Ärztepfusch in den USA

08. Januar 2016 23:04; Akt: 08.01.2016 23:04 Print

«Ihnen geht es gut, stehen Sie auf!»

Die Ärzte eines Spitals in Florida schicken Barbara Dawson trotz Lungenembolie nach Hause. Das Audio ihrer letzten Minuten ist erschütternd.

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Nach dem Tod von Barbara Dawson (57) gehen nun ihre Angehörigen gegen das Spital Calhoun Liberty in Blountstown, Florida, rechtlich vor. Dawson war am 22. Dezember gestorben, nachdem die Ärzte sie für eine Simulantin gehalten hatten und von der Polizei abführen liessen.

Jetzt haben die Anwälte der Familie Dawson ein zweieinhalb Stunden langes Video veröffentlicht, das von der Dashcam im Polizeiauto stammt. In den Aufnahmen ist zu hören, wie die Frau in Todesangst um Hilfe fleht.

In Handschellen aus dem Spital gewiesen

Wie ABC News berichtet, hatte Barbara Dawson den Abend vor ihrem Tod das Spital mit starken Brustschmerzen und Atemnot aufgesucht. Die Ärzte stellten nichts Schlimmes fest und schickten die Frau nach Hause. Doch Dawson weigerte sich zu gehen und das Personal rief kurzerhand die Polizei.

Ein Polizist legt Dawson Handschellen an und führt sie zum Parkplatz. Auf den Aufnahmen hört man Dawson sagen: «Oh, mein Gott, oh, mein Gott, ich kann nicht atmen.» Dann bricht die Patientin zusammen und es vergehen 20 Minuten, bis Pflegepersonal des Spitals auftaucht, um ihr zu helfen. «Es ist alles in Ordnung mit Ihnen, stehen Sie bitte auf», sagt eine Krankenschwester.

Ein Hin und Her kurz vor ihrem Tod

Die Stimme des Polizeibeamten ist ebenfalls zu hören: «Wir wollen Ihnen nicht wehtun, aber Sie landen sonst im Gefängnis, ok? Also, Sie können jetzt mithelfen oder wir müssen es auf die harte Art tun».

Dawsons Stimme ist nicht mehr zu hören. Das Personal bringt sie die Frau schliesslich wieder ins Gebäude, doch es ist bereits zu spät: Trotz Wiederbelebungsmassnahmen können sie nicht mehr retten. Bei der Autopsie stellten die Forensiker fest, dass Barbara Dawson an einer Lungenembolie starb.

Die Spitalleitung entschuldigte sich mittlerweile bei den Angehörigen für den Todesfall. Eine Lungenembolie sei oft schwer zu erkennen, rechtfertigten sie sich. Doch Martha Smith-Dixon, eine Tante der Verstorbenen, will sowohl das Spital wie auch die Polizei verklagen. «Ein Spital sollte Leben retten und die Polizei sollte Menschen beschützen. Unserer Barbara wurde beides verweigert.»


Das Audio aus dem Polizeiauto ist erschütternd. (Quelle: Youtube/Wendy Wilson)

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Asterix am 08.01.2016 23:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klage

    Ich bin fassungslos! Das ist jetzt wirklich mal ein triftiger Grund für eine Klage. Eine bodenlose Frechheit diese Behandlung der Patientin

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  • P. Fusch am 08.01.2016 23:38 Report Diesen Beitrag melden

    Pfusch

    in den USA hat man wenigstens noch ne Chance zum Klagen! In der Schweiz ziehst DU den kürzeren bei Ärzte Pfusch!!

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  • ich mal wieder am 08.01.2016 23:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Amis

    Amerika. ..klar doch..dies kann jedem von uns passieren..auch hier in der Schweiz. .als ich vor 34 Jahren auf der Strasse zusammen brach,schrien Passanten mich an mit den Worten:du besoffene hau ab...ich hatte einen geplatzten Eileiter und habe nur dank 1 Person mit Courage überlebt!Immer vorher überlegen. .

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Claudia am 09.01.2016 23:10 Report Diesen Beitrag melden

    Lückenlose Aufklärung

    Unglaublich was da passierte. Ich denke, man hätte in den Blutwerten oder dem CT was sehen müssen.... schade, dass man die Patientin nicht ernst nahm. Klar gibt es Simulanten... aber wenn sie jemand so wehrt, dann müssten bei den Aerzten die Alarmglocken schrillen. Ich hoffe, dass man dies angeht und ohne "wenn und aber" aufklärt und daraus lernt. Mein Beileid den Angehörigen.

  • Basel am 09.01.2016 22:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Beileid

    Und das am 22.Dezember 2015 Mein Beileid an die Familie

  • Pati am 09.01.2016 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschenunwürdig

    Ich hoffe mir passiert dass nie! So krass,dann wollte man sie noch in Handschellen abführen,obwohl sie mit dem Tod rang! Ich wünsche der Familie viel Kraft und hoffe sie kommen mit der Klage durch!

  • Gabi am 09.01.2016 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sprachlos

    Einander nicht mehr ernst nehmen ist das schlimmste was uns passieren kann. Ich bin sprachlos.

  • tjt am 09.01.2016 17:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ärzte haben immer recht

    Mir ging es fast ebenso, Nachbarn fanden mich in letzter Minute. Diagnose: schwere Lungenembolie und Herzbeutelwasser (7 dl), anschliessend noch Infarkt. War einige Tage zuvor beim Arzt wegen Atemprobleme, gab mir Mittel gegen Asthma!!!! Lehnt nun jegliches Gespräch ab, er hätte mich nach bestem Wissen behandelt, wäre halt nicht voraussehbar gewesen!!!!!

    • Narkosearzt am 09.01.2016 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mina

      Mina solche Fragen sind obligatorisch und gehören zum Safe Surgery Konzept! Wenn Sie sie nicht beantworten werden Sie nicht operiert

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