Beben der Stärke 7,2

23. Oktober 2011 15:30; Akt: 23.10.2011 20:34 Print

«Es sind so viele tot. Brauchen dringend Hilfe»

Ein starker Erdstoss hat den Osten der Türkei erschüttert. Das türkische Erdbebenzentrum befürchtet mindestens 1000 Tote. Der Bürgermeister der Stadt Ercis rief nach Hilfe.

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Im Ort Tabanli, wo das Zentrum des Bebens lag, sind zahlreiche Häuser eingestürzt.

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Ein starkes Erdbeben hat am Sonntag den Osten der Türkei erschüttert. Dabei kamen zahlreiche Menschen ums Leben. Die genaue Zahl der Opfer war zunächst unklar. Türkische Experten rechneten mit bis zu 1000 Toten.

Die Istanbuler Erdbebenwarte Kandilli schätzte am Sonntagnachmittag, dass das Beben bis zu 1000 Menschen in den Tod gerissen hat. Das teilte der Leiter der Warte, Mustafa Erdik, an einer Medienkonferenz mit.

Das Zentrum des Bebens lag unter dem Dorf Tabanli in der Provinz Van, die an den Iran grenzt. Viele Menschen liefen nach dem Erdstoss am frühen Nachmittag in Panik auf die Strassen. Rettungskräfte gruben mit Schaufeln und Händen nach Überlebenden.

Ercis am schwersten getroffen

Die schwersten Schäden gab es in der Stadt Ercis. Der Rote Halbmond teilte mit, in Ercis seien an die 80 Gebäude eingestürzt, darunter ein Schülerheim. Ercis ist eine Kreisstadt in der Provinz Van mit mehr als 70 000 Einwohnern und liegt auf einer Verwerfungslinie. Die Stadt ist deshalb besonders erdbebengefährdet.

Der Bürgermeister von Ercis, Zulfikar Arapoglu, bat in einem dramatischen Appell um Hilfe: «Es sind so viele tot. Mehrere Gebäude sind eingestürzt, da ist zu viel Zerstörung», sagte er im Fernsehsender NTV. «Wir brauchen dringend Hilfe, wir brauchen Ärzte und Sanitäter.» Vor Ort gebe es nur ein Spital.

Auch in der Provinzhauptstadt Van stürzten Gebäude ein, sagte Bürgermeister Bekir Kaya. «Das Telefonsystem ist wegen Panik blockiert, wir können nicht sofort den ganzen Schaden ermessen», sagte er. Der Bürgermeister von Ercis, Zulfikar Arapoglu, bat in einem dramatischen Appell um Hilfe: «Es sind so viele tot. Mehrere Gebäude sind eingestürzt, da ist zu viel Zerstörung», sagte er im Fernsehsender NTV. «Wir bauchen dringend Hilfe, wir brauchen Ärzte und Sanitäter.»

In Van seien zehn Häuser eingestürzt. Der Fernsehsender NTV berichtete, auch der Flughafen von Van sei beschädigt worden und Flüge würden deshalb umgeleitet. Und auch Fernstrassen seien beschädigt worden, meldete der Fernsehsender CNN-Türk.

«Menschen sind in Todesangst»

Schwere Schäden wurden auch aus der Umgebung von Ercis gemeldet. In Celebibag seien viele Menschen unter Trümmern verschüttet, sagte der Bürgermeister des Ortes, Veysel Keser, NTV. «Menschen sind in Todesangst, wir können ihre Hilferufe hören.» Es sei eine grosse Katastrophe: Häuser, Schülerheime, Hotels und Tankstellen seien zerstört. In Bitlis stürzten ebenfalls Häuser ein, ein achtjähriges Mädchen kam ums Leben, teilten Behördensprecher mit.

NTV berichtete, das Beben sei bis in die Nachbarprovinzen deutlich zu spüren gewesen.

Regierung entsendet 500 Helfer

Der Krisenstab der Regierung erklärte, aus dem ganzen Land würden 500 Rettungshelfer und Notärzte in die Provinz Van geflogen. Das Büro des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan bestätigte, dass es Tote gab, machte allerdings zunächst keine genauen Angaben.

Die US-Erdbebenwarte in Golden registrierte das Beben um 13.41 Uhr Ortszeit (12.41 Uhr MESZ) mit einer Stärke von 7,2. Mit einer Tiefe von 20 Kilometern sei es oberflächennah und könnte daher grösseren Schaden anrichten.

