18. April 2005 14:49; Akt: 18.04.2005 14:59 Print

«Nach zwei Minuten war sie tot»

Ein gelernter Käser hatte in Bischofszell seine 13 Jahre ältere Frau nach einem Streit mit einer Holzkeule erschlagen und ihre Leiche zerstückelt.

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Das Bezirksgericht Bischofszell hat am Montag einen 32-jährigen Schweizer zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt.

Die Tat geschah im Januar 2004 im Wohnhaus des Ehepaars im Weiler Leutswil in der Nähe von Bischofszell. Vor der Tat hatte das Ehepaar reichlich Bier getrunken. Es sei zu einem Streit über ihre Kinderlosigkeit gekommen. Seine betrunkene Frau habe ihm erzählt, sie habe vor ihrer Ehe mit seinem Vater geschlafen, gab der Angeklagte am Montag vor Gericht zu Protokoll.

Darauf hin sei er völlig ausgerastet, habe im oberen Stock des Hauses eine alte Holzkeule geholt und diese seiner Frau auf den Kopf geschlagen. Als er das viele Blut aus ihrem Kopf strömen sah, habe er ihr ein Tuch über den Kopf geworfen und sie noch ganz tot geschlagen. Um sie von den Qualen zu erlösen, sagte der Angeklagte vor Gericht.

Leiche zertückelt

Es sei alles so schnell gegangen. «Nach zwei Minuten war meine Frau tot». Nach der Tat habe er überhaupt nichts gefühlt, sagte der Angeklagte später der Polizei. Er habe das viele Blut weggewischt, die Kleider und den Schläger weggeworfen und mit dem Zerstückeln der Leiche begonnen.

Das Zerstückeln seiner toten Frau habe ihn nicht geekelt, schliesslich habe er eine Zeit lang als Hilfsmetzger gearbeitet, sagte der gelernte Käser vor dem Strafgericht. Nach dem vergeblichen Versuch der Beseitigung und zwei misslungenen Selbstmordversuchen stellte sich der 32-Jährige der Polizei.

Sehr schweres Verschulden

Der Staatsanwalt forderte am Montag vor dem Bezirksgericht Bischofszell zehn bis elf Jahre Zuchthaus wegen vorsätzlicher Tötung und Störung des Totenfriedens. Die Schuld des Angeklagten sei ausgesprochen schwer.

Er habe seine brutale Tat ohne einen erkennbaren Grund rasend vor Wut ausgeführt, sagte der Staatsanwalt. Zudem habe er sich an der Leiche seiner verstorbenen Frau auf schändliche Weise vergangen, indem er sie während seiner Freizeit nach und nach zerstückelt habe.

Der Verteidiger plädierte auf Totschlag und verlangte höchstens acht Jahre Zuchthaus. Der Mann habe im Affekt gehandelt. Ihm seien die Sicherungen durchgebrannt, nachdem seine 13 Jahre ältere Frau ihm unter die Nase gerieben habe, dass sie früher etwas mit seinem Vater hatte.

Im Affekt

Der Angeklagte sei nach der ungerechten Kränkung unter grossem seelischen Druck gestanden und bei der Tat nicht voll zurechnungsfähig gewesen. Dass er danach die Leiche zerstückelt habe, sei sehr schwer zu begreifen. Es sei ein misslungener Versuch gewesen, die Spuren der Tat zu beseitigen, um sie für sich selbst ungeschehen zu machen, hatte der Verteidiger argumentiert.

Das Gericht folgte dem Staatsanwalt nicht und qualifizierte die Tat als Totschlag. Der Angeklagte habe seine Frau nicht vorsätzlich umgebracht. Er sei nicht mehr Herr seiner Sinne gewesen und habe im Affekt gehandelt, so die Urteilsbegründung.

(sda)