Evakuierung in Saas-Grund

09. September 2017 19:33; Akt: 10.09.2017 08:39 Print

«Der Abbruch wird ganz sicher erfolgen»

Der Triftgletscher steht wegen drohender Gletscherabbrüche schon seit 2014 unter Beobachtung. Eine Einschätzung der jetzigen Lage des Glaziologen Martin Funk.

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Der Triftgletscher stand wegen drohendem Abbruch bereits 2014 unter intensiver Beobachtung. Im Oktober war damals eine Sperrung der Gefahrengebiete ausgesprochen worden. Dann entschleunigte sich die Bewegung des Eises und die Situation beruhigte sich.

Jetzt schlagen Behörden wieder Alarm. Der Gletscher ist mit einer aktuellen Fliessgeschwindigkeit von 130 Zentimetern pro Tag unterwegs. «Normal wären fünf Zentimeter pro Tag,» sagt ETH-Professor und Glaziologe Martin Funk.

Vor etwa drei Wochen habe man anhand von Luftaufnahmen festgestellt, dass eine auffällige Bewegung des Gletschers im Gange ist. Deswegen wurde am Donnerstagabend zusätzlich eine Radarüberwachung installiert. Aufgrund akuter Gefahrenlage ist jetzt ein Teil des darunterliegenden Wohngebiets in Saas Grund VS evakuiert worden. In den nächsten 24 Stunden wird der Niedergang einer Eislawine befürchtet.

Mehr als 100'000 Kubikmeter

Konkret könnten über 100'000 Kubikmeter ins Tal niedergehen, so Martin Funk. Dass nur ein Teil davon abbricht, könne aber nicht ausgeschlossen werden. Fakt ist jedoch: «Der Abbruch wird ganz sicher erfolgen.»

Die Ursache sei auch auf den Klimawandel zurückzuführen, aber nicht nur. «Es spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, etwa die Beschaffenheit der Felsen oder der Kontakt vom Eis am Fels», so Funk. «Das Ganze ist sehr komplex».

Laufend neue Beurteilung der Lage

Derweil wurden verschiedene Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Neben der Teilevakuierung des Wohngebiets in Saas-Grund, haben die Hohsaas-Bergbahnen ihren Betrieb eingestellt.

Die Kantonsstrasse in Saas-Grund durfte ab Saas-Bidermatten nach 18 Uhr nicht mehr befahren werden. Eine Umfahrung wurde eingerichtet. Die Lage wird laufend neu beurteilt, heisst es seitens der Kantonspolizei.

(kaf)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Max H. am 09.09.2017 19:54 Report Diesen Beitrag melden

    Gasterntal

    Vor Jahren habe ich im Gasterntal die Auswirkungen eines gottseidank glimpflich verlaufenen Gletscherabbruchs gesehen. Die Auswirkungen waren verheerend, die Bäume im Radius von ca. 500-600 m alle geknickt! Hat mich tief beeindruckt.

  • Schwarzbär am 09.09.2017 19:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gaanz Sicher?

    Die Vorsichtsmassnahmen sind sicher angebracht. Zu sagen dass es ganz sicher ist, ist aber gewagt, zumindest zeitlich ist eine Vorhersage schwierig. Ich wünsche dem Tal aber viel Glück, auf das sich die Situation bald klärt.

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  • giorgio1954 am 09.09.2017 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eiszeit

    Die nächste Eiszeit kommt bestimmt. Dann wird es wieder Gletscher haben wie bei der letzten Eiszeit. Sie werden das ganze Mittelland von Zürich bis Lausanne zudecken.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tommy am 10.09.2017 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Klimaerwärmung

    Es würde mich erstaunen, wenn das durchschnittliche Einkommen derjenigen, welche die Klimaerwärmung abstreiten, über 4000.- läge..

  • Leo65 am 10.09.2017 07:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unberechenbare Natur....

    fragt sich nur wann kommt der abbruch? was wenn er nicht kommt in den vorhergesagten 4 tagen?

    • m. e. am 10.09.2017 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Leo65

      Lieber man räumt das ganze einmal zu viel. Denn wenn man sich aufs Argument stützt das die Natur unberechenbar ist und deshalb die Gefahrenzonen nicht absperrt ist dies m. M höchst fahrlässig und kann schlimme Folgen für alle in dieser Zone nach sich ziehen.

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  • Amanda Friess-Weggli am 10.09.2017 01:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Finger in der Dose

    Dachte immer ein Glaziologe sei ein Glazenträger oder zumindest ein Fan von Lazio Rom. Wie frau sich irren kann

    • Radix am 10.09.2017 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Amanda Friess-Weggli

      Im Prinzip ist die Kombination von Beidem nicht absolut unmöglich.

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  • Typhoeus am 09.09.2017 23:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Früherkennung der Naturgefahren

    heisst das Risiko von Vrrlusten auf ein Minimum zu reduzieren. In diesem Fall ein Musterbeispiel.

  • Interessierter am 09.09.2017 23:21 Report Diesen Beitrag melden

    Karte

    Ich war letztes Jahr in diesem Gebiet wieder in den Ferien und etwas ortskundig. Leider ist mir allerdings nicht ganz klar, welchen teil des Gletschers diese Gefahr nun mit sich bringt. Bitte zeigt doch eine Karte mit Markierungen und dem erwarteten Absturzbereich.