Bush im Interview

09. November 2010 09:04; Akt: 09.11.2010 11:37 Print

«Das war natürlich ein Fehler»

Im ersten Interview seit dem Abschied aus dem Weissen Haus sagte der ehemalige US-Präsident George W. Bush, er sei geschockt gewesen, dass im Irak keine Massenvernichtungswaffen gefunden wurden.

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«Das war natürlich ein Fehler», sagt der ehemalige US-Präsident George W. Bush über seinen Auftritt auf dem Flugzeugträger Abraham Lincoln. Er hatte voreilig den Sieg über den Irak verkündet. (Bild: Keystone/AP)

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Ex-Präsident George W. Bush hat seinen Entscheid zur Irak-Invasion verteidigt. Er habe damals «wirklich keine Zweifel» daran gehabt, dass der irakische Diktator Saddam Hussein über Massenvernichtungswaffen verfügt habe, sagte Bush in einem Gespräch mit dem US-Fernsehsender NBC, das am Montagabend ausgestrahlt wurde. Es habe ihn geschockt und verärgert, dass letztlich keine solche Waffen im Irak gefunden worden seien.

Dennoch sei der Krieg - rückblickend gesehen - richtig gewesen. «Ich sage, dass es der Welt ohne Saddam Hussein an der Macht wesentlich besser geht», meinte Bush. Als Makel bezeichnete der 43. Präsident der USA jedoch, bereits kurz nach Beginn des Krieges einen Sieg erklärt zu haben.

Damals war er an Bord des Flugzeugträgers «Abraham Lincoln» vor einem Banner mit den Worten «Mission accomplished» (Mission erfüllt) aufgetreten. Wenig später spitzte sich die Gewalt im Irak zu. «Das war natürlich ein Fehler.»

Das NBC-Interview war am Vorabend der Veröffentlichung von Bushs Autobiografie «Decision Points» (etwa: Entscheidungspunkte) zu sehen. Die Memoiren, die sich auf Schlüsselmomente in seiner Amtszeit als Präsident von Januar 2001 bis Januar 2009 konzentrieren, sollten am Dienstag in die US-Buchläden kommen.

«Waterboarding»: moralisch vertretbar, legal und effizient

In dem gut 500 Seiten starken Buch verteidigte Bush auch die umstrittenen Verhörmethoden von Terrorverdächtigen. Auf diese Weise an Informationen zu kommen, sei notwendig gewesen, um neuerliche Angriffe auf die USA zu verhindern.

Konkret angesprochen auf das «Waterboarding», das simulierte Ertränken von Verdächtigen, sagte Bush, seine juristischen Berater hätten ihm versichert, dass die Regierung mit der Methode keine Anti- Folter-Gesetze brechen würde. Darauf habe er vertraut. «Ich bin kein Anwalt.»

Auch in einem Interview mit der Zeitung «The Times» verteidigte Bush das «Waterboarding» als moralisch vertretbar, legal und effizient. Beim Waterbording wird Wasser über das Gesicht des auf einem leicht kopfüber geneigten Brett liegenden Häftlings gegossen. Der Gefolterte, bei dem ein Würgereflex ausgelöst wird, leidet Qualen wie ein Ertrinkender.

Nach Geheimdienstberichten sind die so behandelten Gefangenen oft nach Sekunden zur Aussage bereit. Beim mutmasslichen Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001, Chalid Scheich Mohammed, wurde die Prozedur 183 Mal ausgeführt.


George W. Bush zum Vorwurf des Rassismus - Interview bei NBC

(sda)