Vergewaltigungsopfer Théo

08. Februar 2017 20:14; Akt: 08.02.2017 20:14 Print

«Ich konnte vor Schmerzen nicht atmen»

Der 22-jährige Théo wurde von einem Polizisten in Paris mit einem Schlagstock vergewaltigt. Aus dem Spitalbett erzählt das Opfer, wie es in diese Situation geriet.

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Seit fünf Tagen liegt Théo L. (22) in einem Spital im nördlich von Paris gelegenen Aulnay-sous-Bois. Der junge Mann wurde Opfer einer äusserst brutalen Polizeiaktion: Während einer Personenkontrolle wurde Théo von vier Polizisten, die ihn des Drogenhandels verdächtigten, mit Schlagstockhieben schwer verletzt. Einer der Beamten rammte ihm sogar den Schlagstock in den After. Théo musste wegen eines zehn Zentimeter langen Risses im Analbereich und inneren Blutungen notfallmässig operiert werden.

Seinem Anwalt erzählte er nun seine Version der Geschehnisse. Das Nachrichtenportal «BFMTV» hat einige Auszüge davon veröffentlicht. «Ich brachte einer Freundin meiner Schwester eine Tasche mit Schuhen zurück, da traf ich ein paar Kollegen vom Quartier. Ich ging zu ihnen, um sie zu begrüssen», sagte Théo, ein Fussballfan, der unter seinen Freunden sehr beliebt ist.

Die Gewalt eskalierte ganz schnell

«In dem Moment kamen vier Polizisten auf uns zu und sagten, wir sollten uns gegen die Wand stellen.» Als einer der jungen Männer nach dem Grund für die Ausweiskontrolle fragte, drohte ein Beamter mit einer 450-Euro-Busse. Théo versuchte seinen Kollegen zu verteidigen, da wurde er erstmals geschlagen.

«Ich wusste, dass es an diesem Ort keine Überwachungskameras gibt. Darum war mein erster Gedanke, die Polizisten um die Ecke zu führen. Ich konnte mich losreissen. Sie packten mich wieder zu dritt und warfen mich zu Boden. Sie beschimpften mich mehrmals und einer der Polizisten begann, Tränengas zu sprühen.»

Théo wurde geschlagen, beschimpft und bespuckt

Théo lag mit den Knien am Boden und konnte nicht genau sehen, was hinter ihm passierte. «Ich merkte, wie der Polizist seinen Schlagstock nahm und ihn mir in den Hintern schob. Ich fiel mit dem Bauch auf den Boden, während der Polizist mich anschrie, ich solle mich aufsetzen. Ich sagte zu ihm, dass ich das nicht könne, weil ich meinen Hintern nicht spürte. Da sprühte er mir Tränengas an den Kopf und in den Mund.»

Théo wurde mit dem Schlagstock auf den Kopf geschlagen. Einer der Beamten sagte: «Wartet, hier gibts Kameras, lasst uns um die Ecke gehen, da können wir uns austoben.» Mit heruntergelassenen Hosen brachten sie den jungen Mann um die Ecke. «Sie schlugen mehrmals auf mich ein.» Als einer von Théos Kollegen sich einmischte, entschieden die Polizisten, ihn aufs Revier zu fahren.

«Ich hatte grosse Schwierigkeiten zu gehen. Ich dachte, ich würde sterben. Im Auto setzten sich mich auf die Rückbank. Die Polizisten links und rechts von mir schlugen mich auf den Kopf und in die Geschlechtsteile. Sie nannten mich Miststück und Neger.» Der Polizist auf dem Beifahrersitz machte ein Foto und meinte, die Szene sei «Snapchat-würdig». Dann bespuckte er Théo.

Auf der Polizeistation wird die Situation erkannt

Auf der Polizeistation ging es dem jungen Mann nicht mehr gut. Er konnte sich nicht mehr setzen und blutete stark. Ein Polizist im Revier sagte zu ihm: «Leg dich auf den Boden, ich werde dir Handschellen anlegen, das ist Teil der Prozedur.» Der Beamte schlug den anderen vor, eine Ambulanz zu rufen. «Ich konnte vor Schmerzen nicht atmen und schüttelte mich vor Krämpfen», erinnert sich Théo.

«Er macht nur Show», sagten die Polizisten, die ihn misshandelt hatten. Der Kollege im Revier war anderer Meinung: «Nein, das ist ernst.»

(kle)