Penns Treffen mit El Chapo

11. Januar 2016 18:24; Akt: 11.01.2016 19:16 Print

«Ich furzte und er tat so, als hätte er nichts gehört»

Hollywoodstar Sean Penn schreibt im «Rolling Stone»-Magazin über sein Interview mit dem meistgesuchten Mann der Welt. Der ellenlange Artikel enthält einige bizarre Details.

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Als der Mexikaner im Oktober 2015 den Schauspieler Sean Penn traf, trug er ein gemustertes Hemd des Modelaberls Barabas. Seit dem 13. Januar 2016 ist das Teil ein Verkaufshit. Oscarpreisträger Penn veröffentlichte am 9. Januar seinen Artikel für die Zeitschrift «Rolling Stone» über die Begegnung mit dem Drogenboss. Sie soll in Tamazula im mexikanischen Staat Durango stattgefunden haben. In diesem Haus in der Ortschaft Los Mochis wurde El Chapo Guzmán am 8. Januar 2016 zum dritten Mal gefasst. Es gab eine Schiesserei mit Marinesoldaten. Davor hatten die Behörden monatelang nach ihm gefahndet und ihn im Oktober beinahe einmal erwischt, dank eines Interviews mit dem Hollywood-Star Sean Penn über ein Filmprojekt. Das Haus in Los Mochis wurde einen Monat lang beobachtet. Als die Marinesoldaten «El Chapo» verhaften wollten, flüchtete er zunächst durch die Kanalisation Fünf Menschen wurden bei der Aktion erschossen. Den Kontakt für das Interview hatte die mexikanische Schauspielerin Kate Del Castillo hergestellt. Drogenbaron Joaquín «El Chapo» Guzmán im Moment seiner Verhaftung. Gut sechs Monate nach seiner filmreifen Flucht durch einen Tunnel aus dem Hochsicherheitsgefängnis Altiplano. Sein Ausbruch galt als Schmach für die Regierung von Enrique Peña Nieto. (12. Juli 2015) Die Suche nach Guzmàn: Polizisten inspizieren einen Lastwagen kurz nachdem der Drogenbaron ausbrochen ist. (11.07.2015) Eigentlich ein Hochsicherheitsgefängnis: Die Anstalt Altiplano. (11.07.2015) Jetzt müssen sie handeln: Polizisten sammeln ihr Aufgebot vor dem Gefängnis. (11.7.2015) Bereits zum zweiten Mal auf der Flucht: der Drogenbaron Joaquín «El Chapo» Guzmán war bereits 2001 angeblich im Wäschereiwagen aus dem Gefängnis Puente Grande entkommen und war danach 13 Jahre lang auf der Flucht gewesen. Erst im Februar 2014 wurde er festgenommen. Hat mit seinem Drogenkartell Arbeitsplätze geschaffen: «El Chapo» geniesst Sympathien in der Bevölkerung. (26. Februar 2014) Proteste für einen Drogenboss: Hunderte forderten 2014 die Freilassung von Joaquín «El Chapo» Guzmán. (26. Februar 2014) Die Polizei schreitet ein: Gegen die Demonstranten wurden unter anderem Wasserwerfer eingesetzt. (26. Februar 2014) Er wirkte resigniert, verschreckt, gedemütigt: Joaquín «El Chapo» Guzmán bei seiner Verhaftung im Februar 2014. Diese Bilder liessen den Mythos um dem meistgesuchten Drogenboss Mexikos verschwinden – vorerst. Hier wurde El Chapo im Februar 2014 gefasst ... ... das Schlafzimmer in einem unauffälligen elfstöckigen Wohnblock in der Stadt Mazatlán. Der Drogenboss hauste hier alles andere als luxuriös: Bilder aus dem Innern von Guzmáns Apartment. Gemüse und Getränke lagen noch auf der Ablagefläche: Die Küche des meistgesuchten Drogenbosses von Mexiko. Die Polizei brach die Wohnung auf ... ... und die Tür blieb offen. Die Verhaftung von Joaquín Guzmán war spektakulär. Vor den Augen der Journalisten wurde der Drogenboss im Helikopter abgeführt. Die Behörden in Mexiko feierten ihren Coup und bestätigten die Verhaftung. Die Festnahme füllte bei allen mexikanischen Zeitungen die Frontseite: Ein Kiosk in Mexiko City. Kurz nach seiner Verhaftung: Ein Polizeibild von Joaquín Guzmán.

