Peter Madsen vor Gericht

23. April 2018 16:40; Akt: 23.04.2018 16:43 Print

«Es tut mir sehr, sehr leid»

Der spektakuläre Prozess gegen den dänischen Erfinder Peter Madsen ist zu Ende gegangen. Die Anklage fordert lebenslang, die Verteidigung einen Freispruch.

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Im Prozess gegen den dänischen U-Boot-Bauer Peter Madsen wegen Mordes an der schwedischen Journalistin Kim Wall hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft gefordert. Sie ist überzeugt, dass Madsen die schwedische Journalistin im vergangenen August an Bord seines selbst gebauten U-Boots gefesselt, missbraucht und ermordet hatte, bevor er ihre Leiche zerstückelte und im Meer versenkte. Sie zeichnet von Madsen das Bild eines sexuell perversen Sadisten mit narzisstischen und psychopathischen Zügen. Neben Mord wirft sie ihm schweren sexuellen Missbrauch sowie Leichenschändung vor.

Madsen habe «das perfekte Verbrechen» begehen wollen, sagte Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen in seinem Abschlussplädoyer vor Gericht in Kopenhagen. «Er hatte einen idealen kriminellen Plan.» Über seinen Plan habe Madsen eine Freundin in einer SMS informiert, sagte Buch-Jepsen. «Es besteht kein Zweifel an der Schuld in diesem Fall», sagte er.

Der Staatsanwalt appellierte an den «gesunden Menschenverstand» der Richterin und der zwei Geschworenen, die gemeinsam das Urteil fällen sollen, und forderte sie auf, den Angeklagten zu lebenslanger Haft zu verurteilen.

Psychiater halten Madsen für sehr gefährlich

Wie sich beim Plädoyer des Staatsanwalt zeigte, halten Psychiater den dänischen Erfinder für so gefährlich, dass sie empfehlen, ihn auf unbestimmte Zeit ins Gefängnis zu schicken. Es müsse angenommen werden, dass er eine Gefahr für Leben und Gesundheit anderer Menschen sei, las der Staatsanwalt aus einem rechtsmedizinischen Gutachten vor.

Für den Fall, dass ihn das Gericht für schuldig befindet, werde Sicherungsverwahrung empfohlen. Das ist in Dänemark eine zeitlich unbegrenzte Strafe, die aber regelmässig überprüft wird. Im Durchschnitt sitzen Sicherungsverwahrte knapp 15 Jahre im Gefängnis – ähnlich wie zu lebenslanger Haft Verurteilte.

Verteidigung: Schwache Beweislage

Anschliessend hielt Madsens Verteidigerin Betina Hald Engmark ihr Abschlussplädoyer. Sie bemängelte während des Verfahrens vor allem eine schwache Beweislage. Laut Gerichtsmedizin wurde die Schwedin Wall wahrscheinlich durch Strangulierung oder einen Kehlenschnitt getötet. Die Gerichtsmedizinerin Christina Jacobsen hatte jedoch bei ihrer Anhörung vor Gericht eingeräumt, dass eine Gasvergiftung nicht ausgeschlossen werden könne.

Eine U-Boot-Expertin zweifelte zwar Madsens Darstellung an, wonach Wall in Folge eines Druckabfalls im Inneren des U-Bootes an giftigen Gasen erstickt sei. Aber ein anderer vor Gericht geladener Experte widersprach wiederum der Auffassung der Expertin.

«Es tut mir sehr, sehr leid»

Der 47-jährige Angeklagte bestreitet den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, Wall an Bord seines U-Bootes ermordet zu haben, um seine sexuellen Fantasien auszuleben.

Mit den Plädoyers ging das Verfahren nach elf Prozesstagen auf sein Ende zu. Madsen hatte am Ende des Prozesses noch die Gelegenheit, sich abschliessend zu äussern. «Es tut mir sehr, sehr leid», sagte er.

Das Urteil soll am Mittwoch verkündet werden.

(gux)