Strahlen-Opfer

28. August 2015 23:48; Akt: 28.08.2015 23:48 Print

«Elektrosensible werden wie Verrückte behandelt»

Eine elektrosensible Frau erhält vom französischen Staat finanzielle Hilfe. Wie geht man in der Schweiz mit hypersensitiven Menschen um?

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Eine Mobilfunkantenne zwischen Wohnhäusern - nicht alle vertragen das. (Bild: Keystone/Karl Mathis)

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Der Fall der elektrosensiblen Marine Richard wird in Frankreich zum juristischen Präzedenzfall: Ein Gericht in Toulouse hat ihre Empfindlichkeit auf elektromagnetische Strahlung als Behinderung anerkannt. Weil die 39-Jährige zurückgezogen leben muss und nicht arbeiten kann, erhält sie nun für drei Jahre eine Rente von 800 Euro pro Monat.

Wäre das auch in der Schweiz denkbar? Hans-Ulrich Jakob von der Schweizerischen Interessengemeinschaft Elektrosmog-Betroffener gibt Antwort.

Herr Jakob, wie erleben Menschen in der Schweiz das Thema Elektrosensibilität?

Elektrosensible Menschen in der Schweiz, allgemein im deutschsprachigen Raum, getrauen sich nicht einmal mehr, öffentlich über ihre Beschwerden zu reden. Denn sie werden heutzutage von den Mobilfunkbetreibern nur noch gemobbt.

Das sind schwere Vorwürfe. Haben Sie dafür Beweise?

Es gibt in München eine Agentur mit dem Auftrag, die Leute, die sich über Eletrosmog beklagen, lächerlich zu machen und gar zu beschimpfen. Sie bringen es so weit, dass sie Strahlenopfer als psychisch krank abstempeln. Diese Menschen haben dann auf dem Arbeits- oder Wohnungsmarkt keine Chancen. Unser Verein hat die Zusammenarbeit dieser Mobbingagentur mit dem Bundesamt für Umwelt aufgedeckt. Wir haben sogar eine Beschwerde beim Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation eingereicht. Aber die haben die Beschwerde abgelehnt mit der Begründung, was da gelaufen sei, falle nicht unter Zusammenarbeit.

Wie viele Menschen sind von der Elektrosensibilität betroffen?

Es ist schwierig, eine Zahl zu nennen. In den letzten 15 Jahren hat unser Verein 750 Gerichtsfälle bearbeitet. Dabei ging es meistens um rechtliche Probleme wegen des Baus von Mobilfunksendern und Hochspannungsleitungen. Und hinter jedem Fall stecken Gruppen von drei bis zu 300 Leuten. Ob auch alle elektrosensibel sind, kann man nicht sagen.

Wo fängt überhaupt Elektrosensibilität an? Wie misst man das?

Das ist ebenfalls schwierig zu sagen. Denn bei jedem Menschen äussert sich die Empfindlichkeit anders. Insgesamt gibt es über 30 Symptome, die die Elektrosensibilität beschreiben. Von Schlaf- und Konzentrationsstörungen über Glieder- und Gelenkschmerzen bis hin zu Dauermüdigkeit, hohem Blutdruck und Depression.

Nehmen Ärzte die Betroffenen ernst?

Es kommt auf den Arzt darauf an. Einige verschreiben Psychopharmaka. Dann suchen die Patienten aber oft einen anderen Arzt auf, denn wer will schon als geisteskrank behandelt werden?

Gibt es Menschen, die nur teilweise betroffen sind? Oder anders gefragt: Ist man auf alle Art von Eletrosmog empfindlich, wenn man elektrosensibel ist?

Das ist unterschiedlich. Einige Menschen reagieren auf Hochfrequenzen wie Funk, andere auf Niederfrequenzen wie Starkstromleitungen. Andere hingegen vertragen gar nichts. Das Hauptproblem ist, dass Elektrosensibilität an keine spezifische Frequenz gebunden ist.

Welche weiteren Auswirkungen haben Strahlungen auf Menschen?

In den letzten zehn Jahren hat es eine markante Zunahme von Krebsfällen gegeben in der Schweiz. Die Todesfälle sind um 35 Prozent angestiegen. Das sind über 10'000 Todesfälle mehr pro Jahr.

Wissenschaftlich ist aber nicht erwiesen, dass Strahlen Krebs verursachen. Was meinen Sie dazu?

Es gibt schon einige Studien, die besagen, dass Krebszellen mit denen der Organismus normalerweise selber fertig wird, unter elektromagnetischer Bestrahlung viel schneller wachsen als im unbestrahlten Gebiet.

Wie kann man sich vor Strahlung schützen?

Indem man sich nicht exponiert. Man kann Internet ohne WLAN benutzen oder TV und Telefon ohne Funk. Am besten schliesst man alles über Kabel an.

Und wohin müsste man ziehen, wenn man in der Schweiz der Strahlung entkommen will?

Das ist hoffnungslos. In der Schweiz gibt es 20'000 Mobilfunkantennen und 10'000 weitere sind innerhalb der nächsten fünf Jahre geplant. Früher haben wir betroffenen Menschen zum Umzug geraten. Heute macht das keinen Sinn mehr. Denn kaum hat man einen ruhigen Ort gefunden, wird eine neue Antenne installiert. Es gibt höchstens ein paar wenige abgelegene Bergtäler, aber da muss man damit rechnen, dass man abgeschottet von der Welt lebt. Ohne Einkaufsmöglichkeit, ohne öffentlichen Verkehr, ohne Kulturangebote.

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Elias Truttmann am 27.08.2015 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    Passt

    Mit 800 Euro pro Monat kann man aber eine Menge Aluhüte kaufen, ...

