Hinrichtung von Stephen Moody

16. September 2009 13:03; Akt: 16.09.2009 14:42 Print

«Ich bin bereit zu sterben»

«Ich akzeptiere die Konsequenzen meiner Tat», sagte der 52-jährige Stephen Moody kürzlich in einem Interview aus der Todeszelle. Heute Mittwoch soll er mit der Giftspritze hingerichtet werden.

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Der 52-jährige Steven Moody sitzt seit 18 Jahren im Todestrakt im texanischen Livingston. Am 16. September 2009 ist seine Hinrichtung durch die Giftspritze angesetzt. Moody soll einen Drogendealer erschossen haben - ausser zwei Zeugenaussagen gab es jedoch keine Beweise. Seit zehn Jahren führt die Schweizerin Ursula Corbin eine Brieffreundschaft mit dem Todeskandidaten. «Wir schreiben uns über alle Themen, es gibt nichts, wörüber wir nicht sprechen», erzählt Corbin im Dokumentarfilm «Schreiben gegen den Tod» von Filmemacher Rolf Lyssy. «Ich fragte ihn, ob es ihm nicht weh tue, dass ich über mein Leben in Freiheit schreibe.» «Er sagte nein, du bist meine Augen und meine Ohren», so Corbin weiter im Film. Die Schweizerin reist regelmässing nach Texas, um Moody zu besuchen. Das letzte Mal hatte sie Moody im Juli besucht. Es ist nicht das erste Mal, dass einer ihrer Brieffreunde hingerichtet wird. Der Friedhof der Hingerichteten liegt gerade hinter dem Gefängnis. Dort werden alle «unclaimed bodies», also Körper, die niemand will, begraben. Für jeden Todeskandidaten in der Anstalt Polunsky «ist es ein Gräuel, sich vorzustellen, dass sie auf diesen Friedhof kommen», erzählt Corbin. Die Schweizerin besucht auch oft Moodys Mutter. Diese beschreibt ihn als einen «guten Jungen», ... ... der sie nie geschlagen habe. Kurz vor der Hinrichtung, findet sich Moody «mit seinem Schicksal ab», so Regisseur Lyssy. Moody habe aufgegeben und wolle nur noch in Frieden sterben.

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«Ich bin alleine verantwortlich, dass ich hier drinnen sitze», sagte Moody im Interview. Der Mann, der 1991 wegen Mordes am 28-jährigen Joseph Hall von einem Gericht im US-Bundesstaat Texas zum Tode verurteilt wurde, wird am Abend des 16. September durch die Giftspritze sterben. Moody hatte während seinem Prozess geltend gemacht, Hall sei ein Drogendealer gewesen, der sein «Geschäft vor meiner Haustüre» führte.

Eine Brieffreundschaft und Gedichte aus der Todeszelle

Moody ist der 17. Todeskandidat, der im laufenden Jahr zur Hinrichtung angesetzt wurde. Das sei sein Wunsch gewesen, sagte er im Interview mit der Nachrichtenagentur AP: «Ich will keine lebenslange Haftstrafe ohne Möglichkeit auf Begnadigung. Dann bin ich lieber tot.» Sein Anwalt Philip Hilder legte daraufhin keine Berufung gegen seine Hinrichtung mehr ein. «Wenn das sein Wunsch ist, muss er respektiert werden».

In einem am 29. Juni 2009 veröffentlichten Brief verabschiedet sich Moody und bedankt sich bei «all den Menschen in Europa und in der ganzen Welt (...), die den Kampf gegen die Todesstrafe unterstützen». In diesen Dank miteingeschlossen hat Moody bestimmt auch die Schweizerin Ursula Corbin, die seit zehn Jahren eine Brieffreundschaft mit Moody führt (20 Minuten Online berichtete).

Corbin hatte in einem Film des Schweizer Filmemachers Rolf Lyssy bereits vor einiger Zeit auf den Fall Moody aufmerksam gemacht. Die Schweizerin, die die Militärdiktatur in Argentinien erlebt und Freunde unter den 30 000 Verschwundenen hatte, gründete vor Jahren eine Organisation, die Menschen mit Todeskandidaten in Verbindung setzt. Sie selber begann Stephen Moody zu schreiben.

Inzwischen besuchte Corbin ihren Brieffreund und auch seine Mutter mehrmals. Moody verarbeite viel, von dem was es durchmache, verrät Corbin. «Wir reden über den Tod, über die Hinrichtung, über das Leben nach dem Tod». Moody bat sie, ihm alles zu erzählen, was sie erlebt habe, «denn du bist meine Augen, meine Ohren.»

(kle)