Chávez doziert

23. März 2011 21:19; Akt: 24.03.2011 08:16 Print

«Kapitalismus hat den Mars zerstört»

Was ist aus den kleinen grünen Männchen vom Mars geworden? Venezuelas Staatschef Hugo Chávez hat da so eine Theorie.

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Venezuelas Präsident Hugo Chávez ist am Dienstag, 5. März 2013 in Caracas verstorben. Der umstrittene Politiker war auf der ganzen Welt als Provokateur bekannt. In einer Fernsehansprache zum Weltwassertag am 22. März 2011 sagte Hugo Chávez: «Ich habe stets gesagt und gehört, dass es nicht erstaunlich wäre, wenn es einst eine Zivilisation auf dem Mars gegeben hätte. Aber dann kamen Kapitalismus und Imperialismus und zerstörten den Planeten.» «Sie haben gesagt, das Wort Krieg aus ihrem Wortschatz gestrichen zu haben, nun gut, ich auch», meinte Venezuelas Präsident Hugo Chavez am 10. August 2010 beim Versöhnungstreffen mit seinem kolumbianischen Amstkollegen Juan Manuel Santos. Venezuela und Kolumbien waren sich bereits im März 2008 in die Haare geraten: «Herr Verteidigungsminister, mobilisieren Sie mir sofort zehn Bataillone an der Grenze zu Kolumbien, Panzer-Bataillone. Und machen Sie die Luftwaffe startklar», ... ... sagte er, nachdem das kolumbianische Militär ein Lager der linken FARC-Rebellen im Nachbarsland Ecuador zerbombt hatte. Santos' Vorgänger Alvaro Uribe entschuldigte sich danach bei seinem ecuadorianischen Amtskollegen und schon damals konnte ein Krieg knapp vermieden werden. Am 2. Dezember 2012 stellte sich Chávez beim Gründungsgipfel der Gemeinschaft Lateinamerikanischer und Karibischer Staaten in Caracas ans Rednerpult und begann seine Rede mit den Worten «Ich fasse mich kurz». Die Rede sollte eine Stunde und sechs Minuten dauern. Vor Provokationen schreckte Hugo Chavez nie zurück. Auch nicht am 20. September 2006 gegen Erzfeind USA. Vor der UNO-Generalversammlung machte er eine Anspielung auf den Besuch des ehemaligen Präsidenten George W. Bush: «Der Teufel war gestern hier und es riecht hier immer noch nach Schwefel.» Überhaupt nahm Chávez kein Blatt vor den Mund, wenn er von George W. Bush sprach: «Du bist ein Ignorant, ein Esel, ein kranker Mann, unmoralisch, feige, Lügner, Völkermörder, .., Trunkenbold, lächerlich», sagte er im März 2006 an die Adresse des damaligen US-Präsidenten. Als Friedensredner erlaubte sich der Venezolaner auch vor drei Jahren im muslimischen Saudi-Arabien einen kleinen Patzer: Vor König Abdullah und andere Teilnehmern eines Gipfels in Riad, machte er eine Anspielung auf Jesus Christus. «Wir wissen, dass der einzige Weg des Friedens, wie es Christus gesagt hat, in der Gerechtigkeit liegt», predigte er den Saudis. Diese reagierten unbekümmert. Jesus Christus war immer wieder ein Thema beim Venezolaner: «Gib' mir Leben Gott, auch wenn es ein schmerzhaftes, brennendes Leben ist. Das kümmert mich nicht. Gib' mir Deine Krone, Christus. Gib' sie mir, dass ich blute, gib' mir Dein Kreuz, hundert Kreuze, die ich trage, aber gib' mir Leben. Nimm' mich noch nicht, gib' mir Deine Dornen, gib' mir Dein Blut, das ich bereit bin zu tragen aber mit Leben, Christus, mein Herr. Amen.» (Chávez bei einer Messe am 6. April 2012) Das Wortgefecht zwischen dem spanischen König Juan Carlos und Hugo Chávez dürfte allerdings wohl den meisten in Erinnerung geblieben sein: Nachdem Chavez am Iberoamerika-Gipfel in Santiago de Chile im November 2007 spanischen Unternehmern mehrmals vorgeworfen hatte, den Putschversuch gegen ihn im April 2002 unterstützt zu haben, ... ... versuchte der heutige spanische Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero seine Position zu verteidigen. Chavez fiel ihm aber immer wieder ins Wort – bis sich der spanische König sichtlich verärgert an ihn wandte: «Warum schweigst Du nicht endlich?» Zu seinem exzentrischen Verhalten gehörte dazu, dass er jeden Happen von einem loyalen Mitarbeiten probieren liess, bevor er selber ass. Egal ob im eigenen Land oder auf Auslandsreisen, bewegte sich das Chavez-Komitee mit zwei identischen Mercedes-Benz-Limousinen. Keiner wusste genau, in welcher der Präsident sass.

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Für den Sozialisten ist der Kapitalismus die Wurzel vieler Übel, und das nicht nur auf der Erde, sondern auch andernorts im Universum. Dies zumindest erklärte Chávez in einer Fernsehansprache zum Weltwassertag am 22. März: «Ich habe stets gesagt und gehört, dass es nicht erstaunlich wäre, wenn es einst eine Zivilisation auf dem Mars gegeben hätte. Aber dann kamen Kapitalismus und Imperialismus und zerstörten den Planeten.»

Dabei bezog sich Hugo Chávez auf Berichte, wonach auf dem roten Planeten Spuren von Wasser entdeckt worden waren. Auch auf der Erde würden die Wasservorräte schwinden: «Vor Jahrhunderten gab es grosse Wälder, jetzt befinden sich dort Wüsten. Wo einst Flüsse waren, sind heute Wüsten.» Auch bei den Angriffen auf Libyen gehe es um Wasser und Ölreserven, sagte Chávez, ein Verbündeter von Muammar al Gaddafi.

Bereits früher hatte Hugo Chávez die Überzeugung geäussert, dass es auf dem Mars einst Leben gab. Ein Sprecher der US-Raumfahrtbehörde NASA wollte sich gegenüber dem «Wall Street Journal» nicht zur abenteuerlichen These des Venezolaners äussern. Er bestätigte aber, dass auf unserem Nachbarplaneten «Wasser entdeckt wurde».

(pbl)