Nach dem Tornado

26. Mai 2011 22:16; Akt: 26.05.2011 22:16 Print

«Ganze Quartiere sind verschwunden»

Als der Tornado kam, suchten die Menschen in der US-Kleinstadt Joplin Zuflucht in ihren Kellern. Kaum liess der Wind nach, gingen sie auf die Strasse – und erkannten ihre Stadt nicht wieder.

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In Joplin im Staat Missouri richtete ein Tornado am Sonntag schwere Schäden an. Der Sturm soll laut dem lokalen Meteorologischen Dienst «eine Stärke von 8 oder 9» gehabt haben – auf einer Skala von 1 bis 10. Von etlichen Häusern wurden die Dächer weggeblasen, ganze Bäume wurden aus der Erde gerissen. Bislang meldeten die Behörden mindestens 89 Tote.

Der Sturm soll nach Angaben der Bewohner «direkt auf die Stadt» zugekommen sein. Nur so lässt sich der gewaltige Schaden erklären, den er innert kurzer Zeit angerichtet hat. «Wir waren gewarnt», erzählte Jerry Williams gegenüber der «The Springfield News-Leader». «Als ich den Wind näher kommen hörte, brachte ich meine Frau in den Luftschutzkeller.» Die Williams kamen erst wieder heraus, als alles vorbei war. In ihrem Garten fehlte eine ganze Laube und am Haus Teile des Daches. Mehrere Fenster waren zerborsten.

«Wie Armageddon»

«Es war schrecklich», sagt Williams weiter, «ganze Quartiere sind einfach plattgemacht worden, einfach verschwunden.» Auch Nachbar Donald Davis lief nach dem Sturm durch Joplin, um sich ein Bild der Zerstörung zu machen: «Die Kirche ist komplett zerstört. Das Schulhaus hat kein Dach und fast keine Fenster mehr.» Eine Gegend mit einfachen Neubauten sei ganz weg, erzählt er weiter. «Ich sah nur ein paar Leute in Bademänteln herumstehen.»

Der 53-jährige Greg Holt wollte zunächst nicht glauben, was die Meteorologen in den Nachrichten sagten. Als der Sturm begann und der Strom ausfiel, ging er auf die Strasse. Ganze Bäume und Metallteile flogen durch die Gegend. Er ging zurück ins Haus, holte ein paar Kissen, legte sich auf den Boden und begann zu beten, sagte er später den Medien. «Es ist die totale Verwüstung.» Er hoffe, es werde nicht noch schlimmer, denn «es riecht stark nach Gas in der Luft».

Sein 23-jähriger Schwiegersohn kann auch kaum fassen, dass die Stadt, in der er sein ganzes Leben gewohnt hat, jetzt so aussieht: «Als ich hinausging, wusste ich gar nicht, wo ich war. Alles ist unkenntlich. Total unkenntlich. Es ist wie Armageddon.»

(kle)