Todesursache von Knut

21. März 2011 13:22; Akt: 21.03.2011 13:31 Print

«Die Symptome sprechen für einen Hirnschlag»

Der Tod von Knut bleibt mysteriös. Das Video der letzten Sekunden des Eisbären lassen aber eine Vermutung zu. Leser-Bilder zeigen derweil Dutzende trauernde Fans.

Knuts letzte Augenblicke vor seinem Tod (Video: B.Z.).
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Die Szenen am Sonntagnachmittag im Berliner Zoo waren wie früher: Dutzende, wenn nicht Hunderte Fans drängten sich vor das Eisbären-Gehege, trotzten der bitteren Kälte und brachten Zeichnungen und Blumen mit. Wie früher sind sie alle wegen Knut hergekommen, doch an diesem Sonntag sind keine Freudenschreie zu hören, dieses Mal fliessen Abschiedstränen. «Wo ist Knut?», fragt ein kleines Mädchen. Die Antwort trifft die Eisbären-Fans einen Tag nach dem Tod ihres Lieblings wie ein Messer ins Herz.

«Die Trauer war unglaublich gross», sagt Dario Panzeri aus Solothurn. Der Leser-Reporter hat nach der Todesnachricht seinen Berlin-Urlaub genutzt, um einen Abstecher in den Zoo zu machen. «Der plötzliche Tod von Knut war auch für uns ein Schock», so Panzeri. Dicht gedrängt stand er mit den Fans am Gehege und blickte in das Wasser im Eisbärengehege.

Ein Abschied wie für einen Star

«Überall lagen Blumen, die Fans hängten Zeichnungen auf und Fotografen und Medienleute drängten sich zum Gehege.» Es sind Szenen wie bei der Verabschiedung eines Stars und irgendwie ist es genau das: Allein auf Facebook trauern über 15 000 Menschen um Knut. Neben den Tausenden Beileidsbekundungen drückten auch Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit oder auch die Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast ihr Mitgefühl aus.

Zu sehen gibt es im Zoo für Fans und Medien allerdings nichts mehr: Das Gehege der tierischsten Attraktion von Berlin ist leer. Das Wasser wurde abgelassen, die anderen Eisbären umquartiert. Zu mysteriös und zu plötzlich kam der Tod des 4-jährigen Knut. Die Verantwortlichen fürchten, dass es einen Zusammenhang mit dem Wasser gibt. Proben wurden noch nicht genommen, sollen aber noch folgen. Eine Obduktion des Eisbären soll Gewissheit bringen, am Montagmorgen begannen Veterinäre mit der Autopsie. Doch bereits jetzt haben die Experten einen Verdacht: Hirnschlag.

«Knut könnte ertrunken sein»

Auf einem Amateur-Video der letzen Sekunden des Todeskampfs von Knut sprechen Verhalten und die Symptome von Knut «für Veränderungen im zentralen Nervensystem», sagt Alex Rüber. Der Direktor des Zürcher Zoos hat sich für 20 Minuten Online das Video angeschaut und deutliche Auffälligkeiten entdeckt: «Er hält den Kopf zunächst starr nach links und hat massive Gleichgewichtsstörungen. Er dreht sich dann im Kreis und fällt schliesslich ins Wasser», sagt Rübel. Nicht auszuschliessen ist, dass Knut einen noch schlimmeren Tod ertragen musste: «Eisbären sind normalerweise super Schwimmer. Knut könnte aber aufgrund der Gleichgewichtsstörungen auch im Wasser ertrunken sein – aber das wird die Obduktion letztlich klären.»

Noch im Verlauf des Montags will der Zoo darüber informieren. Im Gegensatz zum Tod eines 4-jährigen Eisbären ist eine Autopsie nichts Aussergewöhnliches, sagt Rübel. «Zootiere werden nach ihrem Tod in der Regel immer obduziert. Gerade bei exotischen Tieren erhält man unter Umständen wichtige Erkenntnisse für die Zukunft.» Fans und Tierschutzorganisationen gingen derweil bereits hart ins Gericht mit dem Berliner Zoo.

So sagte der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, «aus Zuchtehrgeiz» habe der Zoo Knut gemeinsam mit seinen Artgenossinnen untergebracht. Für Eisbären, die eigentlich Einzelgänger seien, sei dies «purer Stress». Unabhängig davon, was das Ergebnis der Obduktion ergebe, trage der Berliner Zoo in jedem Fall die alleinige Verantwortung für den Tod Knuts, sagte Apel. Für Rübel vom Zürcher Zoo ist dies keine plausible Erklärung. «Das Gehege war sehr grosszügig. Der Tod von Knut war sicher keine Folge der Anlage.»

Harte Vorwürfe gegen Bärendamen

Was auch immer das Leben von Knut so abrupt beendete, es soll zumindest für alle anderen Eisbären positive Folgen haben: Der Berliner Zoo hat ein Spendenkonto eingerichtet, darauf sollen Spenden zugunsten der Erforschung und Erhaltung des Lebensraumes für Eisbären eingezahlt werden können, sagte eine Zoo-Sprecherin am Montag. Für viele Fans ist das ein kleiner Trost, sie haben ihren Liebling verloren. Die Schuld geben auch sie den drei Bärendamen Tosca, Nancy und Katjuscha: Das Trio habe Knut in den vergangenen Wochen das Leben zur Hölle gemacht, sagen viele Stammgäste. Drangsaliert und «gemobbt» worden sei der Jungbär. «Die Damen haben ihn doch nur gepiesackt», sagte Rentnerin Birgit Krause gegenüber der Nachrichtenagentur DAPD. Die Zooleitung hätte aus den mit Knut erlösten Zusatzeinnahmen ein Einzelgehege errichten sollen. «Wie konnte man ihn nur mit den drei Weibern zusammenlassen!»

Vielleicht ist er auch an Sehnsucht gestorben, wie viele vermuten. Beinahe auf den Tag genau ist Knut seiner vor zweieinhalb Jahre verstorbenen engsten Bezugperson gefolgt – dem Tierpfleger Thomas Dörflein. Der charismatische, aber öffentlichkeitsscheue Pfleger war an einem Herzinfarkt gestorben, nachdem er das verstossene Eisbärbaby mit der Flasche grossgezogen hatte. Die Geschichte von Knut und Dörflein ging um die Welt, nun hat sie ein trauriges Ende genommen.

(amc)