Deutschen-Hass

09. Dezember 2009 13:51; Akt: 10.12.2009 11:07 Print

«Ach, geh doch wieder heim ins Reich!»

von Runa Reinecke - Je zahlreicher sie in die Schweiz kommen, desto weniger stossen Deutsche hier auf Gegenliebe. Besonders in Zürich bleibt es vielfach nicht bei verbalen Anfeindungen: Während die einen die Flucht nach vorne antreten, bleibt anderen nur noch die Rückkehr in ihre Heimat.

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Wer mit einem deutschen Autokennzeichen in der Schweiz weilt, muss auf böse Überraschungen gefasst sein. Auch dem Fahrer des weissen Audi mit Konstanzer Nummer - das Foto wurde 20 Minuten Online zugeschickt - dürfte das Zmorge-Gipfeli schwer im Magen gelegen haben, als er am Morgen an seinem Wagen in der Zürcher Innenstadt die eingeschlagene Heckscheibe vorfand.

«Ständig wurde ich angehupt»

Doch nicht nur stehende Autos geraten in Zürichs Strassen in Bedrängnis, wie Arne B. zu berichten weiss: «Mit deutscher Nummer wurde ich ständig angehupt und genötigt», klagt er gegenüber 20 Minuten Online. Jetzt sei er aber wieder gerne auf den Strassen der Limmatstadt unterwegs - und das kommt nicht von ungefähr: Sein Vehikel ziert jetzt ein Zürcher Kennzeichen.

Während sich im Strassenverkehr noch einiges regeln lässt, ist das im Job nicht ganz so einfach: Diese Erfahrung machte auch Anna K. (Name geändert). Die 34-jährige PR-Fachfrau zog von Süddeutschland zu ihrem Schweizer Freund. Nach eigenen Angaben bemühte sich Anna K. stark um eine Integration und besuchte sofort einen Schwyzerdütsch-Kurs.

Eine «Tütsche» einstellen? Total «bireweich»!

Zunächst lief alles gut: Nach nur drei Monaten Aufenhalt in ihrer neuen Heimat ergatterte sie einen Job in einem mittelständischen Unternehmen. Doch schon am ersten Arbeitstag bekam sie «einen ordentlichen Dämpfer», wie sie es selbst formuliert. «Eine Arbeitskollegin meinte, es sei total 'bireweich', dass die Wahl auf mich fiel - wo sich doch so viele Schweizer für meinen Job beworben hätten», sagt K.

In Zürich bilden die Deutschen die grösste Ausländergruppe - vermutlich mit ein Grund dafür, dass besonders hier immer mehr «Teutonen» feindlichen Äusserungen oder Taten ausgesetzt sind. Das macht selbst vor der bunten Medienwelt nicht Halt, wie das Beispiel von Alena Gerber zeigt. Das deutsche Playmate moderiert bei «usgang.tv» eine Internet-TV-Sendung, auf Hochdeutsch, wohlgemerkt. Ein Umstand, der Vetreter der SVP offenbar derart irritierte, dass Gerber zum Verlassen der Schweiz aufgefordert wurde.

Doch Gerber bleibt - ganz im Gegensatz zu ihrer Moderationskollegin Katrin Wilde: Nach nur drei Monaten bei «Radio Energy» ging die gebürtige Saarbrückerin im Herbst 2007 zurück in ihre Heimat, nachdem ihre Autopneus zerstochen worden waren.

Wie gefährlich lebt es sich als Deutscher in der Schweiz?

Tragische Einzelfälle? Wie «SF» berichtet, tauchen derzeit vermehrt massive Drohbriefe gegen Deutsche auf. Einigen wird sogar mit dem Tode gedroht, sollten sie die Schweiz nicht verlassen.

Zum Glück geht es auch ganz anders: Michael S. sagt, er fühle sich in der Schweiz wohl. Das liege nicht zuletzt an seinen Schweizer Arbeitskollegen, die er sehr schätze. Michael S. arbeitet in einer Zürcher Agentur. Auch hier habe der Deutsche zwar schon Sprüche wie «Ach, geh doch heim ins Reich!» gehört, das sei aber der «etwas eigenwillige Humor unserer Grafiker», wie er betont. Anfeindungen oder Drohungen kennt Michael S. nur aus Erzählungen. Bleibt zu hoffen, dass sich nichts daran ändert.

Beweisfotos: Eingeschlagene Fensterscheiben, zerstochene Autopneus ...?
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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Verena Hinderling am 11.12.2009 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    ich schäme mich!

    Ich habe 5 J.in Berlin gelebt,hatte Freunde und Kollegen wie Du und ich,nie angefeindet oder als Ausländer behandelt,was ist das überhaupt?Die "BESSEREN" Schweizer sollten doch mal ins Ausland müssen,dann wäre ihr Horizont auch etwas erweitert.Kopf hoch Freunde aus Deutschland!

