Augenzeugen des Terrorangriffs

15. März 2019 09:36; Akt: 15.03.2019 10:14 Print

«Ich war der Letzte, der die Moschee lebend verliess»

Mindestens 40 Personen sind in Neuseeland bei einem Angriff auf zwei Moscheen getötet worden. Augenzeugen berichten von der Tat.

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Zaed Mustafa (l.), der seinen Vater und seinen Bruder beim Terroranschlag vom letzten Freitag verloren hat, wird zum Freitagsgebet in Christchurch begrüsst. Neuseeland gedenkt eine Woche nach der Attacke auf zwei Moscheen der 50 Todesopfer. Sonny Fatu, Präsident des Mongrel Mobs will mit seiner Biker-Gang die Muslime beim Freitagsgebet schützen. Erste Beisetzungen: Zaed (Mitte) wird zur Beerdigung seines Vaters und Bruders gebracht. (20. März 2019) Der mutmassliche Täter hat seinen Pflichtverteidiger von seinem Mandat als Anwalt entbunden. (16. März 2019) Der 48-jährige Abdul Aziz spielte mit dem Attentäter Katz und Maus bevor er ihn in die Flucht schlug. Am Samstag verstarb das 50. Opfer der Terror-Attacke von Christchurch. (16. März 2019) Der Schock und die Trauer sind gross. Der Moschee-Attentäter von Christchurch ist am Samstag (Ortszeit) erstmals einem Richter vorgeführt worden. Er zeigte vor Medienvertretern den rechtsextremen «White Power»-Gruss. (16. März 2019) Neuseelands Regierungschefin Jacinda Ardern lobt den Mut zweier Polizisten. Sie hatten den Attentäter von Christchurch 36 Minuten nach dem ersten Notruf festgenommen Yama Nabi hat bei der Attacke seinen Vater Daoud verloren. Der 71-Jährige hat sich laut Medienberichten vor eine andere Person geworfen haben, um sie vor Brenton Tarrant zu schützen. Dafür zahlte er mit seinem Leben. In ganz Neuseeland bekunden Menschen ihre Trauer. Hier legt eine Frau Blumen vor die Moschee in Dunedin im Süden der Südinsel. 49 Kerzen brennen für die Opfer des Anschlags. Am Abend ist die Moschee in Christchurch noch immer von Polizisten umstellt. Bewaffnete Einsatzkräfte weisen Zivilisten darauf hin, den Tatort zu verlassen. Verzweifelte Angehörige stehen vor einer der beiden attackierten Moscheen und warten auf Informationen. Menschen vor der Moschee im Stadtzentrum von Christchurch sind ob des Attentats schockiert. Viele suchen noch nach ihren Angehörigen. Menschen stehen gegenüber einer Moschee in Christchurch. Mindestens 40 Menschen sollen bei einem Anschlag ums Leben gekommen sein. Der australische Premier bestätigte, dass es sich bei einem der Schützen um einen rechtsextremen Australier handelt. Dieser Mann soll der Schütze sein. Er streamte seine Tat über Social Media. Dabei richtete er die Kamera auch auf sich selbst. Im Video sieht man ausserdem mehrere Waffen auf dem Beifahrersitz, die mit Buchstaben und Symbolen übersät sind. Der Schütze trug bei seinem Angriff eine schusssichere Weste. Zudem trug er ein Symbol, das im Zusammenhang mit Hitlers SS verwendet wird. Auf die Ausrüstung hat der Schütze Namen geschrieben, darunter auch solche von anderen Attentätern. Die Bilder postete er auf Social Media. Auch die Magazine sind voller Namen. Zudem hat er migrationsfeindliche Sprüche und Symbole verwendet. Der Angriff soll in zwei Moscheen stattgefunden haben. «Ernste Lage»: Dutzende Menschen wurden zudem verletzt. Mindestens 20 Menschen wurden schwer verletzt. Die neuseeländische Polizei warnte vor einem «aktiven Schützen». Örtliche Medien berichteten, in einer Moschee habe es mehrere Opfer gegeben, eine andere sei geräumt worden. Ein Augenzeuge sagte dem Sender Radio New Zealand, er habe Schüsse gehört und vier Menschen auf dem Boden liegen gesehen, mit «Blut überall». Die Polizei rief dazu auf, im Zentrum von Christchurch nicht auf die Strasse zu gehen und jedes verdächtige Verhalten zu melden. Unklar war zunächst, wie viele Menschen sich zum Tatzeitpunkt in der Moschee aufhielten und ob die Schüsse während des traditionellen Freitagsgebets fielen. Angriff auf eine Moschee in Christchurch. Angriff auf eine Moschee in Christchurch. Auch vor dem Spital in Christchurch stehen bewaffnete Polizisten.