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  • HB9 er am 27.08.2015 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Aberglaube und Kopfweh

    Als Amateurfunker habe ich im Garten einen Antennenmast aufgebaut. Eine Woche später beklagte sich die Nachbarsfamilie (Arzt ), dass sie nicht mehr gut schlafen könnten... Die Antenne war aber erstens noch gar nicht fertig installiert und 'strahlt' zweitens nur, wenn ICH wach bin und die Sendetaste drücke...

  • Hellebarde am 29.08.2015 19:26 Report Diesen Beitrag melden

    In meiner Gemeinde

    Wurden auch Solche Massten aufgestellt, da jammerten schon Einige über Kopfweh. Obwohl die Elektrischen Komponenten in den Masten noch gar nicht verbaut waren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Falko am 06.09.2015 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Verständnis und Mitgefühl ?

    Es gibt diverse fachlich fundierte Studien, welche die Schäden an Tieren, Pflanzen und Menschen nachweisen. Es ist längst nicht mehr die Frage ob, sondern unter welchen Umständen löst es welche Krankheiten aus. Traurig machen mich hier nicht wenige Komentare, die sich darüber lustig zu machen scheinen. Aber auch diesen wünsche nicht solch einen qualvollen Abgang, wie ihn derzeit Million von Menschen durchleben und es werden leider mehr. Für mich steht auch die Frage, welche Alternative gibt es?

  • cello64 am 30.08.2015 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elektrosensibel?

    Tia seit mit Schleudertrauma nichts mehr zu holen ist, muss man sich halt für neue Einkünfte umsehen.

    • grob m. am 31.08.2015 02:53 Report Diesen Beitrag melden

      Keine ahnung hat cello 64

      Bin elektrosensibel, aber nicht auf neue einkuenfte aus, sondern auf eine geeignete wohnung, haetten Sie mir eine ?, hoffe das Sie dann nicht mein nachbar Sind.

    • Be Egg am 31.08.2015 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Re

      Hoffen Sie, dass Sie nie an einem Schleudertrauma oder Elektrosensibilität erkranken. Nebst dem das die Symtome sie quälen, müssen Sie auch noch die verletzenden Reaktionen der Gesellschaft einstecken. Sie würden dann lieber sofort wieder Ihrer Arbeit nachgehen und ein mormales Leben haben

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  • cello 64 am 30.08.2015 13:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elektrosensibel?

    Tia seit mit Schleudertrauma nichts mehr zu holen ist muss man halt schauen wie man zu neuen Einnahmenquellen kommt.

  • h namenlos am 30.08.2015 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja klar

    weil sie verrückt sind ! die Probleme die diese Leute haben müssen andere Ursachen haben. wenn ich an das Theater denke das man heute wegen einer Amateurfunk Antenne bekommen kann, dann muss ich sagen irrsinnig. meine lieben strahlen Opfer, mit Mühleberg wo dann effektiv Strahlung erzeugt wird habt ihr scheinbar keine Probleme.. was ich einigermassen seltsam finde.. weil wir da nämlich von einer stärke reden die gewaltig ist.. und noch was..die uv strahlen der Sonne sind 1000mal so stark wie ein funk signal oder wie eine natel Antenne. ihr strahlensensible dürft genau gesehen also nicht einmal in die Sonne.. ich rate euch also wenn ihr so sensibel seit euch wie ein Vampir nur noch nachts aus dem Haus zu begeben. interessant finde ich auch ihr alle wollt mit euren natels telefonieren.. aber keiner von euch will irgendwo eine antenne. wie passt all das zusammen ? gar nicht !

    • grob m. am 31.08.2015 02:58 Report Diesen Beitrag melden

      Es gibt keine hilfe

      Namenlos ist sicher noch seeehr jung und das ist gut so, dann besteht noch jede chance, dass Herr namenlos die strahlenkrankheit am eigenen koerper erfahren darf.

    • Thinley am 10.09.2015 12:47 Report Diesen Beitrag melden

      Sonne....stimmt !

      EHS (elektromangetische Hypersensitvität) ist eine anerkannte Krankheit, die im ICD der WHO verschlüsselt ist. EHS ist im Labor nachweisbar (EEG bei WLAN an/aus). Sonne: Das ist richtig, ich pers. kann seit 2006 nicht mehr in die Sonne. Nicht für Sekunden. Dadurch Vit.-D/Calcium-Mangel, Osteoporose. Bevor ich es selber hatte, habe ich es auch für Quatsch gehalten. Natürlich gibt es auch psychische Reaktionen EHS-Kranker bei Sichtung eines Funkmastes, das nennt man Angst. Dadurch natürlich auch psychosomatische Symptome. Auch Krebskranke übergeben sich aus Angst vor nächster Chemo.

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  • Joe Amberg am 30.08.2015 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    10'000 Tote wegen Krebs...

    ...wegen elektromagnetischer Strahlung. Wer einen solch haarsträubenden Unsinn erzählt kann man ungeheur ernstnehmen. Ganz toll sind ja all die Fälle, bei denen die "Elektrosensiblen" massiv gelitten haben - obwohl die entsprechenden Antennen nachweislich noch gar nicht eingeschaltet waren. Was für ein Stumpfsinn... Werden dann wissenschaftliche Untersuchung durchgeführt, kommt dasselbe Resultat raus wie bei den Wünschelrutengänger: es ist nicht die gerinste "Sensibilität" vorhanden, die Probanden können keineswegs sagen ob es nun strahlt oder nicht...

    • grob m. am 31.08.2015 03:05 Report Diesen Beitrag melden

      Alles lesen bitte

      Waren Sie dabei, eventuell sogar sogar ein proband ?. Lesen Sie denn nur die eine seite von den wissenschaftlichen untersuchungen, leider sieht das so aus.

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