Prozess

23. November 2009 13:04; Akt: 23.11.2009 14:52 Print

«Killer von Losone» streitet Tötungsabsicht ab

Vor dem Geschworenengericht Locarno hat der Prozess gegen den «Killer von Losone» begonnen. So haben die Tessiner Medien einen 46-jährigen Italiener getauft, der am 19. August 2008 in Losone bei Locarno einen 30-jährigen Türken erschossen hat.

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Der in Italien unter anderem wegen eines bewaffneten Raubüberfalls verurteilte Angeklagte bestritt eine Tötungsabsicht. Er habe gedacht, dass die Pistole gesichert gewesen sei, sagte der geschiedene Kalabrese am Montag vor Gericht.

Der Tessiner Staatsanwalt Moreno Capella hingegen geht von Vorsätzlichkeit aus. Laut Anklageschrift tauchten der 30-jährige Türke und sein fünf Jahre älterer Bruder am 19. August 2008 um 21.30 Uhr vor dem Wohnhaus des Angeklagten in Losone auf.

Mit Pistole zur Tür gegangen

Als dieser deren Ankunft bemerkte, holte er eine SIG SAUER P225 aus dem Schrank, kontrollierte, ob die Pistole schussbereit war und versteckte sie in einer Tasche. Anschliessend ging er die Treppe hinunter.

Beim Eingang zum Wohnhaus zog er die Pistole aus der Tasche und schoss dem 30-Jährigen ins Herz. Anschliessend richtete er die Pistole auf dessen Bruder, den er mit zwei Schüssen schwer verletzte.

Täter und Opfer kannten sich

Das Todesopfer und der Täter hatten sich gekannt. So hatte der Italiener dem Türken Kokain verkauft. Zudem lebte er mit dessen ehemaliger Freundin zusammen. Am 13. August 2008 kam es deswegen in Giubiasco bei Bellinzona zu einer Schlägerei.

Zusammen mit einem Komplizen schlug der Italiener den Türken spitalreif, um diesem «eine Lektion zu erteilen», wie es in der Anklageschrift heisst. Der Türke war zuvor gegen seine Ex, die nunmehr mit dem Italiener zusammen war, handgreiflich geworden.

Zwielichtige Freunde

Zum Freundeskreis des Angeklagten gehörten einige zwielichtige Gestalten, die nach dem Tötungsdelikt ins Visier der Tessiner Polizei gerieten.

Nach der Tat versteckte sich der 46-Jährige zwei Tage lang in der Industriezone von Sementina bei Bellinzona vor der Polizei. Vier Italiener, gegen die separate Verfahren laufen, halfen ihm dabei.

Bei einem von ihnen fand die Polizei ein Waffenarsenal bestehend aus drei Pistolen, einem Gewehr, zwei Schalldämpfern, Munition sowie einer Armbrust. Dazu wurden noch über 35 Kilogramm Marihuana und Bargeld im Wert von 350'000 Franken beschlagnahmt.

Langes Sündenregister

Der «Killer von Losone» muss sich vor dem Geschworenengericht Locarno, das in Lugano tagt, nicht nur wegen vorsätzlicher Tötung und versuchter vorsätzlicher Tötung verantworten. Die Anklage wirft ihm auch Körperverletzung, Diebstahl, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, Nötigung sowie Verstösse gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz vor. Das Urteil wird für Ende dieser Woche erwartet.

(sda)