucht zur Schau. Das sorgt schon im Vorfeld für harsche Kritik.

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Die holländischen Zwillinge Liesbeth und Angelique Raeven haben die Magersucht zur Kunst erhoben. Die beiden 35-Jährigen nennen ihre Tätigkeit «ästhetischer Terrorismus». Sie rekrutierten mittels Zeitungsinseraten eine «Armee idealer Individuen»: Aufgenommen wurden spindeldürre Frauen mit Haarausfall und krankhaften Essgewohnheiten. Mit ihrer Anorexie-Armee zeigten sich die Zwillinge dann laut dem Magazin «Facts» in renommierten Galerien und Museen in Europa und den USA.

Heute Abend treten die beiden Hungerkünstlerinnen in der Galerie Haas & Fischer im Zürcher Kreis 4 auf. Dies löst heftige Reaktionen aus: «Eine solche Show ist respektlos gegenüber Menschen, die an Magersucht leiden», findet Marianne Spieler Frauenfelder, SP-Gesundheitspolitikerin im Zürcher Gemeinderat. Erika Toman, Fachpsychologin für Essstörungen, sagt: «Das Zelebrieren von Magersucht ist pervers, da es sich um eine destruktive Krankheit handelt.» Ausserdem sei die Anorexie-Kunst gefährlich, weil sie Nachahmer auf den Plan rufen könnte.

Solcherlei Kritik ärgert Liesbeth Raeven: «Promis wie Victoria Beckham sind viel gefährlicher, da sie ebenfalls viel zu mager sind, aber noch sexy aussehen. Wir hingegen schauen in unseren Performances richtig krank aus», sagte die Künstlerin zu 20 Minuten. Und Galerist Roger Haas rechtfertigt die heutige Show so: «Man muss Grenzen sprengen, um auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam zu machen. Kunst hat diese Aufgabe.»


Bernhard Brechbühl