Passagiere atmen auf

28. Februar 2012 20:38; Akt: 29.02.2012 13:28 Print

«Costa Allegra» nimmt Kurs auf Seychellen

Die Odysee des havarierten Luxusliners könnte bald ein Ende haben. Im Schlepptau eines französischen Fischkutters steuert er auf die Insel Mahé zu, wo die Passagiere erstmals wieder an Land gehen können.

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Erschöpft, aber in Sicherheit: Eine Passagierin der «Costa Allegra» wird im Hafen von Mahé von Helfern an Land geführt. Der Albtraum hat ein Ende: Am 1. März läuft die «Costa Allegra» in den Hafen von Mahé ein. Die Passagiere sind in Sicherheit. An Land warten auf sie bereits Angestellte von Reisebüros, die die Rückreise für die Passagiere organisiert haben. Die Passagiere mussten eine zweite Nacht an Deck verbringen, nachdem das Lüftungssystem an Bord ausgefallen war. Seit Montag trieb die «Costa Allegra» manövrierunfähig im Indischen Ozean, nachdem ein Brand im Maschinenraum ausgebrochen war. Viele der rund 1000 Menschen an Bord standen an Deck und winkten, als das Schiff am Kai festgemacht wurde. Kurz bevor das Schiff im Hafen anlegte, war das Gepäck der Passagiere schon vor Ort. Hier haben die rund 1000 Menschen an Bord nur noch kurz auszuharren, bis auch sie an Land können. Rote Kreuz hat im Hafen Zelte aufgebaut, um sie versorgen zu können. Im Schlepptau eines französischen Fischtrawlers hat die «Costa Allegra» am 1. März den Hafen von Mahé auf den Seychellen erreicht. Die über 600 Passagiere sollen von dort in ihre Heimatländer ausgeflogen werden. Alternativ wird ihnen aber auch angeboten, ihre Ferien gleich auf den Trauminseln zu verbringen. 29. Februar 2012: Die Costa Allegra wird Richtung Seychellen geschleppt. Die Passagiere sind fast alle auf dem Oberdeck. Sie werden aus der Luft versorgt... ...dort ist es wegen einer leichten Brise auch am kühlsten. Hier im Hafen von Victoria auf den Seychellen soll das Schiff am Donnerstag 1. März 2012 um 08.30 Uhr ankommen. Unrühmliches Ende einer Kreuzfahrt: Ein französischer Fischkutter schleppt die 187 Meter lange Costa Allegra ab. Nach einem Brand an Bord trieb das Kreuzfahrt Schiff zuvor seit dem 27. Februar manövrierunfähig im Indischen Ozean. An Bord befinden sich 1049 Personen, darunter sind 636 Passagiere aus 25 Ländern. Unter den Passagieren sind 90 Schweizerinnen und Schweizer. Nach dem Ausfall der Motoren gibt es an Bord keinen Strom. Die Menschen müssen ohne Licht und warmes Essen auskommen. Bis zur endgültigen Rettung werden die Passagiere mit Lebensmitteln aus der Luft versorgt. Einen Tag nach der Havarie erreichte ein französisches Fischereischiff (rechts) die «Costa Allegra». Der Fischtrawler soll das Kreuzfahrt Schiff zur 3,24 Quadratkilometer grossen Seychellen-Insel Desroches schleppen. Die «Costa Allegra» gehört ebenso wie die havarierte «Costa Concordia» zur italienischen Reederei Costa Crociere. Im Bild Giorgio Moretti, der Direktor der Reederei.

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Die im Indischen Ozean in Seenot geratene italienische «Costa Allegra» ist auf dem Weg in Sicherheit. Drei Schiffe nahmen den Luxusliner am Dienstag ins Schlepptau. Frühestens am Donnerstag können dessen Insassen auf den Seychellen wieder an Land gehen.

Das Kreuzfahrtschiff wird seit Dienstagnacht von einem französischen Fischtrawler Richtung Norden gezogen. Auch zwei Schlepper haben das fahruntüchtige Schiff mittlerweile erreicht. Gemeinsam könnten sie die «Costa Allegra» rascher voranbringen, teilte die Genueser Reederei Costa Crociere mit.


(Quelle: AP)

Gefährliche Gewässer

Zum Schutz vor Piraten fahren neun Mitglieder einer italienischen Marineeinheit auf dem Unglücksschiff mit. Der Indische Ozean ist für Piratenüberfälle berüchtigt, Seeräuber haben aber bislang noch nie ein Kreuzfahrtschiff geentert.

Ziel der Abschleppaktion war zunächst die abgelegene kleine Seychellen-Insel Desroches. Eine Überprüfung habe jedoch ergeben, dass die dortigen Sicherheitsbedingungen für das Anlegen und die Ausschiffung nicht gegeben seien. Auch reichten die Unterkünfte auf der Insel nicht aus, erklärte die Reederei.

Stattdessen nimmt das Schiff nun Kurs auf die Hauptinsel Mahé. Dort soll es laut Costa Crociere am Donnerstagmorgen ankommen.

Versorgung aus der Luft

Bis dahin müssen die mehr als tausend Passagiere und Crewmitglieder weiter ohne Strom an Bord auskommen. Dank eines Notaggregats haben sie zumindest Licht an Bord.

Helikopter versorgen die Schiffsinsassen mit Lebensmitteln, Taschenlampen und Satellitentelefonen. Am Dienstagmorgen sei den Passagieren ein «kaltes Frühstück» serviert worden, teilte Costa Crociere mit.

Das Kreuzfahrtschiff war am Montag auf dem Weg von Madagaskar zu den Seychellen, als im Maschinenraum ein Brand ausbrach. Das Feuer konnte zwar gelöscht werden, allerdings fiel daraufhin der Strom aus, das Schiff trieb manövrierunfähig auf dem Meer und musste einen Notruf absetzen.

Alle 636 Passagiere - darunter 90 Schweizer - wurden für den Fall einer Evakuierung auf die äusseren Decks gerufen. Fotos eines indischen Marineflugzeugs zeigten, wie sich dort Menschen um den Swimmingpool drängten.

Lage «ruhig»

Der internationale Kreuzschifffahrt-Verband (CLIA) «bedauerte» den Vorfall, lobte aber die «Schnelligkeit und Professionalität», mit der die Besatzung auf den Brand reagiert habe. Ihr sei es mit zu verdanken, dass bei dem Vorfall niemand zu Schaden gekommen sei.

Laut dem Präsidialamt der Seychellen war die Lage auf dem Luxusschiff «ruhig». Abgesehen von den technischen Problemen gebe es bisher keine weiteren Schwierigkeiten.

Ermittlungen eingeleitet

Nach einem Bericht der österreichischen Nachrichtenagentur APA hat die Staatsanwaltschaft der italienischen Hafenstadt Genua inzwischen Ermittlungen eingeleitet, um die Ursachen des Brandes im Maschinenraum zu klären. Der Kapitän der «Costa Allegra» hatte ausgeschlossen, dass der Brand mutwillig gelegt worden sein könnte.

Die «Costa Allegra» war erst am Samstag in See gestochen. Als weitere Stationen der Kreuzfahrt waren der Oman, das Rote Meer und die ägyptische Hafenstadt Alexandria geplant.

Der Luxusliner gehört zur selben Reederei wie die im Januar vor der toskanischen Küste auf Grund gelaufene «Costa Concordia». Dabei kamen mindestens 25 Menschen ums Leben, 7 Personen werden weiter vermisst. Auf der Concordia hatten sich bei der Havarie über 4200 Menschen befunden.


(Quelle: YouTube/AP)

(sda)

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