Schweizer auf Mallorca

10. Oktober 2018 11:34; Akt: 10.10.2018 16:28 Print

«Wir suchten bereits einen Fluchtweg aufs Dach»

Heftige Unwetter haben auf Mallorca mehrere Todesopfer gefordert. Auch Schweizer sind auf der Insel. So erleben sie die Situation.

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Daniel Thielk aus Brandenburg war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Im Interview mit RTL erzählt er ... ... von der Rettung der siebenjährigen Ursula. «Sie hat mich gar nicht mehr losgelassen», so Thielk (hier im Facebook-Profilbild). Derweil geht die traurige ... ... Suche nach drei Vermissten weiter. Darunter ist auch der fünfjährige Bruder des geretteten Mädchens. Aufräumarbeiten im Regen. Der Ort Sant Llorenc im Osten Mallorcas war von dem Unwetter am Dienstag mit am stärksten betroffen. Die Bewohner können sich nicht erinnern, je ein solches Unwetter erlebt zu haben: Eine Frau steht vor von den Wassermassen zusammengeschobenen Autos. (10. Oktober 2018) Unzählige Autos müssen wohl verschrottet werden. Bewohner schöpfen Wasser aus ihren Häusern in dem stark betroffenen Ort Sant Llorenc auf Mallorca. Bagger und Lastwagen schaffen Schutt und kaputtes Inventar weg. An so manchen Strassenecken stapeln sich Autos. Aufräumarbeiten in Sant Llorenc. Die Kraft des Wassers wird etwa in diesem Bild sichtbar. Ein Mann putzt sein Haus. An den Wänden sieht man, wie hoch das schlammige Wasser stand. Die Gassen im stark betroffenen Ort Sant Llorenc sind voller Schlamm. Zerstörung nach dem Unwetter. Überall sind weggespülte Autos zu sehen. «Es ist wirklich schlimm», sagt Leserin B. Lendl (l.). Sie macht mit ihrer Familie jedes Jahr Ferien auf Mallorca. Die Familie aus Solothurn macht jedes Jahr Ferien auf Mallorca. Aber an solch ein Unwetter könne sich nicht einmal der Vermieter ihrer Finca erinnern. Polizeibeamte suchen am Tag nach dem Unwetter nach Vermissten. Auch im Wasser suchen Rettungskräfte nach weiteren möglichen Opfern des Unwetters. Beschädigte Strasse nach dem Unwetter. An manchen Stellen ist die Fahrbahn aufgerissen. Vom Unwetter verschobene Leitplanke. Die meisten Bewohner der Insel haben so etwas noch nie erlebt. Dieses Auto eines Leserreporters stand unter Wasser. Viele Strandabschnitte sind nach dem heftigen Regen gesperrt. Das Wasser habe regelrechte Schneisen in den Sand gerissen, berichtet eine Schweizer Touristin. Am Tag zuvor war hier alles voller Sand, den das Unwetter nun weggespült hat. In der Nacht auf den Mittwoch ist es auf Mallorca zu einem heftigen Unwetter gekommen. Innerhalb von nur zwei Stunden sind laut der Regionalregierung rund «220 Liter Regen pro Quadratkilometer» gefallen. Eine Windhose zieht über das Meer. Das Unwetter verursachte auf der Insel Chaos und Überschwemmungen. Strassen wurden von heftigen Wassermassen übrflutet. Videoaufnahmen zeigen beängstigende Fluten mitten durch den Ort Sant Llorenc. Durch die Unwetter kamen mehrere Personen ums Leben. Betroffen war vor allem der Osten Mallorcas. Leute, die evakuiert wurden, verbringen die Nacht in einer Turnhalle. Noch immer werden Personen vermisst. Am Tag danach: Autos, die nicht mehr weiterkamen ... ... liegen überall am Strassenrand ... ... oder stehen verlassen ... ... mitten auf überfluteten Feldern. Viele Wege sind nicht passierbar. Ein vom Sturm umgeknicktes Strassenschild. Die Schäden werden am Tag nach dem Unwetter sichtbar. Abgerissene und umgestürzte Bäume. Geflutetes Feld. Die Wolken lichten sich langsam über einem überfluteten Feld.

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Es regnete schon in Strömen, als zwei Thurgauer Leser am Dienstag ihr Ferienhäuschen nahe Artà erreichten. Auf den Strassen hatten sich bereits Bäche und riesige Pfützen gebildet. Sie kauften rasch ein – zum Glück auch Trinkwasser, wie sich später herausstellte. Zuhause kochte das Paar Znacht: «Als der Strom ausfiel dachten wir erst, wir hätten zu viele Geräte laufen», sagt D. Marti. Dann habe es nach Abwasser zu stinken begonnen.

