Schweizer in Neuseeland

05. September 2010 22:30; Akt: 06.09.2010 06:19 Print

«Alles ist zerstört – wie im Krieg»

von Lorenz Hanselmann - Nach dem schweren Erdbeben zitterte der Boden in Neuseeland am Wochenende weitere 60-mal. Mittendrin: der Schweizer Fabian Lüssi.

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«Das Doppelhaus uns gegenüber wurde einfach entzweigerissen», sagt Fabian Lüssi fassungslos. Der 28-jährige Schweizer, der in Christchurch lebt, kam kurz nach dem verheerenden Beben vom Samstag von seinen Ferien heim. «Als wir in unser Haus traten, hat es unsere Tochter richtig geschüttelt: Alles lag am Boden, überall waren Scherben. Es sah aus wie nach einem Einbruch.» Noch gestern hatte die Familie weder Wasser noch Strom. Lüssi musste sich einen Generator ausleihen.

Das Epizentrum des Bebens mit Stärke 7,1 lag nur etwa 45 Kilometer westlich von Christchurch. Es richtete in der Stadt massive Schäden an: Brücken wurden zerstört, Strassen aufgerissen und etwa 500 Häuser stürzten ein oder müssen abgerissen werden. Lüssi: «Wir fuhren eine Strasse hinunter. Dort war ein Graben nach dem anderen. Es sah aus wie im Krieg.»

Die Stadt mit knapp 400 000 Einwohnern rief den Notstand aus. Einige hundert Menschen mussten in Notlagern untergebracht werden. Wie durch ein Wunder gab es keine Toten.

«Wir sind sehr froh, dass wir während des grossen Bebens nicht hier waren.» Gespürt hat Lüssi dafür einige der mehr als 60 Nachbeben. «Zweimal wachte ich auf, weil der Boden zitterte. Wir haben ein mulmiges Gefühl – und das werden wird wohl nicht so schnell los.»