Ueli Steck

30. April 2017 10:52; Akt: 30.04.2017 13:09 Print

«Irgendwann riskierst du so viel, dass es knallt»

Extrembergsteiger Ueli Steck wollte gleich zwei schwere Gipfel erklimmen: Den Mount Everest und den Lhotse. Nun ist er bei diesem Projekt tödlich verunglückt.

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Am Mount Everest tödlich verunglückt: Bergsteiger Ueli Steck.

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Der Schweizer Bergsteiger Ueli Steck hatte sich auf ein extremes Projekt eingelassen. Er wollte zwei der höchsten Berge der Welt erklimmen, den Mount Everest (8848 m) und den Lhotse (8516 m). In enormer Höhe wollte Steck als erster von einem Gipfel auf den anderen kommen. Auf einer Vorbereitungstour zur Akklimatisierung auf die Expedition stürzte der 40-Jährige am Sonntagmorgen gegen 10 Uhr beim Mount Everest in den Tod.

Steck sei allein unterwegs gewesen, als er zwischen Camp I und Camp II am Fusse des Everest 1000 Meter in die Tiefe gestürzt sei, sagte Mingma Sherpa von «The Seven Summits Trecks». Die Firma hatte die jüngste Expedition des 40-Jährigen mitorganisiert.

«Bin ich auf dem Everest, kann ich ­jederzeit abbrechen»

Dabei war er gut vorbereitet, um dieses Ziel zu erreichen. «Ich habe viele Lauftrainings von bis zu fünf Stunden mit tiefem Puls absolviert, auch um eine exzellente Erholungsfähigkeit zu erlangen. Im Schnitt absolvierte ich gegen sieben Lauftrainings pro Woche mit bis zu 3000 Höhenmetern pro Einheit», sagte Steck in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» von Ende März. «Für dieses Projekt habe ich zudem mittels Freihanteln viel in meine Kraft investiert, bis dreimal die Woche. Total kam ich auf circa 100 Trainingsstunden pro Monat, das ist aber nicht aussergewöhnlich», sagte der 40-Jährige.

Natürlich wusste der Extremsportler, dass er dabei auch immer ein Risiko eingeht. «Mit meinem Leistungsdenken setze ich mich unter Druck, weil ich immer besser werden will. Entsprechend viel Risiko gehe ich dann ein.»Doch dieses schätzte er bei dem Everest-Lhotse-Projekt als überschaubar ein: «Bin ich auf dem Everest, kann ich ­jederzeit abbrechen. Das Risiko ist also eher gering. Für mich ist es primär ein physisches Projekt.»

Nur mit Glück überlebt

Dass gerade viele Alpinisten mit 40 bis 45 sterben, stimmte Steck nachdenklich. «Natürlich frage ich mich immer wieder, ob ich mich aus diesem Game nehmen muss», sagte er der Zeitung. Dies sei allerdings schwierig, da man beim Bergsteigen die abnehmende körperliche Fitness lange durch mehr Risiko ausgleichen könne. «Also erreichst du weiter Topresultate. Doch die Entwicklung ist dann absehbar: Irgendwann riskierst du so viel, dass es knallt.»

Bereits bei der Annapurna-Besteigung von 2013 gab es Komplikationen. «Ich ging so viel Risiko ein, dass ich nur dank enorm viel Glück überlebte. Also kann das für mich keine erfolgreiche Besteigung sein, obschon ich auf dem Gipfel stand», sagte Steck dem «Tages-Anzeiger».

«Scheitern heisst sterben»

Noch vor einem Monat redete Steck detailliert über das Projekt. Darüber, dass er währen des Experiments viele Stunden ohne Sauerstoffzufuhr in der Todeszone verbringen würde. «Darin besteht ja die Herausforderung: Bin ich dazu fähig? Kann ich mich noch fortbewegen? Man sagt, dass man da oben im Vergleich zur Meereshöhe noch 20 Prozent der Leistungsfähigkeit besitzt.»

Dass er sich viel vorgenommen hatte, wusste er schon vor einem Monat. «Es ist ein sehr hohes Ziel. Scheitern heisst für mich: Wenn ich sterbe und nicht heimkomme.»

(bee)