US-Fernsehprediger

14. Januar 2010 12:57; Akt: 18.01.2010 10:52 Print

«Pakt mit dem Teufel» hat Haiti «verflucht»

Der fundamentalistische US-Fernsehprediger Pat Robertson sieht höhere Mächte hinter dem verheerenden Erdbeben auf Haiti. Das Land habe seine Befreiung von Frankreich einem «Pakt mit dem Teufel» zu verdanken.

Pat Robertsons Ansichten zum Erdbeben auf Haiti. (Video: YouTube)
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In seiner Fernsehsendung «700 Club» sagte Robertson am Mittwoch, die Haitianer hätten sich unter der Knute der Franzosen befunden – «Napoleon III. oder wer auch immer» – und sich versammelt, um einen Pakt mit dem Teufel zu schliessen. «Sie sagten: 'Wir werden dir dienen, wenn du uns von den Franzosen befreist.' Eine wahre Geschichte. Und der Teufel sagte: 'Okay, wir haben einen Deal.'»

Damit bezog sich der Fernsehprediger auf den Sklavenaufstand, der Haiti 1804 die Unabhängigkeit von Frankreich – Napoleon I., nicht dem III. – eingebracht hatte. Sie hätten sich befreit, «doch seither waren sie verflucht», sagte Robertson und verwies auf die in der Tat traumatische, von Katastrophen aller Art geprägte Geschichte des Landes.

Auf Voodoo bezogen

Ein Sprecher Robertsons erklärte der Agentur AP, der evangelikale Prediger habe nicht behauptet, der Zorn Gottes habe das Erdbeben verursacht. Er habe sich auf die Voodoo-Rituale bezogen, die vor dem Aufstand gegen Frankreich praktiziert worden seien. Der Sprecher verwies darauf, dass Robertsons Organisation Hilfsgüter im Wert von mehreren Millionen Dollar und Rettungskräfte auf die Insel schicken werde.

Es ist nicht das erste Mal, dass Pat Robertson die Hand Gottes hinter einer Tragödie sieht. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 und Hurrikan «Katrina», der 2005 New Orleans verwüstet hatte, interpretierte er als Strafe Gottes für die Sünden Amerikas wie Abtreibung und Homosexualität. Den Schlaganfall des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon bezeichnete er als göttliche Vergeltung für den Rückzug aus dem Gazastreifen. 2005 rief Robertson ausserdem zur Ermordung von Venezuelas Präsident Hugo Chávez auf.

Umstrittener Prediger

Beobachter in den USA sind uneins über den Stellenwert von Pat Robertson, der sich 1988 erfolglos um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner bemüht hatte. Während die einen sagen, man solle seine Ausfälligkeiten nicht länger beachten, betonen andere, seine «verrückten Aussagen» reflektierten das Denken von Millionen fundamentalistischer Christen, die sein millionenschweres Medienimperium unterstützen.

(pbl)