Sexuelle Übergriffe

04. Januar 2016 23:00; Akt: 07.01.2016 03:31 Print

«Einige Mädchen wurden wie Vieh gejagt»

Sex-Attacken erschüttern Deutschland: Mindestens 80 Frauen wurden in der Silvesternacht in Köln und Hamburg sexuell belästigt. Gemäss Bundesjustizminister Maas könnten Täter ausgewiesen werden.

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Vor dem Kölner Bahnhof kam es an Silvester zu den Übergriffen und Diebstählen. (Bild: Screenshot Youtube)

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Es ist die Horror-Vorstellung einer jeden Frau: Opfer eines sexuellen Übergriffs zu werden. Nahe des Kölner Bahnhofs ist dies in der Silversternacht gleich mehreren Frauen widerfahren. Die Polizei spricht in einer Pressekonferenz von Hunderten Tätern.

Die Übergriffe seien aus einer Gruppe von etwa 1000 Männern heraus erfolgt, zitiert die «Süddeutsche Zeitung» Polizeipräsident Wolfgang Albers. Die Täter sollen «überwiegend aus dem nordafrikanischen beziehungsweise arabischen Raum» stammen, sagte Albers. Um wie viele Täter es sich tatsächlich handelt, sei aber noch unklar. Aufgrund fehlender Hinweise kam es jedoch erst zu fünf Festnahmen. Erst ging die Polizei von 30 Tätern aus, korrigierte diese Zahl später aber auf 60. Rund 80 Frauen sollen Opfer der Übergriffen geworden sein – 60 davon haben Anzeige erstattet. «Es gab unzählige sexuelle Übergriffe – auch in einer sehr massiven Form», sagt Albers weiter.

Strumpfhose und Slip zerrissen

Die Aussagen der Opfer decken sich: Die Frauen gaben jeweils an, im Gebiet um den Dom herum gefeiert zu haben, als sie plötzlich von unterschiedlich grossen Männergruppen umzingelt und unsittlich berührt wurden. Demnach betatschten die Täter die Frauen an Brüsten und im Intimbereich. Teils seien die Frauen durch eine Art menschlichen Tunnel getrieben worden.

Nach Polizeiangaben seien die stark alkoholisierten Täter «völlig enthemmt gewaltvoll» vorgegangen. Ein Opfer etwa wurde nach eigenen Aussagen so hart angegangen, dass Strumpfhose und Slip zerrissen. Doch die Motive der Männer scheinen nicht nur sexueller Herkunft zu sein: Viele der Betroffenen vermissten am Ende entweder ihr Handy oder ihr Portemonnaie.

Täter könnten ausgewiesen werden

Der deutsche Bundesjustizminister Heiko Maas hat nach den Vorfällen einen besseren Schutz vor Gewalt in den Städten verlangt. «Die feigen und abscheulichen Übergriffe werden wir nicht hinnehmen», sagte er in Berlin vor den Medien. Er hält es für möglich, dass Täter der sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht aus Deutschland ausgewiesen werden können. Dies gelte für Asylsuchende, die zu Freiheitsstrafen von einem Jahr oder mehr verurteilt worden seien, sagte Maas Zeitungen der «Funke Mediengruppe» laut Vorab-Bericht.

Über die Höhe von Strafen hätten zwar die Gerichte zu entscheiden. Ein solches Strafmass sei aber bei Sexualdelikten absolut möglich. «Ausweisungen wären insofern durchaus denkbar.» Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière hatte zuvor erklärt, die Genfer Flüchtlingskonvention mache bei Abschiebungen strenge Vorgaben. In Deutschland gelte bisher die Regel, dass sich erst eine Haftstrafe von drei Jahren auf ein Asylverfahren auswirke. Deshalb müsse darüber geredet werden, «ob das nicht geändert werden muss».

Übergriffe auch in Hamburg

Neben Köln kam es auch in Hamburg in der Silvesternacht zu sexuellen Übergriffen, wie die Zeitung «Bild» berichtet. Auf der Reeperbahn sollen mehrere Gruppen von Männern junge Frauen begrapscht und bestohlen haben. Von einer regelrechten «Jagd» ist die Rede. Auch hier sollen es sich bei den Tätern um Nordafrikaner gehandelt haben.

«Zwei Freundinnen von mir wurden auf der Grossen Freiheit angegriffen. Einige Mädchen wurden wie Vieh gejagt», zitiert die «Bild» eine 17-Jährige. «Dass so etwas in Hamburg möglich ist, macht mich fassungslos.» Nach Angaben eines Polizeisprechers seien bislang sechs Anzeigen eingegangen. Die Opfer seien zwischen 18 und 24 Jahre alt. Die Behörden haben Ermittlungen wegen sexueller Belästigung, Diebstahl und Raub aufgenommen.

(nab)