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«Als wir mit dem Beten anfingen, hörten wir mehrere Schüsse», sagt Idris Khairuddin, ein 14-jähriger Bub, gegenüber «The New Zealand Herald». «Zuerst dachten wir der Lärm komme von Bauarbeiten. Aber plötzlich begannen Leute zu schreien und rannten weg. Auch ich begann zu rennen, immer weiter weg, über Mauern und Zäune.»

Idris blieb beim Attentat unverletzt. Sein Onkel hatte weniger Glück. Der Täter schoss ihm in den Rücken. «Ich hoffe es ist nicht zu schlimm», sagt Idris.

«Überall lagen Leichen»

Auch Azam Ali war in der Moschee als der Täter angriff: «Zuerst hörten wir die Schüsse vor der Moschee, trotzdem setzten wir unser Gebet fort. Dann war der Täter plötzlich drinnen. Er eröffnete das Feuer und wir versuchten uns in Deckung zu bringen. Einige Menschen versuchten zu flüchten und wurden dabei erschossen. Als wir nach fünf Minuten unsere Deckung verliessen, lagen überall Leichen auf dem Boden.»

Laut Mohammad Jama waren 250 und 50 Menschen im Gebetssaal zum Zeitpunkt des Angriffs. «Der Mann schoss einfach in die Menge. Ich kletterte über eine Mauer nach draussen und verstecke mich hinter einem Haus in der Nähe. Die Moschee war voller Blut.»

Kaum Fluchtmöglichkeiten

Jill Keats fuhr mit ihrem Auto an der Moschee vorbei, als der Angriff begann. «Zuerst dachte ich jemand lasse Feuerwerk ab. Aber plötzlich sah ich, wie Menschen umfielen. Eine Person fiel links von meinem Auto zu Boden, eine andere rechts», sagt sie zu «Newshub».

«Ich stellte das Auto ab und machte mich so klein wie möglich. Nach einer Weile verliess ich das Auto. Ich sah einen Mann, dem in den Rücken geschossen wurde und versuchte ihm zu helfen. Zusammen mit einem weiteren Mann versuchten wir, mit einer Kompression den Blutverlust zu verhindern. Die Frau des Verletzten rief an und ich sagte ihr, dass ihr Mann verletzt worden sei. Sie soll aber nicht hierher kommen, sondern zum Spital gehen.»

Der Grund für die vielen Toten und Verletzten könnte laut Ramzan Ali sein, dass es fast keine Fluchtmöglichkeiten gab: «Der Täter betrat die Moschee durch den Haupteingang. Es gab nur zwei weitere Türen, um zu flüchten – viel zu wenig für die 300 Personen.» Ali blieb beim Angriff unverletzt. Sein Cousin, der gleich neben ihm war, wurde am Bein verletzt. «Der Schütze lud mehrmals nach. Ich betete, dass er endlich keine Munition mehr haben würden.» Schliesslich entschied sich Ali sein Versteck zu verlassen und die Flucht zu versuchen. «Ich war der Letzte, der die Moschee lebend verliess.»

«Die Strassen sind wie ausgestorben»

Ein User auf Reddit, der in Christchurch wohnt, erzählt gegenüber 20 Minuten von der Stimmung in der Stadt nach dem Terrorangriff. Es habe fast keine Menschen auf den Strasse. Der Verkehr bestehe aus Polizeiautos und Anwohner, die nach Hause fahren. Die Strassen seien wie ausgestorben. Fussgänger habe es keine. Nur Schulkinder, die jetzt endlich nach Hause kehren dürfen.

(fur)