Fall Cleveland

06. Mai 2014 08:36; Akt: 06.05.2014 08:59 Print

«Ich wurde von Castro mehrfach schwanger»

Vor über zehn Jahren wurde Michelle Knight von Ariel Castro gekidnappt und eingekerkert. Ein Jahr nach ihrer Befreiung erinnert sich die 33-Jährige an die Zeit im «Horrorhaus».

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Ariel Castro hat zugegeben, drei Frauen entführt und jahrelang gefangen gehalten zu haben. Am 26. Juli entschied Ariel Castro, auf schuldig zu plädieren, um der Todesstrafe zu entkommen. Zuerst hatte er auf nicht schuldig plädiert. Die dem unscheinbar aussehenden Mann vorgeworfenen Taten klingen ungeheuerlich. Ermittler, die anonym bleiben wollten, gaben an, dass die drei Frauen «wie Kriegsgefangene» gehalten worden waren. Alle Schlafzimmertüren hatten Vorhängeschlösser und die Zimmer hatten nur eine Matratze auf dem Boden. Die Bewegungsfreiheit der Frauen im Haus war sehr eingeschränkt. Wenn Castro für längere Zeit aus dem Haus war, klebte er Klebeband um die Gesichter - auch ihre Augen - und liess nur eine kleine Öffnung, damit sie atmen konnten. Danach zog er es wieder ab - mit Haut und Haaren. Zwei der Frauen, Gina DeJesus und Michelle Knight, waren lange Zeit im Keller mit Ketten gefesselt. DeJesus zog sich dadurch eine dauerhafte Verletzung am Genick zu, sodass sie grosse Schwierigkeiten hat, ihren Kopf zu bewegen. Die Frauen seien zudem unterernährt gewesen. Der Entführer «brachte oftmals nur einer von ihnen Essen und zwang die anderen zuzusehen oder ass genussvoll vor ihnen», so die anonyme Quelle weiter. Ein Nachbar machte Bilder im Garten von Entführer Ariel Castro und stellte sie dem Nachrichtensender CNN am zu Verfügung. Am 9. Mai 2013 wurde in Cleveland, Ohio, vor Gericht die Anklage verlesen. Ariel Castro wurde wegen dazu, weil er Fehlgeburten verursacht haben soll. Onil (links) und Pedro wurden hingegen wieder freigelassen. Sie hätten von den Vorgängen im Haus an der Seymour Avenue nichts gewusst. Zu den Opfern gehört , die sie während ihrer Gefangenschaft bekam. Die Vaterschaft des Kindes wird zurzeit abgeklärt. In an der Seymour Avenue in Cleveland wurden Amanda Berry, Gina DeJesus und Michelle Knight zehn Jahre lang gefangen gehalten. Offenbar hat Castro seine Opfer über längere Zeit angebunden und hungern lassen. war 14 Jahre alt, als sie am 2004 auf ihrem Weg von der Schule nach Hause verschwand. Sie war mit Castros Tochter Arlene zur Schule gegangen. verschwand am 21. April 2003 als 16-Jährige. Sie war an jenem Abend von ihrer Arbeit bei Burger King auf dem Weg nach Hause gewesen. verschwand 2002 im Alter von 21 Jahren. Ihr Verschwinden wurde jedoch als Weglaufen taxiert und es wurde nie offiziell nach ihr gesucht. ist jetzt der Held von Cleveland. Er hat Amanda Berry bei seinem Nachbarn Castro entdeckt und die Polizei gerufen. Er hat die Schreie von Amanda Berry gehört. Er habe gesehen, wie sie versucht habe, aus dem Haus auszubrechen, und sei ihr zu Hilfe geeilt, so Charles Ramsey. Die Polizei durchsuchte darauf das Haus von Ariel Castro von oben bis unten. Laut CBS ist Amanda Berry mit einem sechsjährigen Mädchen ins Spital gebracht worden. Es wird gemutmasst, dass das Kind Berrys Tochter ist. Die Nachrichtenagentur Reuters spricht von einem weiteren Kind, das im Haus gewesen sein soll. Felix DeJesus, der , hatte die Suche nach seiner Tochter nie aufgegeben (hier 2004 in seinem Wohnzimmer mit einem Foto seiner Tochter). Die drei befreiten Frauen befinden sich jetzt in Spitalpflege. Es gehe ihn den Umständen entsprechend gut, so Ärzte. Die Familie von Amanda Berry eilte sofort zu ihr - eine kann ihre Tränen kaum verbergen. Die Polizei suchte mit modernen Mitteln nach den Frauen: Ihre Gesichter von damals wurden mit speziellen Programmen älter gemacht und für die Suche publiziert. In etwa so dachte man, sähen Gina DeJesus und ... ... Amanda Marie Berry heute aus.