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Sean Penns Interview mit dem mächtigen mexikanischen Drogenboss Joaquín «El Chapo» Guzmán schlägt hohe Wellen. Immerhin hatte der Filmstar den flüchtigen Kriminellen im Geheimen getroffen. Wie das Treffen zustande kam und verlief, beschreibt Penn in einem sehr langen Artikel im «Rolling Stone»-Magazin.

Wie kam das Treffen mit El Chapo zustande?

Die zentrale Figur bei der Vermittlung des Treffens zwischen Guzmán und Penn ist die mexikanische Schauspielerin Kate del Castillo. Penn nutzte nach eigenen Angaben «das Vertrauen, das El Chapo in Kate hat». Am 2. Oktober flogen Penn und Castillo in den Dschungel, wo es zu einem sieben Stunden langen Treffen kam. «Uns wurden nicht einmal die Augen verbunden», so Penn.

Warum hat El Chapo Kate del Castillo vertraut?

Die 43-jährige Kate del Castillo dürfte die Aufmerksamkeit des Drogenbosses durch ihre Rolle in der TV-Serie «Die Königin des Südens» erregt haben. Darin spielt Del Castillo eine skrupellose Drogenbaronin. 2012 veröffentlichte sie auf Twitter einen Brief, in dem sie sich an El Chapo wendet. «Wäre es nicht toll, wenn Sie anfangen würden, Gutes zu tun? Wollen Sie Ihr Geld nicht lieber in die Medizin-Forschung stecken? Oder in Essen für Strassenkinder? Sie wären der Held aller Helden.» Del Castillo schrieb, sie glaube «mehr an El Chapo als der Regierung, die die Wahrheit versteckt».

Ihr Appell kam bei Guzmán an. Tage später schickte er ihr einen Blumenstrauss. Als er im Februar 2014 gefasst wurde, kontaktierten Mitglieder des Sinaloa-Kartells die Schauspielerin. Offenbar hatte der Drogenboss schon damals vor, seine Lebensgeschichte verfilmen zu lassen. Dieser Plan wurde ihm nach der Flucht im vergangenen Juli zum Verhängnis. Die Ermittler wussten, dass die Gehilfen des Drogenkönigs Produzenten und Schauspieler kontaktierten. Die Ermittler hörten Gespräche ab und überwachten die Treffen, bis Guzmán nahe der Ortschaft Los Mochis im Nordwesten Mexikos aufgespürt wurde.

«Die Macht eines Guzmán-Gesichts»

Penn ist fasziniert vom Sicherheitsapparat, der El Chapo beschützt. Bei einer Kontrolle durch Guzmáns Männer wird das Auto, in dem Penn mit Alfredo Guzmán — einem der Söhne des Drogenbarons — reist, angehalten. «Alfredo liess die Fensterscheibe runter und die Soldaten gingen einen Schritt zurück. Es war ihnen peinlich, sie winkten uns durch. Wow, das ist die Macht eines Guzmán-Gesichts.»

Drogenboss wäre gerne Investor

Im Gespräch erzählt Guzmán, er würde gerne mit seinem Vermögen von rund einer Milliarde Dollar in legale Geschäfte einsteigen. «Er würde gerne in Energie investieren, aber da sein Geld illegal ist, sind auch die Möglichkeiten zu investieren gering», schreibt Penn im «Rolling Stone».

