Schweizerin im Kongo

12. Dezember 2018 12:05; Akt: 12.12.2018 12:05 Print

«Hier wütet die tödlichste Form von Ebola»

von Zora Schaad - Die Schweizer Apothekerin Carole Zen Ruffinen kämpft im Kongo gegen die Seuche. Es ist der zweitschwerste Ebola-Ausbruch der Geschichte.

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Frau Zen Ruffinen, seit August arbeiten Sie als Einsatzleiterin in der kongolesischen Stadt Butembo für Médecins sans Frontières ein Projekt gegen die Ebola-Epidemie. Haben Sie keine Angst vor einer Ansteckung?
Angst um mich habe ich eigentlich nicht. Aber ich habe mir dennoch gut überlegt, ob ich den Einsatz machen will. Wenn ich zurückkomme, stehen die Weihnachtsfeiern mit meiner Familie vor der Tür und ich will niemanden gefährden. Wie alle in meinem Team messe ich zweimal täglich Fieber, halte zwei Meter Abstand von anderen Menschen und beachte andere strikte Hygienemassnahmen.

Welche Elemente umfasst Ihr Projekt
Wir klären die Bevölkerung über das Virus auf und impfen Menschen, die im Gesundheitsbereich arbeiten oder mit Infizierten und deren Angehörigen in Kontakt gekommen sind. Wir arbeiten mit dem Gesundheitsministerium zusammen und
schulen lokale Ärzte sowie medizinisches Personal. Daneben betreiben wir ein Behandlungszentrum.

Es gibt eine Impfung?
Offiziell ist der Impfstoff noch nicht zugelassen, aber angesichts dieser Epidemie erhielten wir von der WHO eine Härtefallbewilligung. Die Impfung ist ein wichtiger Pfeiler für die Bekämpfung von Ebola. Rund 1500 Personen
aus dem Gesundheitsbereich konnten wir bis anhin präventiv impfen.

Wie ist die Situation im Behandlungszentrum?
Bei uns wütet die tödlichste Form des Virus. Schon wenige Wochen nach der Eröffnung des Zentrums mussten wir ausbauen. Aktuell haben wir 64 Betten und erreichen bald wieder die Kapazitätsgrenze. Seit der Eröffnung des
Zentrums hatten wir 68 positiv Getestete. Davon sind 31 gestorben, 19 haben überlebt, 18 sind noch in Behandlung.

Das Virus ist nicht heilbar ...
Das stimmt. Ausserdem verursacht das Virus unspezifische Symptome wie Fieber und Kopfschmerzen, ist aufwendig zu testen und wird deshalb häufig zu spät festgestellt. Dazu kommt, dass die Sicherheitslage in der Provinz Nordkivu prekär ist, weil mehrere bewaffnete Gruppen in der Region aktiv sind.

Wovor haben die Leute Angst?
Sie sind schlecht informiert über die Krankheit und die Übertragungswege. Das Virus ist hoch ansteckend und befindet sich in sämtlichen Körperflüssigkeiten von Infizierten. Unser Personal arbeitet in Schutzanzügen, die aussehen wie Astronautenkleidung, auch das kann unheimlich wirken (siehe Video unten). Wenn sich jemand ansteckt, muss er von seiner Familie getrennt werden. Das sind mitunter dramatische Szenen.

Sind auch Kinder unter Ihren Patienten?
Ja, unter anderem ein zehn Monate altes Baby. Diese Kinder dürfen nicht bei ihren Eltern sein und haben auch wenig Kontakt zum Gesundheitspersonal. Wegen der Hitze können Ärzte und Pflegende nicht mehr als eine Stunde in ihrem Schutzanzug arbeiten. Umso wichtiger ist der Beitrag, den die Überlebenden leisten.

Erzählen Sie!
Wer Ebola überlebt, ist gegen das Virus immun. Viele ehemalige Erkrankte arbeiten heute in unserem Spital oder engagieren sich in der Prävention. Nicht jeder, der sich ansteckt, ist dem Tod geweiht. Wenn dieses Wissen Schule macht, hilft das auch gegen die Stigmatisierung der Krankheit.

Was war für Sie das Schlimmste, seit Sie hier sind?
Einmal mussten wir in ein Waisenhaus, wo ein Baby an Ebola gestorben war. Zwei andere Kleinkinder zeigten Symptome und wir befürchteten, dass sich alle rund 30 Kinder angesteckt hatten. Glücklicherweise bestätigte sich unser Verdacht nicht. Aber dieses Gefühl der Ohnmacht vergesse ich nie.


(Quelle: MSF)