Jan O.

25. November 2010 11:48; Akt: 25.11.2010 12:06 Print

«Gestern Mädchen geschlachtet»

Die Polizei hatte bei der Ermittlung des Doppelmörders von Bodenfelde ein leichtes Spiel: Der Täter hatte im Internet mit dem Mord an der 14-jährigen Nina geprahlt.

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Mehr als ein halbes Jahr nach dem Mord an zwei Jugendlichen im niedersächsischen Bodenfelde hat das Landgericht Göttingen den Täter zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der 26-jährige Jan O. soll in die Psychiatrie eingewiesen werden, wie Richter Ralf Günther am Montag sagte. Anschliessend solle er zudem in Sicherungsverwahrung. Am 27. November 2010 wurde der 13-jährige Tobias beigesetzt: Hunderte Menschen begleiteten den getöteten Jungen auf seinem letzten Weg, darunter viele seiner Klassenkameraden aus der 8c und Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Bodenfelde. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Polizei Jan O. schon vor seinen Taten verhaften wollte, aber keinen Sicherungshaftbefehl erwirken konnte. Der 26-Jährige war am 4. November wegen fahrlässiger Brandstiftung vorläufig festgenommen worden. Ein Tag vorher war die 14-jährige Nina auf dem Friedhof von Bodenfelde beerdigt worden. Rund 400 Menschen, darunter auch Mitschüler von Nina, kamen zur Beisetzung. Zuvor hatten sie eine Menschenkette zwischen der Kirche in Bodenfelde und dem Friedhof gebildet. Der 26-jährige Jan O. soll binnen einer Woche die 14-jährige Schülerin Nina und den 13-jährigen Tobias durch Würgen und Messerstiche ermordet haben. Der Mann hat nach Aussage eines Ermittlers das «Potenzial zum Serienmöder». Seine letzte Wohnung liegt in einem schmucklosen, etwas verwahrlosten Mehrfamilienhaus am Rande von Uslar. Einer der Briefkästen ist tief eingedrückt: «Jan wenn Du nicht rauskommst...», ist mit Filzstift daraufgekritzelt. Die Wohnungstür von Jan O. ist mit einem amtlichen Siegel der Kriminalpolizei Northeim verschlossen. Die Nachbarn beschreiben O. als «einen ruhigen Jungen, bei dem man nie an Gewalttätigkeit gedacht hat». Einen Beruf hat Jan O. offenbar nie gelernt. Nach seiner Schulzeit war er immer wieder arbeitslos. Im Oktober 2007 wurde er vom Landgericht Lüneburg zu zwei Jahren und neun Monaten Haft wegen zahlreicher schwerer Diebstähle verurteilt. Der Vater von Jan O. reagiert erschüttert auf die mutmassliche Täterschaft seines Sohnes. Er habe in der Vergangenheit alles versucht, sei aber mit seinem Sohn «nicht fertig geworden». Die Staatsanwaltschaft Göttingen hatte am späten Abend des 23. November den Haftbefehl gegen den 26-Jährigen beantragt, weil sich belastende Beweise gegen den Festgenommenen ergeben hatten. Fast zur gleichen Zeit fand in Bodenfelde ein Trauergottesdienst für die 14-jährige Nina und den 13-jährigen Tobias statt. Die Bilder von Nina und Tobias, auf denen beide sehr kindlich wirken, stehen auf dem abgedeckten Taufbecken der Kirche. Einige Trauergäste stellten Kerzen vor die Bilder. Inzwischen wird bekannt, dass der mutmassliche Täter aus der Region stammt und arbeitslos ist. Jan O. wurde am Morgen des 23. November in der Nähe des Bahnhofs Bodenfelde festgenommen. Laut Medienberichten soll der Tatverdächtige zuletzt in einer Drogeneinrichtung untergebracht gewesen sein. Besonders brisant: Die 14-jährige Nina soll zuletzt bei dem mutmasslichen Täter gewohnt haben. Medien hatten berichtet, dass der Tatverdächtige sich an der Hand verletzt habe. Die Polizei klärt die Alibis des Verdächtigen. Es müssten be- und entlastende Momente mit Blick auf den Tatverdächtigen gefunden werden, sagte der Sprecher. In der norddeutschen Stadt waren am 21. November die Leichen zweier Jugendlicher gefunden worden: Bei den Toten handelt es sich um Tobias L., einen 13 Jahre alten Jungen, und Nina B., ein Mädchen im Alter von 14 Jahren. Erste Obduktionsergebnisse ergaben, dass es sich bei der Tat nicht um ein Sexualdelikt handelt. Beide Kinder wurden durch «Erwürgen und Erstechen» umgebracht. Indizien hatten zunächst auf ein Sexualdelikt hingedeutet. Unter anderem waren die Leichen der Jugendlichen nicht vollständig bekleidet gewesen. Nina B. war schon seit dem 15. November 2010 verschwunden. Sie hatte ihr Elternhaus nach einem Streit mit ihrer Mutter verlassen, am Tag darauf wurde sie als vermisst gemeldet. Das Mädchen war demnach im Lauf der Woche mehrfach von Zeugen «wohlbehalten» in Bodenfelde gesehen worden, zuletzt am Nachmittag vor dem Leichenfund. Nina sei nur leicht bekleidet gewesen und habe kein Bargeld bei sich gehabt, sie müsse also «irgendwo übernachtet haben», vermuten die Ermittler. Die 14-Jährige war in der Vergangenheit bereits mehrfach von zu Hause ausgerissen, kehrte aber meist noch am selben Tag zurück. Tobias L. war am 20. November nicht nach Hause gekommen. In der Nacht zum Sonntag wurde er als vermisst gemeldet. Er wurde zuletzt am Abend vor dem Leichefund von Zeugen gesehen, als er einen Freund auf Inlineskates zum Bahnhof in Bodenfelde brachte. Danach verlor sich seine Spur. Seine Leiche wurde von seiner Mutter am Mühlengraben in einem etwas abgelegenen Waldstück gefunden, wenige Meter davon entfernt wurde dann auch Ninas Leiche entdeckt. Einen Medienbericht, wonach die 14 Jahre alte Nina erstochen und der 13-jährige Tobias erschlagen wurde, wollte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht bestätigen. Ermittler waren sofort nach dem Fund der Leichen dabei, Spuren zu sichern. Die Polizei richtete unverzüglich eine 23-köpfige Mordkommission ein. Beide Jugendliche besuchten die Heinrich-Roth-Gesamtschule in Bodenfelde, standen nach bisherigen Ermittlungen aber in keiner Verbindung. Vor der Heinrich-Roth-Gesamtschule, die die beiden Opfer besuchten und an der rund 500 Schüler lernen, standen am Morgen nach dem Leichenfund Polizeibeamte und ein Streifenwagen.

