Baumgartners Rekordflug

15. Oktober 2012 05:41; Akt: 16.10.2012 11:49 Print

«Es war härter, als ich es mir vorgestellt habe»

Felix Baumgartner hat es geschafft: Mit seinem Sprung aus der Stratosphäre hat er gleich drei Rekorde aufgestellt. Auch eine Schrecksekunde konnte den Extremsportler nicht stoppen.

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Geschafft! Felix Baumgartner ist wieder auf der Erde und am Ziel seiner Träume. Am 14. Oktober 2012 hat es endlich mit seinem Rekordsprung aus der Stratosphäre geklappt. Riesige Freude bei Felix Baumgartner, als er wieder Boden unter den Füssen hat... ... und natürlich auch bei seiner Crew, allen voran Baumgartners Mentor Joe Kittinger. Jubel und Tränen auch bei der Familie. Sonntag - der 2. Versuch: Nach erneut mehreren Verschiebungen wird der Ballon betankt. Der Ballon ist beinahe komplett betankt worden. Die Köpfe recken sich - der Ballon ist gestartet. Und dann - nach diversen Verschiebungen kann es endlich losgehen. Bilder aus ungefähr 5 Kilometer Höhe. Felix Baumgartner schwebt immer höher. Mutter Baumgartner wirkt zuversichtlich, während ihr Sohn in die Stratosphäre schwebt. Der furchtlose Felix in seiner Kapsel. Felix Baumgarter kurz vor der 30 000-Meter-Marke. Der erste Rekord ist geknackt. Felix Baumgartner hat nun den Rekord für den höchsten Bemannten Ballonflug. Der Ballon ist nun sichtlich gefüllt. Auf rund 39 000 Meter öffnet Baumgartner die Luke ... ... und springt. Etwas früher als erwartet hängt Felix Baumgartner am Fallschirm. Die Erde hat einen grossen Helden wieder. Der Jubel ist auch bei der Crew am Boden gross. Der alte Rekordhalter gratuliert dem neuen: Joe Kittinger und Felix Baumgartner. Ein Busserl von der Freundin Nicki für den Helden. Dienstag, 1. Versuch: Felix Baumgartner sitzt nach dem zweiten gescheiterten Versuch, mit dem Helium-Ballon in die Stratosphäre zu gelangen, am 9. Oktober 2012 nachdenklich in seinem Wohnwagen in Roswell, im US-Bundesstaat New Mexico. Dienstag, 1. Versuch: Morgen in aller früh in New Mexico: Felix Baumgartner ist seit 2 Stunden wach. Noch ist nicht sicher, wann gestertet werden kann. Dienstag, 1. Versuch: Die eingekreisten Punkte sind miteinander verbundene Ballone. Die Distanz vom untersten bis zum obersten entspricht der Länge von Baumgartners Ballon. Wie deutlich zu erkennen ist, herrschen kräftige Winde. Unter diesen Bedingungen kann Baumgartners Ballon nicht mit Helium gefüllt werden. Der Start muss verschoben werden. Dienstag, 1. Versuch: Nach einiger Verspätung beginnen Arbeiter die Ballonhülle auszulegen. Dienstag, 1. Versuch: Felix Baumgartner harrt der Dinge, die da kommen. Dienstag, 1. Versuch: Letzte Vorbereitungen in der Kapsel. Gleich wird hier Felix Baumgartner platznehmen. Dienstag, 1. Versuch: In einem Wohnwagen fährt Baumgartner vor die Kapsel. Dienstag, 1. Versuch: Baumgartner verlässt die Blechbüchse. Dienstag, 1. Versuch: Letzte Vorbereitungen bevor Baumgartner die Kapsel betritt. Dienstag, 1. Versuch: Und so sieht die Kapsel von innen aus. Dienstag, 1. Versuch: Baumgartner litt in seinem Raumanzug anfänglich unter Platzangst. Er hat diese aber besiegt. Dienstag, 1. Versuch: Mitten in den Startvorbereitungen muss abgebrochen werden. Die Winde sind zu stark. Unter diesen Bedingungen herrscht für Felix Baumgartner Lebensgefahr. Dienstag, 1. Versuch: Enttäuscht verlässt Baumgartner die Kapsel.

