Feuer in Kalifornien

12. November 2018 21:22; Akt: 13.11.2018 11:59 Print

Es brennt eine Fläche von 115'000 Fussballfeldern

In Kalifornien wüten die grössten Brände in der Geschichte des US-Bundesstaates. Betroffen ist bereits jetzt ein Gebiet mit der halben Fläche des Kantons Zürich.

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In Kalifornien wüten die grössten Brände in der Geschichte des US-Bundesstaates. Daryl Osby, der Leiter der Feuerwehr von Los Angeles, spricht von der «grössten Herausforderung, die meine Leute je meistern mussten». Insgesamt ist eine Fläche von 814 Quadratkilometern betroffen. Das entspricht über 115'000 Fussballfeldern. Bei anhaltender Trockenheit und Wärme sei eine baldige Entspannung der Lage nicht in Sicht. Noch werden über 200 Menschen vermisst: ausgebranntes Auto in Kalifornien. (11. November 2018) Ein Flugzeug lässt Löschmittel über den Hügel von Malibu ab. Anne und Roger Bloxberg blicken auf den Waldbrand, der ihr Hab und Gut zerstört. (West Hills, 9. November 2018) Ein Satellitenbild zeigt das Ausmass des Feuers. Diese Hirschkuh hat überlebt. Wegen der starken Winde breitet sich das Feuer immer weiter aus. Hillary Johnson musste ihr Pferd Augie auf einem Parkplatz zurücklassen. Hier kann sie es endlich wieder in die Arme nehmen. Ein zerstörtes Haus in Malibu. In Paradise sind mehrere Personen im Feuer ums Leben gekommen. Shiloh (2) hat Verbrennungen im Gesicht erlitten. Die Feuerwehr versucht, ein Ausbreiten der Flammen zu verhindern. In den Trümmern wird nach Opfern gesucht. Araya Cipollini hat ihr Haus verloren. Mehrere tote Personen wurden in Fahrzeugen gefunden. Die Einsatzkräfte haben ein Herz für Tiere. Ein geretteter Esel wurde an ein Strassenschild gebunden. Die Feuerwehrleute in Kalifornien stehen im Dauereinsatz. Fast vollständig zerstört: Waldbrände haben die nordkalifornische Stadt Paradise in Schutt und Asche gelegt. (8. November 2018) Tausende Gebäude seien niedergebrannt, teilte Scott McLean von der kalifornischen Feuerwehr am Donnerstag mit. Wind, der für die schnelle Ausbreitung des Feuers sorgte, habe Paradise vernichtet. In der Gemeinde sind 27'000 Menschen zu Hause. Sie hatten die Stadt am Donnerstag verlassen müssen. Wie viele Einwohner bei dem Brand verletzt wurden und wie gross das Ausmass der Schäden war, konnten die Behörden zunächst nicht abschätzen. Es sei zu gefährlich, das Gebiet zu betreten. Die Stadt Paradise befindet sich rund 290 Kilometer nordöstlich von San Francisco. Nach Auskunft der Feuerbehörde ist das «Camp Fire» am Fusse des Sierra-Nevada-Gebirges in wenigen Stunden auf eine Fläche von über 70 Quadratkilometern angewachsen. Vize-Gouverneur Gavin Newsom hat für den Bezirk Butte County den Notstand erklärt, um auf diese Weise schnell Hilfe zu mobilisieren. Patienten eines Spitals in Paradise werden evakuiert.

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Daryl Osby hat alle Hände voll zu tun. Der Leiter der Feuerwehr von Los Angeles muss den Kampf gegen die Brände leiten, die seit Donnerstag im Norden und seit Samstag auch im Süden des US-Bundesstaates Kalifornien wüten. Zum anderen ist er bei den Medien ein gefragter Mann.

Am Sonntag beantwortete er gemeinsam mit Experten die dringendsten Fragen der Journalisten. Die anhaltenden Brände seien in seinen Augen «die grösste Herausforderung, die seine Leute je meistern mussten», sagte er. Und, ja, die Brände sehe er «in direktem Zusammenhang mit der Klimaerwärmung – ohne Zweifel».