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Es sind Worte des Grauens: «Gestern Mädchen geschlachtet. Jeden Tag eins bis mich erwischen.» Diese Worte soll der mittlerweile in Untersuchungshaft sitzende Jan O. laut der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» auf einer Webseite hinterlassen haben. Es bestand ein direkter Bezug zur ersten Tat in Bodenfelde, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag auf dapd-Anfrage. Da es sich dabei um ein Beweismittel handle, habe die Polizei die Seite sofort sperren lassen. In anderen Seiten auf sozialen Netzwerken, welche inzwischen auch gesperrt wurden, suchte der 26-Jährige gezielt den Kontakt mit jungen Mädchen.

Für die Polizei war die Internetsuche ein leichtes Spiel: Ein Mädchen hatte die Ermittler darüber informiert, dass ein Verdächtiger sie auf einem Parkplatz angesprochen und ihr auf Aufforderung seine Handynummer gegeben habe. Danach ging alles ganz schnell: Mit dem Namen des 26-jährigen Jan O. fanden die Polizisten den Internet-Eintrag. Dies reichte dann, um ihn festzunehmen.

Ermittlungen finden im Internet statt

Zu den Mordopfern, der 14-jährigen Nina und dem 13-jährigen Tobias aus Bodenfelde, hatte der Arbeitslose aus Uslar nach Polizeiangaben zuvor offenbar keine Verbindung gehabt. Im Internet hat er jedoch versucht, Kontakte mit jungen Mädchen zu knüpfen. In Einträgen auf seiner Seite fragt er, ob Mädchen zwischen 10 und 16 Jahren Interesse haben, «zu chatten und vielleicht mehr». Ausserdem fragte er bereits am 15. Juni 2009: «Welches girly will mehr als nur quwatschen». Ob auf diesem Weg Beziehungen zustande kamen und ob er vielleicht sogar mehr Mordopfer auf dem Gewissen hat, ist noch nicht geklärt.

In dem Gästebuch auf den Seiten befanden sich kurz nach Os. Festnahme Kommentare, in denen er als «scheiss Kindermörder» oder «Bastard» beschimpft wird. Die Polizei prüft derzeit, ob Jan O. möglicherweise auch für andere Taten in der Region verantwortlich ist. Die Staatsanwaltschaft lässt zudem klären, ob der Mann aus Uslar psychisch krank ist. Er soll die beiden Jugendlichen auf brutale Weise getötet haben. Polizei und Staatsanwaltschaft warten derzeit auf ein Geständnis des Beschuldigten, das vermutlich am Freitag erfolgen wird.

(ap)