Taximörder

09. Februar 2011 11:55; Akt: 09.02.2011 12:19 Print

«Ich habe eine tote Frau gebraucht»

Überraschend hat der Angeklagte im Taxi-Mordprozess vom Bodensee seine Taten in allen Details gestanden. «Ich möchte selbst nicht mehr leben», fügte er hinzu.

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Im Taximord-Prozess hat der Angeklagte am Dienstag, dem letzten Verhandlungstag, sein Schweigen gebrochen und ein umfassendes Geständnis abgelegt. In seinem Schlusswort schilderte er die ihm vorgeworfenen Taten mit grausigen Details und sagte mehrfach, es tue ihm leid.

Seine Aussage, vom «Südkurier» protokolliert, zeichnet das Bild eines psychisch schwer angeschlagenen Mannes. Das sagte er …

… zu seiner Kindheit und Jugend: «Als ich eine schlechte Note hatte, hat die Mutter meinen Kopf genommen und ihn gegen den Tisch geschlagen… Sie hat mich angeschrien und geschlagen… Sie hat keine Rücksicht auf mich genommen… Ich war in Russland und habe der Mutter geschrieben, dass ich ein schlechtes Leben habe… Ich habe der Mutter geschrieben, dass ich einen Psychiater brauche… Als ich zurück nach Deutschland kam, nach drei Jahren, hat sie mich nicht umarmt, mir nur die Hand gegeben. Wir sassen auf zwei Stühlen und sprachen nicht.»

… zu den Rachegelüsten an seiner Mutter: «Als ich in Berlin war, habe ich mir ein grosses Messer gekauft… Ich konnte die Mutter nicht umbringen. Es ist wieder irgendetwas in mir passiert… Ich finde keine Erklärung, was da mit mir los war…»

… zur Tat in Singen: Als ich aus dem Zug ausstieg, ist etwas in mir vorgefallen… Ich wollte in Singen in einem Waffengeschäft ein Gewehr kaufen, habe es aber nicht bekommen… Wenn ich eine Waffe gehabt hätte, hätte ich einiges angestellt… Ich war wütend… Ich habe mir bei Karstadt ein Messer gekauft… Ich wollte mit dem Taxi auf den Friedhof fahren… Ich habe der Frau das Messer an den Hals gehalten und sie dann an der Schulter gepackt, nicht an den Haaren… Wenn sie mit mir weitergefahren wäre, hätte ich ihr vielleicht nichts angetan… Ich habe die Kontrolle über mich verloren… Ich habe gesehen, dass sie noch lebt… Ich wusste ganz genau, dass sie noch am Leben ist, aber ich habe gedacht, dass sie im Laufe der Zeit sterben wird… Ich bin in aller Ruhe gegangen… Ich bin froh, dass sie überlebt hat.»

… zur Tat in Hagnau: «Etwas Unerklärliches ist mit mir passiert… Ich habe Pornos angesehen, ich bin nach Pornographie süchtig… Am nächsten Tag verspürte ich eine Kraft in mir, jemanden zu töten… Ich wollte sie umbringen und vergewaltigen… Ich habe die Kontrolle über mich verloren… Meine Hände haben die ganze Zeit gezittert… Alles war voller Blut… Sie fiel auf meinen Schoss… Ich wollte mit dem Auto wegfahren, aber es ging nicht wegen der Automatik… Ich habe den Alarm ausgelöst, dann bin ich wieder zu mir gekommen.»

… zu seinen Gefühlen: „Ich denke, ich bin nicht schuldig… Ihr denkt, ich bin schuld, aber ich lüge nicht. Ihr wollt mich alle zerhacken und klein machen… Als ich getötet habe, habe ich vor mir nichts gesehen… Ich war früher ein ganz normaler Mensch… Es tut mir sehr leid… Es ist nicht so, dass es mir Spass macht oder dass es lustig für mich ist… Mir ist es egal, ob ich ins Gefängnis komme oder in die Psychiatrie… Ich möchte selbst nicht mehr leben, ich werde nicht mehr friedlich leben können…»

… zu seiner Schuld: «Wenn es meine Mutter nicht gegeben hätte, hätte ich ein vernünftiges Leben führen können… Ich habe die Frau umgebracht, weil ich wirklich eine tote Frau gebraucht habe.»

(uwb/sda)