Nazigelder

25. August 2008 13:52; Akt: 25.08.2008 14:18 Print

«Dr. Tod» soll für tot erklärt werden

Rüdiger Heim, der Sohn des meistgesuchten Nazi-Verbrechers, möchte seinen unauffindbaren Vater für tot erklären lassen. Dabei geht es um viel Geld.

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In einem Interview mit «Bild am Sonntag» erklärt Rüdiger Heim, er wolle seinen Vater Aribert Heim für tot erklären lassen. Zurzeit kläre er mit seinem Anwalt ab, ob man Aribert Heim als «verschollen» erklären lassen kann, obwohl es keine Leiche, keinen Totenschein und kein Grab gibt.

Auf dieser Weise könnte er endlich über das Geld verfügen, das aus dem Verkauf eines Hauses des Nazi-Verbrechers stammt. Auf diesem Konto, von dessen Existenz Heim Junior erst seit 1997 weiss, liegen 1,2 Millionen Euro. Das Konto ist allerdings vom Staat gesperrt und wird von einem Treuhänder zwangsverwaltet.

Kein Kontakt zum Vater

Rüdiger Heim will dieses Geld spenden, behauptet er im Interview, «für die historische Aufarbeitung der Leiden, die im KZ Mauthausen geschehen sind». Er selber distanziert sich vehement von den schrecklichen Taten seines Vaters. Aribert Heim, auch als «Dr. Tod» bekannt, wird vorgeworfen, als Lagerarzt im Konzentrationslager Mauthausen (Oberösterreich) Hunderte von Häftlingen gefoltert und getötet zu haben.

Wenn er wüsste, wo sich Aribert Heim aufhält, würde er es «in die ganze Welt hinausschreien», sagt der heute 52-jährige Rüdiger, denn «die Vergangenheit meines Vaters ist ein Teil meines Lebens. Dies zu leugnen wäre zwecklos, obwohl ich niemandem erklären muss, dass ich kein Nazi bin.»

Er habe seinen Vater zum letzten Mal 1962 gesehen. Damals hatten die Ermittlungsbehörden den SS-Arzt ausfindig gemacht und einen Haftbefehl gegen ihn ausgestellt. «Dr. Tod» floh über Nacht. Der Nazijäger vom Simon-Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem, Efraim Zuroff, ist überzeugt, dass Heim noch lebt und sich in Chile versteckt.

Bei der Familie hat sich «Dr. Tod» angeblich zweimal gemeldet, erzählt sein Sohn. «Zwischen 1962 und 1967 lagen zwei Zettel in unserem Briefkasten. Darauf stand ein einziger Satz: 'Es geht mir gut'. Ob diese Briefe wirklich von meinem Vater stammen, weiss ich nicht …»