Amokfahrer von Toronto war ein Incel

26. April 2018 14:16; Akt: 26.04.2018 14:16 Print

«Frauen verdienen Brustkrebs»

Nur Minuten bevor Alek Minassian in Toronto zehn Menschen tötete, forderte er zur «Incel Rebellion» auf. Eine Erklärung in sieben Punkten.

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Punkt 1: Unfreiwillig enthaltsam
Incel steht für «involuntarily celibate», «unfreiwillige Enthaltsamkeit». Als Incel fühlen sich vor allem Männer. Sie hätten gerne Sex, kriegen diesen aber nicht und machen dafür Frauen verantwortlich.

Punkt 2: Die Ironie
Ironischerweise wurde der Begriff «Incel» in den 90er-Jahren von einer Frau kreiert. Sie hatte bis Mitte zwanzig keinen Sex, was sie auf ihr molliges, gedrungenes Aussehen zurückführte. Der Begriff Incel erschien ihr neutral und treffend zugleich, sie wollte damit Frauen und Männer ansprechen. Das ging nach hinten los. Immer mehr Männer besuchten ihre Seite «Alana's Involuntary Celibacy Project» und liessen sich über Frauen aus. «Ich aber wollte eine Bewegung ins Leben rufen, die für alle und jeden offen ist», sagt Alana (43). Mit Bedauern sagt die kanadische Managerin heute: «Ich kann die Schaffung des Begriffes Incel nicht rückgängig machen.»

Punkt 3: «Femoids», «Chads» und «Stacies»
Weil Incel davon ausgehen, dass sie nie mit einer Frau schlafen können, betrachten sie Frauen als Feinde. Frauen bezeichnen sie als «Femoids», als menschliche Roboter, die auch als solche behandelt werden sollten. Sie teilen die Welt in «Stacies» und «Chads» auf, attraktive Frauen und Männer, die keine Probleme haben, Sexualpartner zu finden. «Die Incel-Rebellion hat bereits begonnen. Wir werden alle Chads und Stacies stürzen», schrieb Alek Minassian, der mit einem Lieferwagen in Toronto zehn Menschen, überwiegend Frauen, tötete, auf Facebook.

Punkt 4: Gefährliches Gedankengut
Man könnte die Incel als sexuell frustrierte, einsame Männer mit zu vielen Komplexen abtun, als eine Gegenbewegung zum Feminismus oder zur #MeToo-Debatte. Doch die Überzeugungen und Ansichten der Incel sind gefährlich. Das macht nicht nur das Attentat von Toronto deutlich. Incel gehen davon aus, dass sie ein Recht auf sexuelle Erfahrungen haben und Frauen ihnen dieses Recht gewähren müssen. Gleichzeitig sind alle sexuell aktiven Frauen in den Augen der Incel Huren. Incel sprechen sich für Gewalt an Frauen aus und rechtfertigen Vergewaltigung.

Punkt 5: Braincels und Inceltears
Incel-Gruppierungen zelebrieren ihren Hass auf das weibliche Geschlecht vornehmlich auf Reddit-Unterforen. Reddit hatte 2017 einen Kanal mit über 40'000 Mitgliedern geschlossen. Auf dem Unterforum /r/Braincels/ mit rund 17'000 Followern stösst man auf Aussagen wie «Frauen verdienen Brustkrebs», «Chads und Stacies tragen nichts zur Zivilisation bei, sie sind Tiere» oder «Frauen sollen uns in Ruhe lassen und sich ihre Löcher stopfen lassen, denn das ist die Aufrechnung davon, was sie als Menschen sind». Es gibt auf Reddit auch die Gruppierung r/Inceltears. Ihre Mitglieder machen sich über die Incel lustig.