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Gebannt verfolgten am Sonntagabend Millionen von Menschen Felix Baumgartners Rekordsprung aus der Stratosphäre im YouTube-Livestream, auf Twitter oder auf 20 Minuten Online und wurden Zeuge, wie der 43-jährige Österreicher Geschichte schrieb. Als erster Mensch durchbrach der Extremsportler im freien Fall die Schallmauer und erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 1342,8 Kilometern pro Stunde. Damit war Baumgartner rund 265 Stundenkilometer schneller als der Schall. Daneben erreichte er eine Rekordabsprunghöhe von 39 045 Metern und stellte als dritten Rekord den höchsten bemannten Ballonflug auf.

Nach der Landung in der Wüste von New Mexico war der Jubel grenzenlos. Sein Team um seinen Mentor Joe Kittinger und seine Familie brachen in Tränen aus. Baumgartner sagte, ihm seien «20 Tonnen Last von den Schultern gefallen». Trotz aller Überschwänglichkeit war sich der 43-Jährige der Risiken, denen er ausgesetzt war, immer bewusst. Nach seiner glücklichen Landung erzählt er an der Pressekonferenz von seinen Gefühlen: «Man will da oben nur lebend runterkommen. Man möchte nicht vor seiner Familie sterben. Das einzige, was du willst, ist überleben.» Unmittelbar vor dem Absprung habe er gedacht: «Lieber Gott, lass mich jetzt nicht im Stich.»

Schrecksekunde im Flug

Doch nicht alles lief nach Plan. Schon beim Aufstieg funktionierte die Visierheizung nicht. Der Atem hatte das Sichtfenster beschlagen. Doch Baumgartner entschied, dass das Problem zu geringfügig sei und wollte die Mission nicht abbrechen. Wie er sagte, sei dies die richtige Entscheidung gewesen.

Eine Schrecksekunde gab es dann auch während des Fluges. Nach einer knappen Minute kommt er ins Trudeln, dreht sich immer wieder um die eigene Achse. «Es ist schwer zu sagen, warum ich ins Trudeln kam», so Baumgartner. Es sei ein so genannter «Flat Spin» gewesen, den er am meisten befürchtete. Er hätte einen starken Druck im Kopf verspürt. «Für ein paar Sekunden habe ich gedacht, ich verliere das Bewusstsein», schildert er den dramatischen Moment.

Doch stärker als die Todesangst war seine Sorge, schon vorzeitig seinen Flug verlangsamen zu müssen. Denn hätte sich der 43-Jährige noch 6 Sekunden länger gedreht, wäre automatisch ein Stabilisierungsschirm aufgegangen. «Als ich mich die ersten 10, 20 Sekunden gedreht habe, dachte ich nicht daran, dass ich sterben könnte. Ich war enttäuscht, weil ich den Rekord nicht erreichen würde. Ich habe viele Jahre meines Leben da hineingesteckt», sagte der Salzburger gegenüber den Medien.

«Es war viel härter, als ich es mir vorgestellt habe»

Fünf Jahre lang hatte sich der Fallschirmspringer auf den grossen Moment vorbereitet. Zweimal musste die Mission wegen aufkommender Winde abgebrochen werden. Jetzt endlich hat er seinen grossen Traum verwirklichen können. Trotz seines heldenhaften Sprungs bleibt der Österreicher auf dem Boden und wird schon fast ein bisschen philosophisch: «Manchmal muss man wirklich hoch hinaus, um zu sehen, wie klein wir sind», sagte er nach seiner Landung zu Journalisten.

Für das Red-Bull-Stratos-Team war die Mission ein grosser Erfolg. Wie es in einem Communiqué heisst, konnten «wichtige Daten über die Reaktion des menschlichen Körpers auf die extremen Bedingungen am Rande des Weltalls gesammelt werden». Das Projekt hatte Hoch und Tiefs, der Start musste gleich mehrmals wetterbedingt verschoben werden. Und hat wohl vor allem auch Baumgartner an seine Grenzen getrieben. «Alles in allem war es viel härter, als ich es mir vorgestellt habe», sagte der Abenteurer.

