Miese Anti-Wahlwerbung

16. Juni 2011 16:32; Akt: 16.06.2011 16:57 Print

«Gib mir dein Geld, N***e!»

von Manuel Jakob - Stärker kann man Vorurteile kaum strapazieren: Das Video der Organisation «Turn Right USA» verunglimpft eine Kandidatin für den Kongress in Kalifornien – auf äusserst inkorrekte Weise.

Das Video wird in vielen amerikanischen Medien als NSFW (not safe for work - eine typische Warnung vor Inhalten mit sexuellem Charakter) deklariert.
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Es ist üble, wenn nicht sogar übelste Nachrede: Mit Klischees und Vorurteilen der schlimmsten Sorte spielt ein politisches Werbevideo in den USA, welches zum Ziel hat, die Demokratin Janice Hahn zu diskreditieren. Diese tritt bei den ausserplanmässigen Wahlen um einen freien Sitz im Kongress Kaliforniens gegen einen Vertreter der konservativen Tea Party an. Die 59-jährige Hahn sitzt im Stadtrat von Los Angeles.

Im Video (siehe oben) wird die Demokratin als Stripperin verunglimpft, die - gesichtslos und leicht bekleidet - für zwei schwarze Gangster-Typen tanzt. Auch die beiden Dunkelhäutigen entsprechen jedem nur denkbaren Klischee aufs Genaueste. Die beiden Jungs singen in einem schlechten HipHop-Song «Gib mir dein Geld, N***e!», während die Stripperin mit dem Allerwertesten wackelt. In ihren Hotpants stecken jede Menge Dollarnoten.

«Damit sie wieder vergewaltigen und töten»

Untermalt ist der Beginn des Films mit einem Kommentar, der festhält, Hahn sei dafür verantwortlich, dass «Hardcore-Gang-Mitglieder» als «Gang-Interventions-Spezialisten» angestellt worden seien - bezahlt selbstredend mit den Steuergeldern der ehrlich und hart arbeitenden Bevölkerung. Sie habe diesen sogar geholfen, aus dem Gefängnis zu kommen, «damit sie wieder vergewaltigen und töten können.» Das Video schliesst mit der Erkenntnis, dass im Kongress schon genügend Gangster sitzen würden. Es endet mit dem Slogan «Janice Hahn - schlecht für Los Angeles, schlecht für Amerika. Helft uns sie vom Kongress fernzuhalten, ‹Homies›» - und das im Stil eines miesen Horrorstreifens. Ein Spendenaufruf für die Organisation «Turn Right USA» setzt dem Hetzstreifen die Krone auf.

Das Low-Budget-Filmchen hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Von Seiten der Wahlkampagnenleitung Hahns schlägt dem Film massive Ablehnung entgegen. Er sei «unglaublich beleidigend und sexistisch gegenüber allen Frauen». Der Produzent des umstrittenen Films, Ladd Ehlinger Jr., hat sich als Provokateur in der Branche bereits einen Namen gemacht. Unter anderem zeichnet er verantwortlich für ein Video eines Kandidaten um einen Sitz im Parlament von Alabama, der sich Flinte-schwingend und in bäuerischem Milieu dem Wähler vorstellt. Und auch diesmal bleibt Ehlinger ganz in seiner Rolle behaftet: Er weigert sich standhaft, sich für das Video zu entschuldigen, wie das Onlineportal Salon.com berichtet. «Wir haben uns dazu entschieden, mit einer provokativen und schockierenden Werbung die Kampagne zu eröffnen, die viele Leute stinksauer machen wird», sagte Ehlinger zu dem Portal und bestätigte, dass er den Film im Auftrag der rechtskonservativen Gruppierung «Turn Right USA» gedreht habe.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Brumm B am 16.06.2011 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Willkommen...

