Erdbeben in Japan

11. März 2011 12:53; Akt: 11.03.2011 13:34 Print

«Ich floh im Pyjama nach draussen»

Tomoe Kashiwa sass in ihrer Wohnung im zweiten Stock, als das stärkste je gemessene Beben in Japan begann. Gegenüber 20 Minuten Online schildert sie ihre Erlebnisse.

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Tomoe Kashiwa war in ihrer Wohnung, als Japan von einem Erdbeben der Stärke 8.9 überrollt wurde. (Bild: zvg)

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«Es war 14.50 Uhr als es anfing zu Schütteln. Am Anfang nahm ich es nicht ernst. Das passiert hier öfter und ich kenne das schon. Als es aber immer heftiger bebte, wurde mir klar, dass dies nicht mehr normal ist. Ich hatte grosse Angst und rannte einfach nach draussen. Ich nahm gar nichts mit, nicht einmal meinen Schlüssel. Ich floh einfach, dabei war ich noch im Pyjama. Der Weg nach draussen war schwierig. Im Treppenhaus schüttelte es so stark, dass ich mich am Geländer festhalten musste, um nicht zu stürzen.

Draussen wankten die Telefonmasten hin und her und ich hatte Angst, einer würde auf mich fallen. Rund um meinen Block wohnen nicht so viele Leute. Alle waren draussen und blickten verwirrt umher. Wir wussten nicht, was wir tun sollten. Also warteten wir einfach, bis das Beben aufhörte. Ich hatte grosse Angst, ich lebe allein in meiner Wohnung und wusste nicht so recht, was ich tun sollte.

Einige Minuten nach dem Beben beschloss ich, wieder zurück in meine Wohnung zu gehen. Dort lag alles am Boden, CDs, Bücher, Kosmetikartikel - ein riesiges Durcheinander. Meine erste Reaktion war, den Fernseher anzustellen. In den Nachrichten wurde bereits über das Erdbeben berichtet. Dann fing es wieder an zu schütteln, sehr stark. Beim zweiten Mal war ich besser vorbereitet. Ich nahm meine Schlüssel und mein Handy mit und rannte wieder raus.

Danach versuchte ich meine Eltern im Norden anzurufen, aber die Telefone waren tot. Facebook funktionierte aber und ich nahm sofort mit meinen Freunden Kontakt auf. Meine Eltern konnte ich erst zwei Stunden später erreichen. Sie wohnen im Norden in der Gegend von Ibaraki, die besonders schwer betroffen ist. Teile ihres Hauses sind zusammengefallen, aber sie können noch darin wohnen. Meine Eltern sind beide Lehrer. Sie waren in der Schule, als das Erdbeben anfing.

Hier in Tokio hat es seither immer wieder Nachbeben gegeben, aber die waren nicht mehr so schlimm.

Für die Leute, die bei der Arbeit sind, ist es besonders schwer. Keine Züge fahren mehr und viele Angestellte müssen im Büro übernachten, weil sie nicht nach Hause kommen. Andere laufen zu Fuss nach Hause.»

(Tomoe Kashiwa arbeitet für Swiss Airlines und wohnt in Tokio. Ihre Erlebnisse beschrieb sie 20 Minuten Online per E-Mail. Telefone funktionieren noch nicht in Tokyo)

(ann)