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Vor über zehn Jahren hatte sie ihr Kidnapper in das «Horrorhaus» von Cleveland im US-Staat Ohio gelockt. Gemeinsam mit zwei anderen Frauen war Michelle Knight über 10 Jahre gefangen.

«Er sagte zu mir, er würde mich nie weder gehen lassen», berichtete sie dem TV-Sender CNN. Immer wieder sei sie geschlagen und gefoltert worden. «Du bist machtlos», sagte Knight.

Der Entführer habe sie seinerzeit mit dem Versprechen, ein kleines Hundewelpen zum Geschenk zu bekommen, in sein Haus gelockt, erzählte Knight dem Sender. Doch als sie schliesslich das Haus betreten habe, «ist mir klargeworden, dass ich einen Fehler begangen hatte».

Gefesselt, gefoltert, geschlagen

Sie sei gefesselt, gefoltert und geschlagen worden. Sie habe wenig zu essen bekommen. Um mit der Aussenwelt in Kontakt zu treten, habe es nur einen alten Fernseher und ein altes Radio gegeben. Wenn sie schrie, habe ihr der Entführer ein Stück Stoff in den Mund gestopft, berichtet Knight, die in den nächsten Tagen auch mit einem Buch an die Öffentlichkeit tritt.

«Ich sass in einem kleinen pinkfarbenen Zimmer in der Falle und war gefesselt wie ein Fisch.» Zunächst sei sie allein gewesen, später habe sie von den beiden anderen entführten Frauen erfahren. Castro hatte die drei Frauen zwischen 2002 und 2004 in seine Gewalt gebracht.

Knight und die zwei anderen Frauen waren am 6. Mai 2013 auf dramatische Art aus dem «Horrorhaus» in Cleveland freigekommen. Auch ein sechs Jahre altes Mädchen war dabei, das der Entführer Ariel Castro gezeugt hatte. Castro war im August zu lebenslänglicher Haft plus 1000 Jahren verurteilt worden, beging aber wenig später in seiner Zelle Selbstmord.

Mehrmals schwanger

Das Verbrechen hatte seinerzeit Amerika schockiert. In Europa waren Erinnerungen an die Österreicherin Natascha Kampusch geweckt worden, die 2006 nach acht Jahren in den Händen eines Entführers freigekommen war - Kampusch war seinerzeit 18 Jahre alt gewesen, als sie freikam.

Bereits kurz nach ihrer Befreiung hatte Knight berichtet, dass sie mehrfach von Castro schwanger geworden sei. Doch er habe die Schwangerschaften durch Hiebe in den Bauch und Nahrungsentzug gewaltsam abgebrochen, sagte sie den Ermittlern. Dafür habe sie ihrer Leidensgenossin helfen müssen, als die ein Mädchen zur Welt brachte.

Nach der Befreiung der drei Frauen hatten sich US-Medien immer wieder gefragt, warum Nachbarn nichts von der grausigen Haft der Frauen bemerkt hätten. Castro, ein ehemaliger Schulbusfahrer, wohnte nur wenige Kilometer von den Eltern der drei Mädchen und Frauen entfernt.

(sda)