Obdachlosen-Mörder

14. Mai 2012 20:20; Akt: 15.05.2012 08:41 Print

«Ich gebe euch seinen Fuss - für etwas Gnade»

Ein wirrer Kriminalfall beschäftigt die Polizei in South Carolina. Ein Mann will den linken Fuss eines Mordopfers gegen eine Strafmilderung eintauschen. Den Mord will er aber nicht begangen haben.

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Ein Gesicht vom Leben gezeichnet: Leslie Sandoval ist 45 Jahre alt und sieht viel älter aus. (Bild: AP)

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Als die Polizei von Anderson, im US-Bundesstaat South Carolina, im Januar den Torso und die Beine von Seth Foster fand, war der Obdachlose schon mehrere Wochen tot. Ein Teil des Körpers lag in einem verlassenen Gebäude im Stadtzentrum. Der Kopf, die Hände und der rechte Fuss des 53-Jährigen lagen im Nachbarhaus. Am 25. Februar nahmen die Ermittler Leslie Sandoval, einen Kollegen Fosters, fest. Der ebenfalls obdachlose Mann wollte aber von einem Mord nichts wissen.

Mittlerweile sitzt der 45-Jährige seit fast drei Monaten in Haft, eine Kaution wurde abgelehnt. Am Wochenende besuchte die lokale Zeitung «Independent Mail» den Häftling. Im Interview verriet der mutmassliche Mörder von einem «Deal», den er der zuständigen Staatsanwältin Chrissy Adams angeboten hatte: Sandoval wolle der Polizei nun zeigen, wo der linke Fuss des Mordopfers ist und erwarte dafür etwas Nachsicht für seine Situation seitens des Gerichts.

Ein makabrer Deal

Das lange Interview bietet Einblick in das traurige Leben Sandovals. Als Kind von seinem Vater missbraucht, landete er getrennt von seinen neun Geschwistern in einer Kinderpsychiatrie. Er schaffte die Schule nur mit viel Mühe. Schnell kamen die ersten Konflikte mit dem Gesetz: Kleine Diebstähle und Betrugsgeschichten. Nach einer kurzen Haftstrafe fing Sandoval an, von einem Bundesstaat zum anderen zu ziehen. Gleichzeitig begannen seine Alkoholprobleme.

An seinem letzten Wohnort Anderson kamen mentale Probleme hinzu. Einer Freundin, die ihm helfen wollte, eine Invalidenrente zu bekommen, erzählte er von «Stimmen in meinem Kopf und dunkle Wolken», die er regelmässig sah. Nach den Gründen für den Mord an seinem Kollegen Foster gefragt, behauptet Sandoval, sich an nichts zu erinnern. Er habe Foster gemocht, sagt er. «Dieser Mord ist ein Puzzle, und ich schaffe es nicht, alle Teile zusammenzuführen.»

Im Interview behauptet der Obdachlose, kein Geständnis während den Befragungen unterzeichnet zu haben. Ferner habe er keine Angst vor der Todesstrafe: «Würde das in meinem Leben etwas ändern?»

(kle)