Punkt 6: Amokläufer als Vorbild
Der Held der Incel-Bewegung ist Elliot Rodger. Er tötete 2014 sechs Menschen bei einem Amoklauf in Santa Barbara, Kalifornien. «Eines Tages werden die Incel ihre wahre Stärke und Anzahl begreifen und das bedrückende, feministische System stürzen. Stell dir eine Welt vor, in der FRAUEN DICH FÜRCHTEN», schrieb der 22-Jährige in einem 137 Seiten langen Manifest, das er «Meine verdrehte Welt» nannte. «Es ist nicht fair», schreibt er darin, «für euch Mädchen war ich nie attraktiv, und ich weiss nicht warum, aber ich werde euch alle dafür bestrafen.» Er könne «nicht jede einzelne Frau auf der Welt töten, aber ich werde eben die Mädchen angreifen, die alles vertreten, was ich am weiblichen Geschlecht hasse». Für die Incel, auch für den Attentäter von Toronto, war der 22-jährige Rodgers ein «supreme gentleman». Mit dem Amokfahrer von Toronto haben die Incel einen neuen Helden, den sie bereits feiern.

Punkt 7: Unter uns
Incel gibt es natürlich nicht nur in den USA oder in Kanada. «Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der eine Gruppe von Männern kooperiert und sich total vertraut. Jeder Mann bekommt eine Frau. Die Frauen werden gerecht verteilt. Es gibt Monogamie und Jungfrauenehe. Wenn ein Mann sexuelle Vielfalt will, geht er zu einer Prostituierten. Feministinnen würden in dieser Gesellschaft zu Prostituierten werden. Wenn ein Mann versucht, eine andere Frau zu verführen, wird er sofort getötet.» Diese Sätze stammen von einem 26-jährigen kroatischen Studenten. Er hatte 2014 mit dem «Spiegel» gesprochen.

(gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ManuB am 26.04.2018 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    Erstaunt

    Es erschreckt mich und zugleich bin ich erstaunt über derartige Gruppierungen. Ich habe vorher noch nie etwas über Incels gehört. Sind diese Leute denn wirklich so weit weg von der Realität oder haben die sonst irgend welche psychischen Probleme? Es kann doch fast nich sein, dass 10 tausende von scheinbar gebildeten und zivilisierten Menschen im Ernst so denken?! Das macht schon sehr nachdenklich...

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  • kriskuraa1198 am 26.04.2018 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur traurig...

    ...was es heutzutage alles für Spinner gibt. :-(

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  • Sicko am 26.04.2018 14:29 Report Diesen Beitrag melden

    Krank

    Kranke Welt...hab von den Incels schon vor Jahren in den USA gehört. M.E. hat dies viel mit Selbstverantwortung zu tun. Der Fakt, dass es Selbstverantwortung spätestens seit den Millenials nicht mehr gibt und für jegliches eigenes Versagen immer andere verantwortlich gemacht werden bringt dann solche kranken Ansichten hervor....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M. Müller am 26.04.2018 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kurz und knapp

    Ich finde eine 7-Punkte Beschreibung völlig übertrieben um einen frustrierten Typen mit einer lockeren Schraube dafür tonnenweise Selbstmitleid zu erklären.

  • frau am 26.04.2018 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlimm

    Sehr erschreckend und schlimm die Dislikes bei einigen Kommentaren die Recht haben. Diese Menschen suchen Probleme immer bei anderen..

  • M.G. am 26.04.2018 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erwartungshaltung

    Aber sorry was ist die Erwartungshaltung wenn man sich so aufführt? Ich lebe bei weitem nicht von meinem Aussehen. Das ist auch nicht wichtig! Ob Frau oder Mann! Aber Anstand und Respekt gehören zum Leben immer dazu. Ob privat oder im Geschäft. Leider ist Selbstreflektion nicht jedermanns Sache.

  • Sabine & Leo am 26.04.2018 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    Erbärmlich

    Seien wir mal ehrlich: Der Spinner zimmert sich eine logische Erklärung zusammen, mit der er sich angesichts der von ihm geplanten Tat entlasten kann. Und schuld sind bestimmt die andern.

  • Nicole am 26.04.2018 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Ohje die Männer

    ich halte nichts von den Schweizer Männern. Meine Favoriten kommen vom Balkan und vom Nahen Osten. Schweizer sind mir zu langweilig, wollen immer heiraten, sie klammern, sind todernst und immer auf Sicherheit aus. Ich steh auf die Trainerhosen und BMW-Boys, mit denen hab ich wenigstens meinen Spass und sie mit mir.