New York und Ebola

14. Oktober 2014 09:03; Akt: 14.10.2014 09:03 Print

«Gott bewahre, jemand kommt aus Afrika»

von Martin Suter, New York - Die sonst ungerührten New Yorker machen sich Sorgen wegen Ebola. In einer Umfrage sagt nur einer, alles sei Panikmache. Die meisten befürchten Schlimmes.

New Yorker sind besorgt, aber sie geraten nicht in Panik. Eine Strassenumfrage von 20 Minuten am Union Square in Manhattan.
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Die Horrormeldungen aus Westafrika und die neue Ebola-Infektion im Spital von Dallas wühlen die Amerikaner auf. Selbst die hartgesottenen New Yorker, die sonst kaum aus der Ruhe zu bringen sind, legen beim Thema Ebola ihre Stirn in Falten. Eine Strassenumfrage von 20 Minuten am Montag auf dem Union Square in Manhattan ergab zwar keine Panik, aber echte Besorgnis.

«Ich mache mir extrem Sorgen», sagt ein junger Vater, der seine zweijährige Tochter im Arm hält. In den Nachrichten hat er verfolgt, wie schwierig die Ebola-Seuche in Liberia, Sierra Leone und Guinea einzudämmen ist. Die Vorstellung, dass die Epidemie in die USA vordringen könnte, ist ihm unheimlich. Ein anderer Mann stellt sich vor, dass er in der Subway fährt und neben ihm ein Ebola-Infizierter sitzt. «Ich könnte nichts davon wissen», sagt er, offensichtlich beunruhigt.

Kein Vertrauen in Gesundheitsexperten

Eine Krankenschwester erklärt kenntnisreich, wie schwierig das Ebola-Virus einzudämmen sei. Sie gibt den Behörden und ihrer Informationspolitik gute Noten: «Ich wüsste nicht, wie man die Leute anders informieren könnte als über die Medien.» Mehrere Befragte liessen jedoch durchblicken, dass die Gesundheitsexperten ihnen kein Vertrauen einflössen. «Es ist alles Angstmache», sagt ein Rothaariger mit Vollbart.

Die Mehrheit der Befragten spricht sich nicht dafür aus, dass Direktflüge von den drei betroffenen Staaten Westafrikas in die USA unterbunden werden sollen. «Das ist nicht nötig», glaubt eine junge Frau. Andere finden, das Recht auf Reisen sei vorrangiger als der Schutz vor der Krankheit.

Keine Panik, aber ...

Insgesamt machen sich New Yorker also Sorgen wegen Ebola, doch sie denken nicht daran, in Panik zu geraten. Sollten noch einige zusätzliche Krankheitsfälle bekannt werden, könnte sich das ändern.