Nach dem Rekordsprung will er sich jetzt nach eigenen Angaben den kleineren Dingen im Leben widmen, sesshaft werden, doch auch dabei will er offenbar noch hoch hinaus: In den USA oder Österreich wolle er Helikopter fliegen, hatte er vor dem Sprung gesagt.


Mit Material der Nachrichtenagentur dapd

(bee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gabriela A. am 15.10.2012 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wow!!!

    Felix, du Wahnsinniger, du Furchtloser! Meine Bewunderung hast du!

  • Leela Lila am 15.10.2012 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gähn!!

    Und in zwei Wochen spricht niemand mehr darüber...

    einklappen einklappen
  • Steff am 15.10.2012 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    An die Moralapostel

    Meine Güte muss denn jeder Spass einen Sinn ergeben?! Macht "Spass haben" ansich Sinn?! Immer diese notorischen Miesepeter und Moralapostel! Das war ganz einfach eine interessante, unterhaltsame, spannende, spektakuläre und verrückte Aktion. Oder wie Deichkind es besingen würden war dieser Sprung... ...Leider Geil! ;-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • andreas keller am 15.10.2012 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Hut ab!

    Ich lese immer wieder, dass die Aktion unnötig gewesen sei. Ich hätte nie im Leben gedacht, dass man mit dem menschlichen Körper die Schallmauer durchbrechen könnte und es überlebt. Natürlich bringt es etwas. Man könnte z.B. mit einem Fallschirm auf einem andern Planeten landen, umsteigen auf 39km von einem Ballon in ein Raumflugzeug und viel weniger Energieaufwand in den Weltraum gelangen. Ich finde es spannend...und eine unglaubliche Leistung. Hut ab!

    • Astronautus am 16.10.2012 09:16 Report Diesen Beitrag melden

      Fallsch gedacht...

      Eeehmmmm nein das geht nicht. Man kann nicht soweit hinauf mit dem Ballon, da er einmal platzen wird. und wie willst du in der schwerelosigkeit mit einem Fallschirm fliegen, wenn du keine Anziehungskraft hast? Das vergessen viele... er war nicht in der schwerelosigkeit mit dem Ballon sonst hätte er auch nicht hinunter springen können ;)

    einklappen einklappen
  • Wayne S. am 15.10.2012 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Felix Baumgartner und Team

    Es liegt nun mal in der Natur des Menschen, Grenzen zu erforschen und im Extremfall auch zu überschreiten. Zur Weiterentwicklung des Menschen ist dies unabdingbar und es braucht Leute wie Felix B., sein Projekt war wirklich ein Meilenstein in dieser Richtung und eine TOP Leistung. Aber auch die super Bilder im TV/Internet zeigen doch, was dank Forschung und damit der modernen Technik heute alles möglich ist. Der Absprung war doch einfach der Hammer und als man sah, wie er ins Trudeln kam, ist mir beinahe das Herz stehen geblieben. Zum Glück gabs mit der sanften Landung das nötige Happy-End.

  • Fredy Wunderle am 15.10.2012 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Steht zusammen

    Diejenigen,die aus irgend einem Grund einen schlechten Eindruck von der Expedition Hr. Bamgartner haben, sollen sich zusammentun und unter sich ein Münzkässeli zirkulieren lassen, sammeln und dann...... die Welt wird sicher nicht besser!

  • MTO am 15.10.2012 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein starker Mensch

    Ich verneige mich vor ihm. Da braucht es Nerven wie Drahtseile. 6 Std. Vorbereitung, das heisst, 6 Std. Anspannung, was geht da alles durch den Kopf das wir nie erfahren werden? Sicher war er unter voller Konzentration, aber sicher war auch Angst dabei. Er ist und bleibt ein Idol und kommt in die Geschichtsbücher.

  • Roger Landolt am 15.10.2012 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn es nicht anderst geht?

    "Auch eine Schrecksekunde konnte den Extremsportler nicht stoppen." Was wollte er auch machen, die Notbremse ziehen? ;)