Vater von Julen

02. Februar 2019 18:53; Akt: 02.02.2019 22:16 Print

«Ich verfluche mich selbst, ich verfluche diesen Tag»

Eine Woche ist seit Julens Bergung aus dem Brunnenschacht vergangen. Die Eltern versuchen nach vorne zu blicken, doch der Schmerz überschattet alles.

Bildstrecke im Grossformat »
Der Sonntagsausflug einer Familie aus dem spanischen Málaga nahm am 13. Januar 2019 ein dramatisches Ende, als der zweijährige Sohn Julen in ein 110 Meter tiefes Erdloch stürzte. Am 15. April 2019 gaben die Pathologen der Gerichtsmedizin und Forensik von Málaga den Autopsiebericht bekannt: Julen starb am 13. Januar gegen 13.50 Uhr, also nur wenige Minuten nach seinem Sturz in den 73 Meter tiefen Schacht. Der Fall hatte die ganze Welt während Wochen in Atem gehalten. 13 Tage nach dem Sturz kam die traurige Bestätigung: Julen ist tot. (Im Bild: Sein Vater, José Roselló, an der Beerdigung seines zweijährigen Sohnes. Der Mann musste sein zweites Kind zu Grabe tragen.) Hunderte Menschen nahmen am 27. Januar 2019 in Totalán an der Trauerfeier für den verstorbenen Julen teil. Ein Sprecher der Guardia Civil gab zwei Tage zuvor den aktuellen Ermittlungsstand zum Fall Julen an einer Pressekonferenz in Totalán bekannt. Victoria García (l.), Julens Mutter, zeigte sich am 26. Januar umringt von Polizei und Rettungskräften – kurz nach Bekanntwerden von Julens Tod. Familienangehörige von Julen in Totalán. Viele Menschen haben sich in der Nähe des Hauses eingefunden, nachdem der kleine Bub am frühen Samstagmorgen tot gefunden worden war. Rettungskräfte haben Julen um 1.25 Uhr in der Nacht auf Samstag leblos im Brunnenschacht aufgefunden. (26. Januar 2019) Die Leiche des zweijährigen Buben wurde nach tagelangen Bohrungen in einer Tiefe von rund 70 Metern entdeckt. Die Eltern des zweijährigen Julen erlebten qualvolle Stunden. (24. Januar 2019) Ein Helikopter der spanischen Guardia Civli transportiert Sprengstoff. (24. Januar 2019) Rund 100 Retter arbeiteten an der Bergung des Kleinen. Auch in der Nacht ging die Suche nach Julen weiter. Die Rettungskräfte waren mit Kameras bis knapp 80 Meter Tiefe vorgedrungen. Dort fanden sie eine Tüte mit Süssigkeiten und einen Becher, die Julen zum Zeitpunkt seines Verschwindens dabeihatte, doch bis zum Buben konnte die Kamera nicht vordringen. Für die Retter stellte die Bergung eine grosse Herausforderung dar, weil der Schacht einen Durchmesser von nur rund 25 Zentimetern aufwies. Die Retter versuchten am 14. Januar, ein neues Loch zu bohren, parallel zu dem, in dem sich das Kind befindet. Vater José Roselló (l.) weinte verzweifelt am Unglücksort. Die Menschen aus Totalán drückten mit einem Marsch und bunten Schildern ihr Mitgefühl und ihre Unterstützung für Julen und seine Familie aus.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Tragödie um den zweijährigen Julen, der im spanischen Malaga in einen Brunnen fiel, hat die Welt in Atem gehalten. Nun spricht sein Vater José Rosellò in der spanischen Zeitung «Diario Sur» über die schmerzhafte Zeit, die er und seine Frau durchleben.

«Im Moment bewegen wir uns zwischen den Häusern von Freunden hin und her und kehren möglichst spät in unser Heim zurück. Wir versuchen uns abzulenken, doch jedes Mal wenn ich die Augen schliesse, sehe ich den Brunnen», so Rosellò. Zuhause liegen Spielsachen herum, die ihn schmerzlich an seinen Sohn erinnern. «Ich verfluche mich selbst, ich verfluche diesen Tag. Ich kann nicht mehr aufs Land fahren, ich kann keinen Teller Paella mehr geniessen.»

Trotz allem sind Julens Eltern «unendlich dankbar» für den unermüdlichen Einsatz, den Polizei, Bergarbeiter, Feuerwehrleute, Freunde und Anwohner geleistet haben.

Vier Jahre Haft drohen

Der Brunnenschacht, der Julen zum Verhängnis wurde, ist nach aktuellem Kenntnisstand illegal errichtet worden. Die laufenden Ermittlungen richten sich gegen den Farm Besitzer David sowie den Brunnenbauer Antonio Sánchez, wie die Zeitung «El Mundo» schreibt.

Laut Bericht könnte das Vergehen der beiden Männer mit einer Strafe von vier Jahren Gefängnis geahndet werden. Erste Aussagen wurden bereits entgegengenommen. Gegenüber der Zeitung «Efe» wehrte sich Antonio Sanchez gegen die Vorwürfe, er habe den Schacht nicht verschlossen. «Jemand anderes muss ihn nachträglich wieder geöffnet haben», so Sanchez.

Neben Bruder beerdigt

Julen ist am 13. Januar in den Brunnen gefallen und wurde 13 Tage später tot geborgen. Nach ersten Erkenntnissen ist das Kind 71 Meter im freien Fall in das enge Bohrloch gestürzt, bis sein Körper auf eine Erdschicht getroffen ist. Demnach ist er bereits am Unglückstag an einem schweren Schädel-Hirntrauma gestorben.

Am 28. Januar wurde Julen nach Angaben aus Familienkreisen in Malaga neben seinem Bruder, der im Jahr 2017 an einem Herzfehler starb, beerdigt.

(kat)