Flugbegleiter von AH5017

28. Juli 2014 06:05; Akt: 28.07.2014 13:16 Print

«Es ist schwer, sich beim Fliegen zu konzentrieren»

Kurz vor dem Absturz von Flug AH5017 in Mali beschwerte sich ein Steward über die Arbeitsbedingungen an Bord. Er starb beim Unglück. Seine Worte klingen wie eine ungehörte Warnung.

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Die Untersuchung des Absturzes von Flug AH5017 in der Wüste von Mali gestaltet sich schwierig. Experten dämpften die Erwartungen auf eine schnelle Aufklärung des Unglücks, bei dem 118 Menschen, darunter eine Schweizerin, ums Leben kamen. Derzeit geht man davon aus, dass das schlechte Wetter zum Absturz geführt hat. Doch es könnte noch weitere Gründe geben.

Wie die spanische Zeitung «El Economista» berichtet, hat sich der verunglückte Flugbegleiter Miguel Angel Rueda kurz vor dem Unglück bei seinem Chef über die Arbeitsbedingungen beschwert. Die Angestellten würden unter einer «generellen physischen und psychischen Müdigkeit» leiden, schrieb Rueda in einem E-Mail. Das Personal, das auf der Unglücksstrecke Ouagadougou nach Algier eingesetzt werde, müsse oftmals sieben Tage am Stück arbeiten.

Studenten im Cockpit

Die täglichen Ruhezeiten seien zu kurz, schreibt Rueda weiter. «Der Tag beginnt zwischen 6 und 7.30 Uhr und dauert bis etwa 20 Uhr», so der Steward. Auch zu Verspätungen soll es immer wieder kommen. «Das summiert sich und hat einen Einfluss auf die Fähigkeit, sicher fliegen zu können», so Rueda. Er verlangt von seinem Vorgesetzten, eine Lösung für das Problem zu finden. Denn: «An den letzten Tagen eines Einsatzzyklus ist es schwierig, sich bei Start und Landung zu konzentrieren.» Vor dem Hintergrund des Absturzes klingen diese Worte wie ein ungehörter Hilferuf.

Auch die spanische Pilotengewerkschaft Sindicato Espanõl de Pilotos de Líneas Aéreas (Sepla) wirft Swiftair erhebliche Mängel vor. So verdiene ein Co-Pilot auf der tiefsten Stufe gerade einmal 1023 Franken im Monat. Angehende Piloten müssten gar bezahlen, um auf die notwendigen Flugstunden zu kommen. Oftmals begleiten solche nicht fertig ausgebildete Studenten die Flüge als Co-Piloten. «Das ist ein Sicherheitsrisiko», sagt die Gewerkschaft der Nachrichtenagentur Europa Press.

Swiftair dementiert Anschuldigungen

Die spanische Fluggesellschaft Swiftair weist die Vorwürfe zurück: «Die Piloten arbeiten nicht länger als anderswo und sind auch genauso gut ausgebildet wie bei den grossen Fluglinien.» Swiftair erfülle alle Sicherheitsvorschriften, der Ausweis der Airline sei «lupenrein».

Swiftair verschweigt damit aber, dass es bereits früher Probleme gab. Wie «Aero Telegraph» berichtet, gab es 2012 im afghanischen Kandahar einen Zwischenfall. Eine Maschine des gleichen Flugzeugtyps wie beim Absturz, eine MD-83, drehte sich bei der Landung plötzlich nach rechts. Dabei berührte ein Flügel des Flugzeugs die Landebahn. Die Maschine nahm erheblichen Schaden, Passagiere wurden glücklicherweise keine verletzt.

Eine Untersuchung kam zum Schluss, dass die Crew-Mitglieder sich nicht an die Vorschriften der Fluggesellschaft gehalten hatten. Auch verfügten weder die Piloten noch die Swiftair über eine Genehmigung, um an jenem Tag das Anflugverfahren durchführen zu können.

(dia)