Kann man wirklich von einer Jahrhundertkatastrophe sprechen?
Ja. Gemessen am Rekordjahr 2018 ist bereits jetzt mehr als die doppelte Fläche abgebrannt. Und die Feuer sind noch nicht kontrollierbar.

Welche Fläche ist betroffen?
Zurzeit sind drei Brände aktiv: Woolsey mit 85'500 Acres (rund 346 Quadratkilometer), Camp mit 111'000 Acres (rund 450 Quadratkilometer) und Hill mit 4500 Acres (rund 18 Quadratkilometer). Insgesamt sind also bisher 814 Quadratkilometer den Flammen zum Opfer gefallen, das entspricht rund der Hälfte der Fläche des Kantons Zürich – oder 115'000 Fussballfeldern.

Wie kam es zu den Bränden?
In Kalifornien hatte es einen Monat lang keinen Regen gegeben. Dazu kamen starke Winde. Entscheidend sind ironischerweise auch die Präventionsmassnahmen der letzten Jahre: 98 Prozent aller Brände wurden gestoppt. Durch die ausbleibenden kleinen Feuer finden Riesenbrände mehr Unterholz, auch fehlen nun die natürlichen Schneisen, die ein weiteres Ausbreiten verhindern könnten. Auch der Mensch ist nicht ganz unschuldig: In knapp 40 Jahren hat sich die Bevölkerung Kaliforniens von 24 Million auf 40 Millionen fast verdoppelt. Damit steigt auch das Risiko von von Menschenhand ausgelösten Bränden.

Sind die Brände im jetzigen Zustand eindämmbar?
Zurzeit fehlt es überall an Ressourcen und Manpower. Normalwerweise würde die Feuerwehr aus dem Norden im Süden aushelfen und umgekehrt, so Daryl Osby, der Leiter der Feuerwehr von Los Angeles. Aber jetzt brennt es an beiden Orten gleichzeitig. Nun warte man auf Verstärkung aus Arizona, Utah, Nevada und Washington.

Was machen die Helfer momentan?
Menschen retten, Brände eindämmen und Feuer bekämpfen – das seien die drei Strategien, die man normalerweise gleichzeitig betreibe, so Osby. Zurzeit müsse man Prioritäten setzen und weitere Todesopfer vermeiden. Die Zahl der Toten beläuft sich derzeit auf 31.

Wie ist die Wetterprognose?
Die Lage bleibt in Südkalifornien bis Mittwoch kritisch. Laut dem Wetterdienst AccuWeather heizen die heftigen Santa-Ana-Winde mit bis zu 96 Kilometern pro Stunde die Waldbrände an. Bei anhaltender Trockenheit und Wärme sei eine baldige Entspannung der Lage nicht in Sicht.

In Kalifornien sind Brände keine Seltenheit. Wieso ist man nicht besser vorbereitet?
In Kalifornien brennt es seit Jahrzehnten jährlich. Was sich in den letzten paar Jahren aber verändert hat, sind die Kosten für die Brandbekämpfung, denn die ausgetrockneten Landschaften verursachen intensivere und zerstörerischere Brände. Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown spricht im Zusammenhang mit den «Megafeuern» von einer «neuen Normalität».

Findet man in Kalifornien überhaupt noch eine Versicherung, die einem das Haus deckt?
Wahrscheinlich wird es die weiterhin geben, aber eine kürzlich durchgeführte Untersuchung der Agentur für Naturressourcen in Kalifornien zeigt, dass die Prämien für Hausratversicherungen in den brandgefährdetsten Gebieten der USA im Vergleich zu den weniger feuergefährdeten Gebieten gestiegen sind. Dies führte unter anderem dazu, dass viele Hausbesitzer ihre Policen mit höheren Selbstbehalten wählten.

Ist Kalifornien in 30 Jahren unbewohnbar?
Der Wetterforscher Jeff Beradelli zeichnet gegenüber «CBS News» ein düsteres Szenario. Er spricht davon, dass sich die «fire season» fast auf das gesamte Jahr ausdehnen könnte – die Folgen wären prekär.

(mat/kle)