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  • Ch.Hartmann am 11.12.2009 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    und ewig die gleiche Leier

    Dieses ewige "Deutschen-Bashing" geht langsam wirklich auf die Nerven. Die Deutschen sind keine Ausländer, die sich kriminell verhalten, im Gegenteil- sie bringen know-how und kurbeln die schweizer Wirtschaft massiv mit an. Schweizer werden in Deutschland auch anständig behandelt, also hört doch endlich mal auf mit diesem Mist.

  • Doris Campagnari am 11.12.2009 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Da verstehe mal einer uns Schweizer? Zuerst regen wir uns auf, wenn die Deutschen in ihrer Muttersprache sprechen & dann sagen wir, sie sind arrogant und nicht integriert. Ich finde es total gut, wenn Deutsche in Mundart zu sprechen versuchen, das zeigt doch, dass sie sich anpassen und integrieren wollen, also bravo!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Samuel am 21.08.2012 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    Es genügt hochdeutsch zu sprechen.. 1

    Ich komme aus Lausanne aus der Westschweiz und bin nach Zürich zum studieren gekommen, bei uns lernt man halt hochdeutsch und nicht schweizerdeutsch und meine mutter kommt zur hälfte aus Deutschland.. Ich wurde mehrmals gewarnt nicht nach zürich zu ziehen weil ich hochdeutsch spreche und deswegen leiden werde, ich wolte das nicht glauben, ich habe mir immer gedacht die deutsch schweiz sei sehr offen und Zürich als grösste Stadt der Schweiz noch viel offener.. Leider hatten die Leute die mich gewarnt haben recht, ich bin nach der ersten woche schon zum ersten mal beleidigt worden,....

  • Eva Hartmann am 30.04.2012 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    Wer holt die Deutschen in die Schweiz?

    Wir Schweizer? Nein, nein...das sind (vor allem die internationalen) Firmen, die gerne Leute aus dem Ausland recrutieren. Es stimmt nicht, dass es sich dabei um Jobs handelt, die die Schweizer nicht wollen, oder nicht abdecken können (Fachkräfte). Ich bin eine dipl. Buchhalterin und sehe immer weniger Stellen in meinem Bereich ausgeschrieben. Pro Stelle gibt es mehr als 100 Bewerber! Sehr viele aus Deutschland mit ihren um 1/3 tieferen Gehaltsvorstellungen. Eine einigermassen bezahlbare Wohnung im Kanton Zürich zu finden ist auch eine Herausforderung. Das haben wir den Deutschen zu verdanken!

    • Samuel am 21.08.2012 10:25 Report Diesen Beitrag melden

      Es genügt Hochdeutsch zu sprechen 2

      ... Und das ironische an der Sache ist das ich nicht mal deutscher bin.. hätte ich das gewusst wäre ich niemals nach zürich gezogen.. ich finde es schade weil 95% der menschen in Zürich echt super nett sind, aber diese 5% bleiblen leider an der oberfläche der Errinerung...

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  • Linna Perkele am 14.05.2010 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Schande

    Dieser Zustand ist ja langsam nicht mehr nur lächerlich sondern ich beginne, mich zu schämen, dass es in der Schweiz so etwas geben muss. Ich wurd übrigens in Zürich mit meinem St.Galler Nummernschild auch genötigt auf der Strasse...dann hab ich's gewechselt...welch ein Unterschied!

  • der böse d........ am 10.01.2010 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    sprachverwirrung

    hochdeutsch-arrogant,schweizerdeutsch als deutscher-auch nicht.ja was denn nun?.........selbst wenn ich es wollte,schweizerdeutsch kann nun mal nicht jeder von heute auf morgen.das hat nichts mit nicht anpassen wollen zu tun.ich wurde als deutscher hier angestellt weil kein schweizer zu finden war.mein lohn entspricht dem eines schweizers.nicht mehr und nicht weniger.allerdings kann ich schon verstehen das viele schweizer vor der menge,an deutschen die ins land kommen,angst haben.

  • Tina am 30.12.2009 19:01 Report Diesen Beitrag melden

    Mit der Krise ....

    .... schwindet mit dem Geld auch die Toleranz. Dies war mir schon länger klar, auch ohne Studium. Sogenannte Wirtschaftsgrössen haben die Deutschen ins Land geholt, nun ist es auch ihre Aufgabe für deren Sicherheit und Wohl aufzukommen. Und uns Schweizern vorallem mal erklären, wie dieser Stellenzirkus weitergehen soll. Wer A sagt, muss auch B sagen! Oder will die Wirtschaft jetzt etwa ein paar Güterzüge bereitstellen ?