07. Januar 2008 09:39; Akt: 07.01.2008 10:04 Print

«Es steckte ein Dämon in ihr, eine antichristliche Macht»

In Polen gehen zurzeit der Satan und eine ganze Hundertschaft an Teufelsaustreibern um. Doch der Belzebub macht nicht hinter der Neisse Halt. In Basel musste schon mal der Weihbischof persönlich ran. 20minuten.ch sprach mit dem Verantwortlichen für Exorzismusfragen.

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Ein böser Geist, der sich des eigenen Körpers bemächtigt und einem unsägliche Qualen bereitet. Eine unheimliche Vorstellung. Für viele jedoch ist das nichts als Humbug und Aberglaube. Trotzdem wird gegenwärtig in Polen gegen den Befall von Satans Dämonen aufgerüstet. Dort soll in einem Dorf bei Stettin das erste Teufelsaustreibungs-Zentrum entstehen, wie der «Tages-Anzeiger» am Donnerstag berichtete. Knapp hundert Exorzisten haben in Polen eine offizielle Erlaubnis der katholischen Bischofskonferenz zur Teufelsaustreibung. Doch auch in der Schweiz gibt es Hilfe, wenn einem ein böser Geist befällt.

20minuten.ch: Weihbischof Martin Gächter, Sie sind verantwortlich bei Exorzismus-Anfragen im Bistum Basel. Gibt es viele Menschen in der Schweiz, die besessen sind?
Weihbischof Martin Gächter: Besessenheit ist ein seltenes Phänomen in der Schweiz. Nur ein bis zwei Prozent der Menschen, die uns anfragen, sind tatsächlich besessen. Deshalb ist der Exorzismus bei uns selten. Zwar gibt es keine Statistiken, aber wir merken, dass gewisse Kulturen - vor allem südländische - stärker an böse Mächte glauben. Manchmal malt man aber auch den Teufel an die Wand. Er wird oft verantwortlich gemacht für das eigene Unvermögen.

Was geschieht, wenn sich jemand von bösen Mächten befallen fühlt?
Die Leute, die sich an uns wenden, sind verängstigt, fühlen sich in Not und verfolgt. Sie sagen, sie seien verwünscht und würden bedroht. Das nehmen wir natürlich ernst. Wir versuchen zunächst herauszufinden, ob es sich wirklich um Besessenheit handelt oder ob es ein psychisches Problem ist. Eine Schizophrenie oder eine Psychose zum Beispiel. Dazu arbeiten wir eng mit Psychiatern und Ärzten zusammen.

Woran erkennt man, ob jemand tatsächlich besessen ist?
Bei einer geplagten Frau habe ich Ärzte beigezogen. Sie konnten ihre Leiden nicht erklären. Es war keine Epilepsie und keine Schizophrenie. Trotzdem hat die Frau gelitten. Wir merkten, dass sie von einem bösen Geist geplagt wurde. Sie war besessen.

Und worin äusserte sich diese Besessenheit?
Der Geist hat immer laut geredet und liess sie nicht zur Ruhe kommen. Es war ein schlechter Geist. Ein richtiger Plagegeist eben, der sie nicht schlafen liess. Die Frau konnte kein Kreuz ansehen und das Wort Gott nicht aussprechen. Sie wollte beten, aber sie konnte es nicht. Als ich mit Weihwasser ein Kreuz auf ihre Stirn machen wollte, sagte sie, dass das brenne wie Feuer. Es steckte ein Dämon in ihr, eine antichristliche Macht, die die Schöpfung zerstören und die Menschen quälen will. Gott will keine Menschen peinigen.

Also musste ein Exorzismus durchgeführt werden. Wie geht das?
Ein Exorzismus besteht vor allem aus Gebeten. Es gibt keine speziellen Formeln dazu. Manchmal setzt man auch Weihwasser ein. Wichtig ist in jedem Fall der Glaube, dass Gott stärker als alles Böse ist. Manchmal muss man lange beten, bis die Erlösung kommt. Aber am Ende gewinnt immer Gott, auch wenn das Böse ganz besonders stark in Erscheinung tritt. Gott ist stärker als alles Böse und alles, was Angst macht.

Woran haben sie gemerkt, dass der Exorzismus gewirkt und der Dämon verschwunden ist?
Die Frau konnte das Kreuz spontan umarmen und es sogar küssen. Sie war frei und erlöst und hatte keine Angst mehr.

Und wohin verschwand der Dämon?
Das müssen sie mich nicht fragen. Er sagte, er komme zurück. Und er ist auch tatsächlich wieder gekommen. Wir mussten den Exorzismus mehrmals beten, bis der Dämon wirklich weg war. Man kann auch im Evangelium sehen, wie Jesus die Dämonen austreibt und seinen Jüngern den Auftrag gibt, Dämonen zu vertreiben. Dort steht auch, wie der Dämon droht: «Ich komme mit anderen zurück!» Es ist erstaunlich, wie diese Texte der Bibel auch heute stimmen.

Haben Sie niemals Angst, wenn Sie es bei Exorzismen mit Dämonen und bösen Geistern zu tun haben?
Irgendwie sind wir geschützt, weil wir mit Gott verbunden sind. Aber ich habe auch schon davon gehört, dass Exorzisten von den Besessenen verprügelt wurden, die sie von den Dämonen befreien wollten. Ich selbst habe diese Erfahrung allerdings noch nie gemacht.

Tina Fassbind, 20minuten.ch