El Chapo und die Drogen

Obwohl das Sinaloa-Kartell rund 80 Prozent des US-Drogenmarktes kontrolliert, konsumiert El Chapo keine Drogen. «Er hat in zwei Jahrzehnten keine Drogen probiert», so Penn.

Ein guter Mexikaner?

«Egal, welcher Schurkereien auch immer dieser Mann beschuldigt wird», schreibt Penn, «er ist ein bescheidener, ländlicher Mexikaner, dessen Wahrnehmung der Welt ein Fenster in das ausserordentliche Rätsel der kulturellen Unterschiede» biete.

Penns Furz

Die wohl schrägste Aussage des Interviews macht Penn selbst, als er zugibt, während des Gespächs mit El Chapo gefurzt zu haben. «In dem Moment lasse ich eine kleine Blähung gehen (sorry)», schreibt Penn. «Doch Guzmán tat so, als hätte er nichts gehört.»


El Chapo gibt ein Interview (Youtube/Dsegundo.com)

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fritz Moser am 11.01.2016 20:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Penn

    Sollte Sean Penn etwas mit der Festnahme zu tun haben, werden seine Tage auf diesem Planeten wohl gezählt sein.

  • Remo Hirse am 11.01.2016 19:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    El Chapo

    Schade, dass El Chapo geschnappt wurde... Wer soll jetzt die Nachfrage der Anspruchsgruppe stillen? Zumindest hatte es vorher ein Gesicht gehabt.. Jetzt mal schauen..

  • Toni A. am 11.01.2016 22:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nehmt den Kartellen die Drogen weg!

    All die Gewalt, das Geld all die Toten könnten gespart werden wenn der Staat die Drogen verkauft oder abgibt! Es muss ja nicht jeder 18 Jährige Methamphetamin oder Heroin am Kiosk kaufen können. Aber Leute mit einer schweren Abhängigkeit sollten sauberen Stoff verschrieben bekommen! So kommt man weg von Beschaffungskriminalität sowie die Süchtigen können ein halbwegs normales Leben führen ohne zu Kriminellen zu müssen. In der Schweiz gibt es sowas zum Glück schon für Heroin aber der Drogenmarkt #1 USA generiert schön Milliarden für die Kartelle. Es sterben weit mehr Leute an dem Drogenkrieg als an den Drogen selber! Das kann man doch nicht mehr rechtfertigen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Frau Selig am 12.01.2016 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer's glaubt...

    Man sollte mal dringend den Zusammenhang zwischen Charity-, sprich Hilfsorganisationen und Drogenkartellen unter die Lupe nehmen. Oder glaubt ihr etwa alle dass Penn El Chapo per Zufall kennengelernt hat.

  • Sergio am 12.01.2016 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Pro El Chapo

    es wird niemand gezwungen, Drogen zu konsumieren!

  • Toni am 12.01.2016 06:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine chance

    Wenn er an die USA ausgeliefert wird, dann kann er nicht ausbrechen. Die Amis werden ihn dann 24x7 bewachen.

    • Guantanamo am 12.01.2016 14:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Toni

      Da bin ich mir nicht so sicher. Harold und kumar brechen sogar aus guantanamo aus

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  • Ilona Ironie am 12.01.2016 00:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ojeee...

    wisst ihr eigentlich wieviel Arbeit das ist...?! man muss den Markt kontrollieren..man muss sich mit " kleinen Fischen" rum nerven, die einem das leben schwer machen...man muss immer den bessten Stoff haben...man muss gute Verticker haben...immer ernst gucken...man muss ständig auf der Flucht sein und trotzdem die Geschäfte im Auge behalten...man muss über die Preispolitik entscheiden...schrecklich...der Arme hat jetzt mal kurz Ferien verdient...;-)

    • Der Kommentar am 12.01.2016 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ilona Ironie

      Und woher wissen sie das Ganze? ;)

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  • --- what else? am 12.01.2016 00:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tag ein...

    ...Tag aus, passiert mir das mit dem Furzen. Jedesmal das selbe: Ich weiss von nix :)