Das türkische Erdbebenzentrum Kandilli hatte zunächst von einer Stärke 6,6 und einer Tiefe von sogar nur fünf Kilometern gesprochen, die Stärke später aber ebenfalls auf 7,2 korrigiert. Mehrere Nachbeben mit Stärken bis zu 5,5 seien unmittelbar gefolgt.

In ständiger Angst vor Erdstössen

Erdbeben sind in der Türkei, die von Verwerfungslinien durchkreuzt wird, keine Seltenheit. 1999 kamen bei zwei Erdbeben im Nordwesten 18 000 Menschen ums Leben.

Das Land lebt in ständiger Angst vor neuen Erdstössen durch die Reibung tektonischer Platten in der Erdkruste. Rund 92 Prozent des 780 000 Quadratkilometer grossen Landes liegen auf Erdbebengürteln.

Etwa 95 Prozent der Türken leben auf unsicherem Grund, auf dem auch 98 Prozent der Industrieanlagen sowie die wichtigsten Staudämme und Kraftwerke stehen. Fast die Hälfte dieser Staudämme wurde in besonders gefährdeten Gebieten gebaut.


Video aus Van (YouTube)


Video aus Van (YouTube)


Video aus Van und Ercis (YouTube)

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marc k. am 24.10.2011 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer mehr...

    Es gibt immer mehr Erdbeben dessen stärke..das beunruhigt mich :0

  • musti am 23.10.2011 23:34 Report Diesen Beitrag melden

    sehr schlimm

    ich als türke habe in den ferie 2 erdbeben in der stärke von 6.1 und 6.2 erlebt und muss sagen, ist das schlimmste ereignis was ich je erlebt habe, die wände die ansonsten gerade stehen, wackeln zu sehen ist echt das schlimmste und die gewaltigen geräusche und die panik situation die man dann erlebt ist wirklich schlimm, ich konnte sehr lange zeit nicht mehr richtig schlafen ich wünsche allen menschen die davon betroffen sind mein beileid und hoffe das sich alles schnellst möglichst normalisiert...

  • martial kohler am 23.10.2011 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    Erdbeben in der Türkei

    Ein sehr interessantes Land aber eben von Erdbeben nicht verschont. Wir leben einige Monate im Jahr in diesem Land und auch wir haben eine Erdbebenversicherung abgeschlossen. Im 1999 haben wirs erlebt, sehr beeindrückend!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hakan Parlak am 25.10.2011 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Metsamor

    Beunruhigend ist, dass nicht mal 200 km Luftlinie entfernt, eines der ältesten und störanfälligsten Kernkraftwerke der Welt liegt.

  • giovanni bernasconi am 25.10.2011 03:41 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchlerische TR

    Die TR hat jede auslaendische Hilfe abgelehnt. Das gibt doch zum Denken: das ist Stolz am falschen Platz. Jetzt sind schon die schweren Baumaschinen daran Alles flach zu machen: also wird es keine Ueberlebende mehr geben, so will es der Islamische (menschlicher?) Staat. Als Letztes eine kleine Frage: warum baut man in der TR nicht erdbebensichere Haueser? Die Antwort ist sehr einfach: Korruption und niemand will eine effektive Kontrolle. Also werden sich diese Bilder wiederholen.

    • Der Türke aus Istanbul am 25.10.2011 11:48 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch informiert

      Ich lebe in der Türkei, und hier wird seit 2000 Erdbebensicher gebaut. Die meisten Häuser sind aber immernoch 30-50 Jahre alt und deswegen gefährdet. Deine Unterstellung ist also Fehl am Platz. Ausserdem hat die Regierung jede Hilfe abgelehnt weil Sie selber damit fertig werden kann, Iran, Azerbaycan und Pakistan haben nicht mal Hilfe angeboten sondern gleich Hilfskräfte ausgesandt.

    • AhmetNuman am 25.10.2011 12:47 Report Diesen Beitrag melden

      Informiert euch

      Bulgarien, Aserbaidschan, Iran und Israel's Hilfetrupen sind vor Ort im Einsatz. bitte informiere dich bevor du was schreibst.

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  • Erkan am 24.10.2011 23:03 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötige Feindseeligkeit

    Die lieber Kollege/Kollegin einen Beitrag voher hat wohl die Sache nicht ganz kapiert: 1. Ercis ist von der nächst grösseren Stadt (Diyarbakir/Erzurum) mit Auto sowieso 5 Stunden entfernt... Recherchiere bevor du Behauptungen machst die kein Fuss fassen können. Als nächstes mein Lieber/meine Liebe ist Van auch eine TÜRKISCHE Stadt, da innerhalb Grenzen der Türkei. Du provozierst nur wieder eine Feindseeligkeit. Wir machen schwere Zeiten durch... Da braucht es solche feindliche, an Rasissmus gelehnte Kommentare nicht.