«Und dann drückte plötzlich überall Wasser rein: durch die Fenster, unter den Türen durch, überall bildeten sich Pfützen», berichtet der Leser aus Rothenhausen. «Ich öffnete die Haustür: Wo vorher Garten, Pool und Parkplatz waren, stand überall Wasser, wie ein See. Die Strasse beim Haus glich einem Strom. Auch unser Auto war nur noch halb sichtbar und wurde schliesslich weggetrieben.»

So sah es vor dem Haus der beiden Leser aus:

Paar suchte bereits Weg aufs Dach

Die beiden machten sich in der einstöckigen Unterkunft zu schaffen, räumten Gepäck hoch auf die Möbel und suchten bereits einen Weg, aufs Dach zu gelangen. «Das war kein schöner Moment, wir hatten ganz schön Schiss», so Marti. «Wir hatten keine Chance, wegzukommen.»

Am nächsten Tag brachte der Vermieter die Schweizer in ein Hotel. Da erfuhren sie auch, dass im Nachbarhaus durch die Unwetter zwei Menschen ums Leben kamen. Einer davon sei offenbar von den Wassermassen im Keller überrascht worden.

«Ausnahmezustand – es ist richtig schlimm!»

Es herrsche Ausnahmezustand, beschreibt Leserin B. Lendl aus Solothurn die Situation auf Mallorca am Tag nach dem Unwetter. Sie macht mit ihrer Familie, Ferien auf einer Finca nahe Artà. So wie jeden Herbst. Doch dieses Mal sei alles anders: «Es hat die ganze Zeit über viel geregnet und gestern kamen dann die Fluten.» Jetzt reisse der Himmel zwar wieder auf, die Umgebung aber sei ein einziges Schlammfeld.

Strassen seien aufgerissen und weggeschwemmt, Autos lägen überall umher. «Es ist wirklich schlimm und traurig», sagt Lendl. Schafe, die am Fuss des Hügels weideten, auf dem ihre Ferien-Finca stehe, seien vor dem Wasser in die Höhe geflohen. Und obwohl höher gelegen, sei auch ihr Keller überschwemmt worden.

Der Finca-Vermieter, erzählt die Solothurnerin, konnte sich nicht an ein derart heftiges Unwetter erinnern, «solche Überschwemmungen gab es noch nie», habe er ihr gesagt. Jetzt versuche er, mit der Familie in den nächst grösseren Ort zu kommen. Doch viele Strassen sind zerstört oder gesperrt.

«Hofften, dass der Motor nicht plötzlich abstirbt»

Al der Regen kam, war Leserin K. Campbell aus Dörflingen SH mit ihrer Familie in Artà. «Wir haben mehr als eine Stunde gewartet, bevor wir beschlossen, zurück nach Porto Cristo zu fahren», sagt sie. Da hatten sich einige Strassen schon in Bäche verwandelt, wie eine Videoaufnahme zeigt. «Wir hofften, dass der Motor nicht plötzlich abstirbt», so Campbell. «Wie schlimm das Unwetter wütete, wurde uns aber erst im Nachhinein bewusst».

Auch ein anderer Leser hat auf dem Heimweg Aufnahmen gemacht. Sie zeigen etwa weggespülte Autos.

«Heute wird aufgeräumt und geputzt»

Eine andere Leserin berichtet aus Cala Mesquida im Nordosten Mallorcas, dass ein Teil des Strands mitsamt Liegestühlen und Sonnenschirmen ins Meer gerissen wurde.

«Es hat regelrechte Schneisen in den Strand gerissen», erzählt Carmen von Rotz aus Kerns. Einige Strandabschnitte seien gesperrt worden. Die Nidwaldnerin macht mit ihrer Tochter Ferien in Sa Coma. Ein so lange anhaltendes Gewitter wie am Dienstag habe sie noch nie erlebt, «das war unheimlich», sagt sie.

«Am Morgen war das Wetter noch perfekt», schreibt eine weitere Schweizer Touristin. Sie macht 15 Kilometer vom stark betroffenen Ort Sant Llorenç entfernt Ferien.

Am Nachmittag habe das Wetter umgeschlagen, «es begann sehr plötzlich zu regnen und stürmte wenig später». Es habe stark geblitzt und gedonnert, sintflutartig geregnet und der Strom im Hotel sei mehrmals ausgefallen. Die Stimmung sei ruhig geblieben, «heute wird aufgeräumt und geputzt».

(kko)