    ... im Land der unbegrenzten Möglichkeiten oder anders gesagt im grössten Spielfilm aller Zeiten! :-))

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  • thaifee am 17.06.2011 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst sich selber kritisch begutachten

    krass die Kritik an Amerika bei diesen Kommentare.. und doch übernehmen wir sooo viel von Ihnen.. das spricht nicht gerade für uns!

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  • Elpwno am 16.06.2011 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich wie Blöd die sind.

    Es ist schon fast erschreckend, wie Dumm der grössteil der Amerikaner ist. Und das als Weltmacht, deren politischen Entscheide auch mich betreffen. Aber was soll man von einem Land mit dermassen tiefreligiösen und nationalistischen Menschen und einem 2-Parteien-System schon gross erwarten?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rainer W. am 17.06.2011 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    Halb so wild

    Das Video ist fast schon unfreiwillig komisch, aber schlimm finde ich es nicht. Das ist freie Meinungsäusserung und in der Politik machen sich doch alle gegenseitig fertig.

  • Philip D. am 17.06.2011 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    kein Grund fuer Ueberheblichkeit

    Unglaublich wie arrogant sich unzählige Schweizer ueber die USA äussern. Dieser ganze von deutschen und französischen Medien propagierte Anti-USA Hype hängt mir langsam echt zum Hals raus. Spätestens wenn wir alle merken, dass wir genau den gleichen Kurs eingeschlagen haben wie die USA, nur etwas später, kommen alle von ihrem hohen (und lächerlichen) Euro-Ross herunter!

  • thaifee am 17.06.2011 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst sich selber kritisch begutachten

    krass die Kritik an Amerika bei diesen Kommentare.. und doch übernehmen wir sooo viel von Ihnen.. das spricht nicht gerade für uns!

    • Kenn am 17.06.2011 16:08 Report Diesen Beitrag melden

      best!

      genau. und die schweiz mit usa vergleichen einfach lachhaft. die usa bringt der menschheit schon extrem viel (nasa, apple, google, microsoft, 2.weltkrieg etc.etc.)

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  • Timo am 16.06.2011 23:31 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist Wahlkampf

    Ich sehe das Problem nicht. Die Amerikaner legen grossen Wert auf Meinungsfreiheit und diese hört bei tiefem Niveau nicht auf. Das ist Wahlkampf und ich finde das in Ordnung. Wahrscheinlich wird sich diese Gruppierung damit sowieso selbst ins Abseits stellen, da so ein Video kaum jemand erst nehmen, geschweige denn seine Stimme davon abhängig machen wird. Diffamierungen der Gegenseite z.B. gegen Sarah Palin sind übrigens keinen Deut besser. Aber das finden einige dann wieder ok.

  • nurmalso am 16.06.2011 20:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wie immer zwei Messlatten

    Es gab unzählige Schmähvideos gegen George W. Bush, die dieses Filmchen an Primitivität bei weitem übertrafen, ebenso über den republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain. Niemand hier hätte sich aufgeregt, schadenfrohes Grinsen überall. Sarah Palin wurde sogar mitten im Wahlkampf mit einem Porno entwürdigt, die Empörung war im besten Fall halbherzig. Doch wenn es mal eine von "den Guten" trifft...

    • Jaques Balmer am 16.06.2011 23:39 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht ganz.

      Die Frage ist nur, wer die Filme finanziert! Dieses Kriterium fehlt in ihrer Überlegung. Der Porno wurde wohl kaum von den Demokraten gedreht, um Sarah Palin zu entwürdigen.

    • deinHELD am 17.06.2011 09:00 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht mal annähernd

      Ich würde auch meinen McCain, Palin und Schorsch W. haben sich relativ selbstständig ins politische Aus manövriert ohne Beihilfe von 20Min. So viel ich mich erinnere sind die erwähnten Schmähvideos, vor allem zur Erhaltung der z.T. sehr bizarren, aber verdammt unterhaltsamen Wahlkampfreden der einzelnen Protagonisten entstanden. Ich erinnere mich nur an Palins Bikini-Shotgun-Föteli.

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