Umstrittener Sterbehelfer

03. Juni 2011 15:44; Akt: 03.06.2011 16:50 Print

«Dr. Death» ist tot

von Corey Williams, AP - Der als «Dr. Death» bekannt gewordene US-Arzt Jack Kevorkian ist tot. Er sei am Freitag im Alter von 83 Jahren gestorben, teilte sein Anwalt Mayer Morganroth mit.

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Einer der ersten und entschiedensten Befürworter von Sterbehilfe, Jack Kevorkian, ist tot. Der Anwalt und Freund des US-Pathologen, Mayer Morganroth, sagte der Nachrichtenagentur AP, Kevorkian sei am Freitagmorgen in einem Krankenhaus in Detroit im Alter von 83 Jahren gestorben.

Die Krankenschwestern hätten seine Lieblingsmusik von Johann Sebastian Bach aufgelegt, sagte Morganroth. Kevorkian sei seit Mai im William Beaumont Hospital wegen einer Lungenentzündung und Nierenproblemen stationär behandelt worden, habe am Donnerstagabend mit ihm aber noch über seine bevorstehende Verlegung in eine Reha-Klinik gesprochen. Die Todesursache sei noch nicht klar, vermutlich sei er aber an einer Lungenthrombose gestorben.

«Ich habe ihn vorher gesehen, und er war bei Bewusstsein», sagte Morganroth. Dann sei er gegangen, aber wieder zurückgekehrt, als er gehört habe, dass sein Freund im Sterben liege.

Wegen guter Führung begnadigt

Kevorkian wurde 1999 wegen Totschlags zu mindestens zehn Jahren Haft verurteilt. Er hatte einem unheilbar Kranken eine tödliche Spritze gegeben. Dessen Tod war auf Video aufgezeichnet und im Fernsehen gezeigt worden. Nach eigenen Angaben hat er in den 1990er-Jahren mehr als 130 Menschen Sterbehilfe geleistet, entging aber immer wieder den Versuchen der Behörden, ihn zu stoppen. Bei den ersten vier Verfahren gegen ihn, alle wegen Sterbehilfe, wurde er dreimal freigesprochen. Einmal wurde der Prozess wegen schwerer Verfahrensfehler eingestellt.

Wegen Mordes war er in den ersten Prozessen nicht angeklagt, da es zu dem Zeitpunkt im Staat Michigan kein Gesetz gegen Sterbehilfe gab - das wurde erst in Reaktion auf den Sterbehilfe-Arzt eingeführt.

Wegen guter Führung, aber auch wegen seines schlechten Gesundheitszustands, wurde Kevorkian im Sommer 2007 begnadigt. Er hatte versprochen, keinen Menschen mehr beim Suizid zu unterstützen. Zugleich hatte er aber betont, dass sich seine Einstellung zur Sterbehilfe während der Haft nicht geändert habe. Er verglich sich mit Martin Luther King und Gandhi und bezeichnete die Staatsanwaltschaft als Nazis, seine Kritiker als religiöse Fanatiker.

«Jemand muss etwas für die leidende Menschheit tun»

«Jemand muss etwas für die leidende Menschheit tun», sagte Kevorkian einmal. «Ich versetze mich in die Lage der Patienten. Das ist etwas, was ich wollen würde.» Seine Anhänger trugen «Ich unterstütze Jack»-Anstecker zu Kevorkians Gerichtsterminen.

2008 kandidierte er als Parteiloser in einem Vorort von Detroit für den Kongress, erhielt in dem Wahlbezirk aber nur 2,7 Prozent der Stimmen. Danach erklärte er, die Erfahrung habe ihn gelehrt, wie «korrupt» das Parteiensystem sei und dass es «von unten nach oben komplett überarbeitet» werden müsse.

Seine Lebensgeschichte war Vorlage für den Film «You Don't Know Jack» aus dem Jahre 2010 (siehe Trailer unten). Al Pacino wurde für seine Darstellung des umstrittenen Arztes mit dem Emmy und dem Golden Globe ausgezeichnet. Während seiner Dankesrede bei der Emmy-Preisverleihung würdigte er Kevorkian, der lächelnd im Publikum sass. Es sei ein Vergnügen gewesen, einen so brillanten, interessanten und einzigartigen Menschen darzustellen, sagte Pacino, und ihm eine Freude, jemanden wie Kevorkian zu kennen.

Film hat gefallen

Der als «Doktor Tod» bekannte Kevorkian sagte, der Film habe ihm gefallen, er glaube aber nicht, dass er Inspiration für eine neue Generation von Sterbehilfe-Befürwortern liefere.

Die Leute sagten immer, nun, da es wieder in den Medien diskutiert werde, sei es an der Zeit, wieder darüber sprechen. «Nein, ist es nicht. Es wurde zu Tode diskutiert», sagte er. «Es gibt nichts Neues darüber zu sagen.» Sterbehilfe habe es schon im alten Rom gegeben.