Cadiz, Spanien

07. März 2019 21:43; Akt: 07.03.2019 21:43 Print

Polizei befreit Senioren aus «Horrorhaus»

Die spanische Polizei hat ein Paar gefasst, das ältere Menschen ausraubte. Aufgeflogen sind die beiden, weil eine 101-Jährige den entscheidenden Hinweis gab.

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Die spanische Polizei hat in Andalusien einen deutschen Senior und eine alte Frau aus den Niederlanden aus einem als «Horrorhaus» beschriebenen Gebäude befreit, wo beide offenbar von einem deutsch-kubanischen Paar festgehalten wurden.

Die Senioren seien offenbar Opfer des Paares gewesen, das sich mit älteren Menschen anfreundete, um sie auszurauben, teilte die Guardia Civil am Donnerstag mit. Dabei sollen die beiden über einen Zeitraum von vier Jahren mehr als 1,8 Millionen Euro erbeutet und möglicherweise einige ihrer Opfer umgebracht haben.

Der jetzt befreite deutsche Rentner und die Niederländerin befanden sich laut Polizei in einem «fürchterlichen Zustand». Die beiden alten Leute seien in zwei verschiedenen Räumen des Hauses in Cádiz eingesperrt gewesen. Sie hätten unter Medikamenteinfluss gestanden und seien per Magensonde ernährt worden, obwohl dies nicht notwendig gewesen sei.

Opfer nach Cadiz umgesiedelt und eingesperrt

Auf das «Horrorhaus» stiessen die spanischen Ermittler nach einem Hinweis der deutschen Polizei, wonach die 101-jährige wohlhabende Deutsche Maria Babes vermisst wurde. Die Guardia Civil fand die Seniorin vor einigen Wochen in einem Pflegeheim, in das sie in einem schlechten Gesundheitszustand eingeliefert worden war.

Die alte Frau berichtete der Polizei, das deutsch-kubanische Paar habe an ihrem Wohnort auf der Kanaren-Insel Teneriffa ihr Vertrauen gewonnen und sie überredet, nach Cádiz umzusiedeln. Dort sei sie dann monatelang in Handschellen in einem gemieteten Haus eingesperrt gewesen.

Kontostand sank von 162'000 auf 300 Euro

In einer Erklärung der Guardia Civil hiess es, die 101-Jährige habe noch im vergangenen Oktober mehr als 162'000 Euro auf der Bank gehabt. Nachdem sie das Paar kennengelernt habe, sei der Betrag auf ihrem Konto bis Mitte Dezember auf weniger als 300 Euro zusammengeschmolzen und ihr Haus auf Teneriffa verkauft worden, ohne dass sie einen Euro dafür erhalten habe.

Bei den Ermittlungen der «Operation Teydea» stellte sich zudem heraus, dass das Betrügerpaar mit der Niederländerin, die jetzt befreit wurde, bei einem Notar gewesen sein. Sie stellten die Frau als Maria Babes vor, die zu jenem Zeitpunkt schwer krank im Spital lag. Vor dem Notar liessen sie sich als Erben im Testament von Babes eintragen.

Opfer eingeäschert, Asche liegengelassen

Kurz bevor die Polizei das Paar festnehmen konnte, traf dieses in dem Pflegeheim ein und nahm Maria Babes mit. Fünf Stunden später starb sie im Fahrzeug der beiden. Das Paar bestand auf einer schnellen Einäscherung, sodass keine Autopsie vorgenommen wurde. Babes' Asche wollten sie nicht mitnehmen, wie «El Mundo» berichtet.

Jetzt nahm die Guardia Civil das deutsch-kubanische Paar fest. Bei der Durchsuchung eines von dem Paar angemieteten Hauses entdeckte sie die eingesperrten Senioren aus Deutschland und den Niederlanden. Der Polizei zufolge hatte das Paar sich in der Vergangenheit um vier weitere Menschen «gekümmert». Alle vier seien nach ersten Erkenntnissen «unerwartet gestorben», nachdem das Paar ihr Vermögen an sich gebracht habe.

Im Haus fanden die Beamten zudem Flugtickets nach Kuba und die Bestätigung einer Buchung im Hotel Meliá Varadero. Sie planten offenbar, die beiden alten Menschen im Haus zurückzulassen.

(kle/afp)