  • KURDEN werden sogar bei dem erdbeben unt am 24.10.2011 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    mensch ist mensch türkei

    FALSCH! es wird viel zu wenig geholfen von der seite des staates, die erste hilfe nach dem erdbeben kam erst 5 stunden später.dass alles weil sie Kurden sind! die leute schlafen draussen aber wenn das erbeben in einer türkischen stadt gewessen wäre, hätten die leute schon längst zu essen & unterkunft

    • LadyCH am 25.10.2011 07:58 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte sich vorher Informieren

      Was für ein absurdes Kommentar ist das den, sogar der Staatspresident höchstpersölich war dort dabei. und Hilfe ist aus jaeglichen Ecken und Kanten der Türkei gekommen. Wenn es so waere ,wie du es dir ausdenkst dann waeren nicht über 1000 Leute geretten worden. Und zur Info: VAN gehört zu Türkischen Republik, auch wenn dort mehrheitlich Kurden wohnhaft sind. Dass waere ja genau so , wenn man sagen würde Tessin waere ein Teil von Italien und nicht ein Teil von der Schweiz...

    • ich bins am 25.10.2011 08:01 Report Diesen Beitrag melden

      Türken

      1. das Erdbeben ist in einer türkischen Stadt. 2. schreib hier nicht so einen Schwachsinn hinein. Türken helfen den Kurden trotz den schwären Angriffen auf unsere Soldaten und es wird alles gemacht das es euch gut geht. also anstelle von alles schlecht sehen und türken schlecht darstellen dankbar sein!!!

    • Tunceli am 25.10.2011 08:48 Report Diesen Beitrag melden

      Menschen helfen Menschen!

      Was für ein Quatsch ist den das? Ganz Türkei weint um die Region und hilft mit allen Mitteln dieses Leid zu mindern! Solche rassistische Gedanken sind vielleicht in Deinem Kopf aber ganz bestimmt nicht in der türkischen Bevölkerung!

    • Hakan Parlak am 25.10.2011 10:05 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte keine falschen Aussaugen!

      Genau, 5 Stunden dauerte die Hilfe! und wenn Sie ein wenig recherchieren, so werden Sie feststellen, dass der Flughafen von Van beschädigt wurde. Reine Fahrtzeit von den nächst gelegenen Flughafen (Diyarbakir oder Erzurum): 5 Stunden!

    • Weltbürgerin am 25.10.2011 10:13 Report Diesen Beitrag melden

      Erdbeben

      Ja, klar immer die bösen Türken. Wenn du bösartige Absichten sehen willst, dann findest du die auch! Dort leiden Menschen und du kommts mit Türken und Kurden! Wer macht hier ein Unterschied?

    • MenschW am 25.10.2011 14:33 Report Diesen Beitrag melden

      Erdbeben 1

      Das grosse Marmara-Erdbeben 1999 (West-Türkei, Stärke 7.6) haben meine Familie und ich erlebt und Gott sei Dank überlebt. Es ist für mich absolut nicht verständlich, wie Sie eine solche Katastrophe mit solch politischen Ansichten beurteilen. Wie meine Vorredner bereits geschrieben haben handelt es sich hierbei um eine türkische Stadt, daran gibts nichts zu diskutieren. Es wurde gleich nach dem Erbeben gleich Hilfe geleistet und es wird immer noch in hohem Tempo gearbeitet/geholfen. Es handelt sich hierbei um Menschenleben und nicht anderes!

    • MenschW am 25.10.2011 14:50 Report Diesen Beitrag melden

      Erdbeben 2

      Auch wir mussten im August 99 draussen schlafen (Sommerhitze), haben unsere Zelte selber gebaut, Essen und Trinken war knapp, Medizinische Versorgung war schwierig und wir konnten ein Woche lang das Land nicht verlassen. Das in einer Stadt voller Tote und Verletzter und das Volk ist machtlos. Und das alles im äussersten Westen der Türkei (2 Std. von Istanbul entfernt), stellen Sie sich das mal vor!! Sarkasmus bei Seite..was ich sagen will, ist, dass eine solche Katastrophe jeden schwer trifft, dabei spielt die Herkunft bestimmt keine Rolle!

    einklappen einklappen
  • Felix am 24.10.2011 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Hilfestellung konkret

    wie mutig manche Frau in ein solches Erdbebe-Gebiet fährt und dort vor Ort Hilfe leistet, darüber berichtet Margot Dietz-Wittstock, die Leiterin der Notaufnahme der DIAKO in Flensburg in