17. März 2008 16:51; Akt: 17.03.2008 17:26 Print

«Na, dann werd' ich doch mal draufschiessen»

Der ehemalige Kampfpilot Horst Rippert ist sich sicher: Er war es, der am 31. Juli 1944 den berühmten Schriftsteller Saint-Exupéry über dem Mittelmeer abschoss. Und es tut ihm Leid.

Szene aus dem Kurzfilm «Der letzte Flug» von Roger Mönch, in dem der Abschuss von Saint-Exupéry durch den Kampfpiloten Müller geschildert wird. (Quelle: YouTube.com)
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Rippert (85) hat in einem Interview mit dem Online-Dienst der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» behauptet, er wisse schon seit der Zeit kurz nach Kriegsende, dass er als Kampfpilot das Flugzeug mit dem Autor Antoine de Saint-Exupéry (»Der kleine Prinz») abgeschossen habe:
«Da hiess es, an dem Tag ist er um die Zeit abgeschossen worden. Aber ich konnte natürlich nicht beweisen, dass ich es war», sagte Rippert.

«Das letzte Geheimnis»

Erst am Wochenende wurde die Enthüllung durch das Buch «Saint-Exupéry - Das letzte Geheimnis» von Luc Vanrell und Jacques Pradel bekannt, das am Mittwoch in Frankreich erscheinen soll. Darin wird Rippert mit seiner Erinnerung zitiert.
Der frühere ZDF-Sportreporter will am 31. Juli 1944 bei seinem Flug über dem Mittelmeer das Flugzeug, eine P-38 «Lightning», gesichtet haben. Er sagte am Sonntagabend im «heute journal», dann habe er gedacht «Na, dann werd' ich doch mal draufschiessen.» Er habe die Maschine kurz verfolgt. «Und dann bin ich von oben runter ... und habe auf die Flächen gezielt und hab' die getroffen, und die fiel dann runter. Aber ich habe nicht gesehen, ob einer ausstieg.»

«Traurig, traurig, traurig»

In dem Interview von «FAZ net» sagte Rippert, er habe das Flugzeug in seiner «Messerschmitt 109» aus einer Entfernung von «vielleicht 200 Metern» abgeschossen, südöstlich von Marseille. «Aber ich konnte natürlich weder durch meine Glasscheibe der Kabine noch durch dessen Glasscheibe sehen, dass es mein Freund Exupéry war. Man sieht da nichts.»

Nach Kriegsende habe er erfahren, dass es der Schriftsteller war. «Ich dachte nur: traurig, traurig, traurig. Ich bedauere zutiefst, den von mir sehr verehrten Autor getötet zu haben.» Und weiter: «Wenn ich gewusst hätte, dass das Saint-Exupéry war, hätte ich niemals geschossen, niemals!»

Im Jahr 2000 wurden Wrackteile von Exupérys P-38 «Lightning» im Mittelmeer geortet, 2003 geborgen und 2004 eindeutig identifiziert. Unklar war danach noch immer, ob der 44-jährige Schriftsteller Selbstmord beging, von den Deutschen abgeschossen wurde oder ob sein Flugzeug wegen eines technischen Defekts ins Meer stürzte.

Saint-Exupéry war 1944 von Borgo auf Korsika gestartet, um kurz vor der geplanten Landung der Alliierten in Südfrankreich Fotos der Alpen bei Grenoble zu machen.

«Ich war's»

Der mit Vanrell befreundete Lino von Gartzen suchte Kampfpiloten, die 1944 bei der nur wenige Monate existierenden Jagdgruppe 200 bei Marseille waren, wie er am Montag der Nachrichtenagentur AP erklärte. In den Militärarchiven gebe es kein eindeutiges Dokument, aber über private Hinterlassenschaften sei er an die Namen von 200 Piloten gekommen. Im Juli 2006 habe er mit Rippert telefoniert. Dieser habe ihm gesagt: «Sie können aufhören zu suchen. Ich war's.»

Von Gartzen sagte, die Aussage habe ihn «schockiert und umgehauen». Was Rippert ihm bei Besuchen berichtet habe, stimme in den wesentlichen Details mit anderen Zeugenberichten überein, sagte von Gartzen. Sein Buch «Der Prinz, der Pilot und Saint-Exupéry» soll im kommenden Herbst im Herbig-Verlag erscheinen. Das ZDF bereite eine Dokumentation vor, die am 19. Oktober gesendet werden solle.

Auf die Frage, warum er erst jetzt über den Abschuss gesprochen habe, sagte Rippert der Nachrichtenagentur AP, er habe keineswegs darüber geschwiegen. Er sei krank und könne keine weiteren Fragen mehr beantworten.

dhr/AP